Das etwas andere Social Network: wirnachbarn.com

Ein Interview mit CEO und Gründungsmitglied Dr. Philipp Götting

Die junge Plattform wirnachbarn.com aus Berlin soll Nachbarschaften wieder enger zusammen bringen und ihnen den Alltag erleichtern. Diese Idee stammt von CEO und Startup Unternehmer Doktor Philipp Götting. Zusammen mit seinem Team setzte er sie erfolgreich um und arbeitet nun an der Optimierung und Verbreitung von WirNachbarn.

Bild: Sina Hermannstädter

Wie bist du auf die Idee zu WirNachbarn gekommen?

Ich habe ein Buch gelesen namens „Bowling Alone“, geschrieben von Robert Putnam, einem amerikanischen Professor. Daraufhin entwickelte ich meine Idee eines Nachbarschaftportals. In seinem Buch beschäftigt er sich mit dem Phänomen, dass die Menschheit immer weniger miteinander zu tun hat und sich voneinander entfremdet. Ich finde das total spannend, aber auch sehr schade.Gleichzeitig bin ich durch einen Zeitungsartikel über eine sehr erfolgreiche Nachbarschaftswebsite in den USA inspiriert worden.

 

Und dann?

Letztes Jahr gegen Weihnachten habe ich den endgültigen Entschluss gefasst, solch eine Nachbarschaftsplattform für Deutschland aufzuziehen. Ich entwickelte ein Konzept und suchte mir einen Programmierer, der die erste Website entwickeln sollte. Im Mai 2014 vervollständigte sich unser Team. Seit Oktober sind wir mit der Beta Version online. In Berlin befinden sich momentan elf, in Köln zwei und in Wermelskirchen fünf sehr aktive Nachbarschaften. Wenn jemand Lust hat, wo anders eine Nachbarschaft zu gründen, kann er das natürlich gerne tun.

Foto: Dr. Philipp Götting

 

 

Was genau macht wirnachbarn.com?

Zuerst einmal stellen wir sicher, dass sich wirklich nur echte Leute mit ihren echten Namen anmelden und diese auch tatsächlich am angegebenen Ort wohnen. Kürzel oder Kunstnamen gibt es bei uns nicht. Das ist das Fundament dafür, dass man sich lokal helfen kann. Die Nachbarn lernen sich kennen, tauschen sich untereinander aus und unterstützen sich gegenseitig. Man kann sich Empfehlungen einholen, etwas ausleihen, dem anderen beim Möbel aufbauen zur Hand gehen, seine entlaufene Katze suchen oder Straßenfeste und Flohmärkte organisieren. Oft ist es auch viel bequemer, etwas in der direkt Nachbarschaft zu verkaufen, als es umständlich per Post verschicken zu müssen. Unsere Plattform führt Nachbarn zusammen und möchte ihnen den Alltag erleichtern.

 

Und wie stellt ihr sicher, dass sich tatsächlich nur echte Leute anmelden und diese auch am angegebenen Ort wohnen?

Da gibt es drei Möglichkeiten. Der Nutzer kann ein Foto seines Personalausweises hochladen oder eine Postkarte anfordern, welche einen Freischaltcode enthält. Aber auch per Telefon lässt sich die Echtheit der Person überprüfen. Dieses Vorgehen ist natürlich mit einem gewissen Aufwand verbunden, aber es schafft Vertrauen und gewährt konstante Qualität.

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag bei WirNachbarn aus?

Unser Team besteht aus drei Gründern. Der eine ist für die IT und das Produkt zuständig, der andere für Organisation und Finanzen und ich für Marketing sowie die Strategie. Zusätzlich gehen uns ein Praktikant und je nach Bedarf zwei studentische Hilfskräfte zur Hand. Da wir die Plattform noch aus eigenen Mitteln finanzieren, arbeiten wir von meiner Privatwohnung in Berlin aus. Dort treffen wir uns jeden Morgen um neun Uhr mit den Laptops am Küchentisch. Nachmittags gehen wir raus, verteilen Flyer und sprechen mit Nachbarn. Unser Arbeitstag endet dann meist zwischen acht und elf Uhr abends.

Foto: http://blog.wirnachbarn.com

Die drei Gründungsmitglieder Aymon Delbridge, Philipp Götting und André Dieling (v. l. n. r.). Foto: http://blog.wirnachbarn.com

Was plant ihr für die Zukunft eurer Plattform?

Momentan versuchen wir, die Website mit Hilfe der ersten Testnachbarschaften zu optimieren. Das ehrliche Feedback dieser Leute ist für uns unheimlich wichtig. Innerhalb der nächsten Monate werden wir eine WirNachbarn App für IOS und Android auf den Markt bringen, weitere Funktionen einbauen, die das gegenseitige Unterstützen noch einfacher machen und einige Nachbarschaften mehr haben. In Berlin befinden sich aktuell 50 weitere im Ausbau. Hier spielen Facebook, Twitter und Co. natürlich eine essentielle Rolle. Es wird kräftig geteilt, geliked und getwittert. Momentan sind wir auch auf der Suche nach potenziellen Investoren zur weiteren Finanzierung der Plattform.

 

Welche Erfahrungswerte und Tipps kannst du jungen Startup Gründern vermitteln?

Grundvoraussetzung ist, dass man eine Idee hat, von der man selber absolut überzeugt ist. Dann muss man sich ein Team von Leuten suchen, die diese Idee umsetzen können. Hier sind Disziplin sowie eine ehrgeizige Arbeitshaltung enorm wichtig. Und dann muss man einfach anfangen. Ein Produkt ist immer nur so gut, wie gut du selber bist. Wenn es funktioniert, hast du Erfolg. Wenn nicht, bist du um eine Erfahrung reicher, die viele andere nicht haben.

 

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