Ton mit DSLR aufnehmen – Probleme und Lösungen

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als asiatische Touristengruppen in Großstädten mit kleinen Camcordern auf alles und jeden hielten, das einheimisch aussah? Und Indie-Filmer sich Rollen an 16-Millimeter-Film im Wert eines Kleinwagens besorgen mussten? Seit der Einführung der Videofunktion in Spiegelreflexkameras gehören diese Fälle der Vergangenheit an. Die digitale Aufzeichnung auf großen Sensoren hat auch im Journalismus Einzug gehalten und die Grenzen von Budget verschoben. Da die wenigsten DSLR-Kameras über professionelle Tonaufzeichnung verfügen, stellen sich hier Herausforderungen bei der Tonaufzeichnung.

DSLR-Kamera mit aufgesetztem Richtmikro und Verstärkerbox.

Ein Codec, der für den Hobbyfilmer gemacht ist

Das Problem liegt zum einen in dem Codec, in dem die Tonspuren aufgenommen werden. Genau wie die Musiksammlung, die ohne den MP3-Codec um ein vielfaches mehr Platz auf der Festplatte verbrauchen würde, wird der Ton in einem platzsparenden Format gespeichert. Damit wird in Kauf genommen, dass unwichtige Frequenzen gelöscht werden und die Qualität sinkt. Viele Kameras benutzen zusätzlich eine automatische Lautstärkeregelung. Diese bewirkt, dass bei leiser Umgebung der Ton empfindlicher aufgenommen wird, als bei lauten Geräuschen. So gut die Technik ist, nicht immer liegt sie richtig. Und wenn etwas schief läuft und die Lautstärke viel zu hoch ist, kann nichts mehr gerettet werden. Wenige Kameras besitzen Anzeigen, die exakt genug sind, um dem vorzubeugen.

Boxen, die die Welt bedeuten

Eine Lösung ist die Tonaufzeichnung durch ein externes Gerät. Diese Boxen, die meist unter die Kamera geschraubt werden, bieten mit XLR-Buchsen zum einen professionelle Audioeingänge, um hochwertige Mikrofone anschließen zu können. Zum anderen besitzen sie gute Vorverstärker in ihrer Elektronik, um den Rauschanteil in der aufgenommenen Tonspur minimal zu halten. Alternativ kann auch mit manchen solcher Vorverstärkerboxen das Tonsignal an die Kamera weiter gegeben werden, um direkt bei der Aufnahme auf die Videospur geschrieben zu werden – mit allen qualitativen Nachteilen, aber mit der Möglichkeit, direkt mit der Videobearbeitung zu beginnen, ohne die externe Tondatei zum aufgenommenen Video zuzuordnen zu müssen. Wer unter Zeitdruck arbeiten muss, wird das zu schätzen wissen und die leicht schlechtere Tonqualität hinnehmen. Für alle anderen muss im Videoschnitt mit zusätzlicher Arbeit gerechnet werden.

Dreipolige XLR-Anschlüsse.

Dreipolige XLR-Anschlüsse.

Schneiden heißt hier: Zusammenfügen

Die Zusammenfassung von Audio geht in jedem Schnittprogramm anders. Prinzipiell muss die richtige Audiodatei der passenden Videodatei zugeordnet werden und Synchron auf die Videospur aufgesetzt werden, sodass kein zeitlicher Verzug entsteht. Das menschliche Gehör ist auf Zehntelsekunden genau, also ist Präzision hier wichtig. Eine Klappe wie beim Kinofilm muss deshalb bei der Aufnahme jedes Videoclips eingesetzt werden. Das heißt nicht, dass eine Holzklappe mit der Aufschrift von Szene und Take benutzt werden muss, auch wenn diese zusammen mit der hörbaren Aussprache des Aufgeschriebenen nützlich für die Zuordnung der Clips sein kann. Es kommt auf den Ton an. Deshalb kann alles benutzt werden, was ein kurzes, lautes Geräusch auf der Tonspur produziert und im Video sichtbar ist. Ein Klatschen in die Hände ist dafür ideal. So muss im Schnitt nur noch die Tonspur mit dem lauten Geräusch an die Stelle gefahren werden, auf der im Video die Hände zusammen treffen. Manche Videoschnittprogramme wie Premiere vereinfachen die Synchronisation durch automatische Funktionen. Außerdem gibt es externe Software wie PluralEyes von Red Giant Software, um automatisierte Zuordnungen durchzuführen.

Um hochwertiges Audio mit Spiegelreflexkameras aufzunehmen, benötigt es oft weitere Investitionen in Geräte oder Software. Ein schlechtes Bild kann mit einem guten Ton kaschiert werden, der das Miterleben möglich macht. Durch einen schlechten Ton wird der Zuschauer schneller abgelenkt, als ihn ein gutes Bild fesseln könnte. Ein durchdachtes Konzept der Tonaufnahme und -aufzeichnung kann einen schnellen Postproduktionsworkflow und eine gute Qualität sichern. Die Gedanken dazu muss sich jeder Videofilmer vor dem Dreh machen. Dann geht im Stress des Drehs auch nicht die Komponente verloren, die man nicht sehen kann – der Ton.

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