Abwechslung, Zeitdruck und Teamarbeit – Traumjob Fernsehredakteur

Wolfgang Hörter ist Fernsehreporter beim SWR. Schon während seines Studiums der Kommunikationswissenschaften erkannte er, wie wichtig praktische Erfahrungen gerade in der Medienbranche sind. Nach einem Volontariat wurde er vom SWR übernommen und ist seitdem für den öffentlich-rechtlichen Sender als Reporter unterwegs. Im Interview verrät er, auf welchem Weg er den Einstieg geschafft hat und was seinen Job ausmacht. 

Bild: Madeleine Melzer

Wie sind Sie Reporter beim SWR geworden?
Nach dem Abitur bin ich nach München gegangen, um Kommunikationswissenschaften, Medienrecht und Markt- und Werbepsychologie zu studieren. Nach dem ersten Semester habe ich 1996 in Offenburg, das liegt in der Nähe meiner Heimatstadt, ein Praktikum in einem kleinen Regionalstudio des damaligen Südwestfunks gemacht. Nach dem Praktikum wurde ich dort freier Mitarbeiter, das heißt ich habe über mehrere Jahre hinweg immer in den Semesterferien Radiobeiträge über die unterschiedlichsten Themen produziert. Zwar habe ich dann später auch in München noch für andere Radio- und Fernsehsender gearbeitet, aber so blieb der Kontakt zum SWF beziehungsweise dem späteren SWR erhalten. Nach meinem Studium habe ich dann ein Volontariat beim SWR absolviert, bei dem man eineinhalb Jahre lang die verschiedenen Redaktionen und Abteilungen des Senders kennenlernt und diverse Schulungen bekommt. Schließlich wurde ich nach dem Volo vom SWR „übernommen“.

Wolfgang_Hörter

Fernsehredakteur Wolfgang Hörter

Welche Aufgaben übernimmt ein Redakteur?
Das kommt drauf an, es gibt ja nicht den einen „Einheitsredakteur“. Es kommt auf das Medium an und auf die Funktion. Genau genommen arbeite ich als Reporter. Andere sind zum Beispiel Planungsredakteure, die Magazinsendungen planen, oder Nachrichtenredakteure oder Schlussredakteure, die noch mal kurz vor Sendung die Beiträge überprüfen und technisch sendefertig machen.

War eine Reporterstelle bei einem öffentlich rechtlichen Sender immer Ihr Traumberuf?
Ich wusste recht früh, dass mich der Beruf des Journalisten interessiert. Ich habe in der 10. Klasse bei einem Radio-Projekt an meiner Schule teilgenommen und später als Schüler-Reporter für die Lokalzeitung in meiner Kleinstadt ein paar Artikel geschrieben. Das war so das erste „Reinschnuppern“ und da wusste ich, dass mir das gefällt. Vom genauen Berufsbild eines Journalisten hatte ich da noch keine Ahnung. Ich habe nebenher kleinere Veranstaltungen moderiert und spielte mit dem Gedanken Radiomoderator oder Reporter zu werden. Ich konnte mir grundsätzlich auch einige andere Berufe vorstellen, dachte aber, dass der Journalismus mir wohl am besten gefällt.

Welche Eigenschaften muss ein Reporter unbedingt haben?
Ich mache vorrangig aktuelle Fernsehbeiträge. Grundsätzlich sollte man Spaß haben, ganz unterschiedlichste Menschen zu treffen und im Team zu arbeiten, zum Beispiel mit Cuttern, Kameraleuten und Ton-Assistenten. Das ist aber auch das Schöne und Abwechslungsreiche an meinen Job. Ganz besonders, weil ich ja nicht in einer Fachredaktion sitze, sondern sozusagen als „Generalist“ tätig bin – ich bearbeite fast alle Themenbereiche. Ein bisschen Allgemeinbildung hilft da sicherlich. Ich treffe fast täglich fremde Menschen und arbeite mich in neue Themen ein. Dabei kommt es unter anderem auch darauf an, dass die Interviewpartner sich öffnen und bereit sind, entspannt zu erzählen. Schließlich sind viele anfangs aufgeregt, wenn sie vor der Kamera sprechen sollen. Dann braucht es auch etwas Feingefühl, um sie zu beruhigen.

Was ist Ihr Geheimnis für einen guten Beitrag?
Ich versuche mich selbst zu fragen. Was würde mich als Zuschauer persönlich denn am meisten interessieren an diesem Thema? Was hat mich bei der Recherche und beim Drehen erstaunt und was ist mir beim Interview auf Anhieb im Ohr hängen geblieben? Das sind oft auch die interessantesten Dinge. Und: Was würde ich denn spontan meinem Nachbarn erzählen, wenn er mich fragt, was ich heute für einen Film mache.

Welchen Herausforderungen müssen Sie sich im Berufsalltag stellen?
Da gibt es natürlich ganz unterschiedliche. Aber für mein Metier ist zum Beispiel typisch, dass man immer die Uhr im Auge behalten muss. Da ich vorrangig für Nachrichten und Magazinsendungen arbeite, ist man manchmal ganz schön unter Zeitdruck, denn der Sendebeginn steht fest und der ist nicht selten am gleichen Tag. Außerdem hat man sekundengenaue Vorgaben, wie lange ein Beitrag werden darf – diese Längen darf man nicht einfach überschreiten. Insofern, darf man keine Probleme mit Abgaben-Terminen haben, denke ich.

Gibt es Situationen, die sich Ihnen in Ihrer bisherigen Arbeit als Redakteur besonders eingeprägt haben?
Das sind vor allem Treffen mit interessanten Personen – meist weniger irgendwelche Promis als Menschen mit einer besonderen Lebensgeschichte. Und es sind ungewöhnliche Orte, an die man normalerweise nicht hinkommt. Zum Beispiel war ich einmal auf dem Turm des Freiburger Münsters ganz oben auf der Spitze, als der Turm restauriert wurde. Da kommen normalerweise nur die Steinmetze hoch. Außerdem geht das vielleicht ein- oder zweimal im Jahrhundert, wenn das Gerüst steht. Dass ich mit ein paar Berichten dazu beigetragen habe, dass ein regionaler Umweltskandal nicht unter den Teppich gekehrt wurde, hat mich auch gefreut.

Gibt es ein Thema zu dem Sie irgendwann unbedingt einen Beitrag machen möchten?
Kein spezielles Thema. Ich hoffe, dass ich weiterhin Spaß bei meiner Arbeit habe und abwechslungsreiche Themen meinen Weg kreuzen. Ich lass mich überraschen.

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