Licht – 5 Tipps für Interviews

Das Interview ist eine einfache und authentische Art, in Videoform zu berichten. Ob ein Vorstandsvorsitzender des Börsenunternehmens, oder der Nachbar des Mordopfers. Eine gute Vorbereitung erspart Enttäuschung auf beiden Seiten - beim Journalisten der Frust, einen billig aussehenden Film wie aus dem Hobbykeller geschaffen zu haben und beim Interviewpartner den Eindruck, schlecht porträtiert worden zu sein. Einfache Schritte können bei der Beleuchtung für gute Resultate sorgen.

Ein großer Reflektor lässt das Licht weich erscheinen.

Viel Licht ist gutes Licht

In Innenräumen ist Licht ein kostbares Gut, sodass jede Quelle genutzt werden sollte. Sind alle Lampen an der Zimmerdecke angeschaltet? Wo befinden sie sich? Während Glühlampen als Spitzlicht dienen oder mit ihrem warmen Licht für eine wohlige Atmosphäre sorgen, leuchten Neonröhren recht große Flächen gleichmäßig aus. Diese Leuchtmittel sind aber oft nicht farbtreu, sodass auf den korrekten Weißabgleich geachtet werden sollte. Bei der Mischung mit unterschiedlichen Lichtquellen wie Glühlampen und LED-Leuchten kann es durch die unterschiedliche Lichtfarbe zu Blau- oder Rotstich kommen. Während das Tageslicht zusammen mit Neonröhren und Leuchtdioden eine kalte Farbe besitzt, wird von den Glühlampen ein wärmerer, rötlicher Farbspektrum ausgestrahlt.

Natürliches Licht nutzen

Die Sonne ist unsere stärkste und schönste Lichtquelle und sie ist kostenlos! Jetzt würden alle Produzenten das Lichtbudget sofort kürzen, hätte sie nicht den großen Nachteil: Sie ist nicht kontrollierbar. Für den Filmer ist deshalb schlechtes Wetter eine gute Gelegenheit. Ein mit Wolken bedeckter Himmel sorgt für eine gleichmäßige, weiche Ausleuchtung. Aber auch wenn die Mittagssonne unerbittlich knallt und tiefschwarze Schatten in das Gesicht zeichnet, haben wir eine Möglichkeit, sie zu bezwingen. Ein ausreichend großer Reflektor aus weißem Stoff zerstreut das harte Licht und schafft eine schöne Aufhellung.

Weiches Licht macht schöne Haut – und lässt dich nicht wie einen Massenmörder aussehen

Wer kennt es nicht: Da macht man sich für die Familienfeier schick und auf den Fotos von Onkels neuer Spiegelreflex sehen alle wie in einer Dokusoap des Privatfernsehens aus, in der sich die optisch und seelisch missratenen Bewohner einer Berliner Plattenbausiedlung bekriegen. Der kleine, eingebaute Blitz von Fotoapparaten sorgt wie das Harte Licht aus Glühlampen für harte Schatten. Kleine Hautfalten werden zu tiefen Kratern und der lästige Pickel gleicht einem Mondkrater. Wer jetzt Mitleid mit seinen Nächsten bekommt, die ihre Gesichtsmuskeln nicht so unter Kontrolle haben wie die Selfie-Generation, kann mit Licht viel verbessern. Aus hart mach weich: Ein weiches Licht wird von einer großen Fläche abgegeben und umstrahlt die Unebenheiten wirksam. Dazu reicht ein Stück Butterbrotpapier oder matte Folie, das zwischen der Lichtquelle und dem zu filmenden Objekt gehalten wird. Umso größer der Diffusor ist, umso weicher und gleichmäßiger wird die Ausleuchtung. Aber Vorsicht mit Halogenlampen: normales Papier kann brennen, wenn es zu nahe an die heiße Lichtquelle kommt. Ausreichend Abstand ist hier notwendig.

Auch der Hintergrund will ausgeleuchtet werden

Bevor wir die Position unseres Protagonisten vor der Kamera ins rechte Licht rücken, sollte uns bewusst sein, was der Hintergrund hergibt. Damit der Interviewte nicht wie aus Papier geschnitten vor einer schwarzen oder weißen Fläche zu sehen ist, darf es hinter ihm nicht komplett an Beleuchtung fehlen. Während draußen an Lichtintensität nur zwischen Sonne und Schatten gewählt werden kann, lassen sich in Innenräumen mit kleinen Spotlights feine Details zeichnen, sodass die lieblose, weiße Tapete in einer interessanten Farbe leuchtet. Oberflächen bekommen schräg beleuchtet eine Kontur, die sie räumlich greifbar macht.

Ein Spitzlicht lässt glänzen

Was die professionelle Produktion des Fernsehsenders vom Kinderzimmer-Youtube-Blogger unterscheidet? Das Spitzlicht. Auch wenn das maßlos übertrieben ist, sorgt ein Spitzlicht für die nötige Absetzung von Objekt und Hintergrund. Im Gegensatz zum Licht, dass das Gesicht trifft, beleuchtet es von hinten die Haare und die Silhouette der Person. Dabei reicht oft ein kleiner, günstiger Halogenstrahler aus dem Baumarkt, der an einer erhöhten Position montiert wird.

Ihr wollt einen Tipp, um den Look eurer Produktion teurer zu machen, als sie wirklich war? Eine durchdachte Beleuchtung ist der richtige Weg dazu. Egal, welche Kamera und welches Budget vorhanden ist. Eure Interviewpartner werden es euch danken, wenn sie nicht wie der betrunkene Onkel auf den Fotos der Familienfeier aussehen, sondern wie die wichtigen Informanten, die sie für euch sind.

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