Quereinsteiger im Sportjournalismus: Erfolgreich ohne Ausbildung

Jana Wiske hat nie Sportjournalismus studiert, ihre Ausbildung absolvierte sie in Form eines Volontariats beim kicker. Heute ist sie beim bekanntesten deutschen Fußballfachmagazin eine erfolgreiche Sportjournalistin. Im Interview spricht sie über ihren Beruf, ihre Aufgabe im Sportjournalismus und verrät, mit was die Sportprominenz kocht. 

Ohne Ausbildung als Quereinsteiger erfolgreich im Sportjournalismus Jana Wiske (Quelle: privat) Ohne Ausbildung als Quereinsteiger erfolgreich im Sportjournalismus Jana Wiske (Quelle: privat)

Jana Wiske hat BWL an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen studiert. Nach dem Examen absolvierte sie ein Volontariat beim Sportmagazin kicker und landete so als Quereinsteiger im Sportjournalimus. Dort ist sie seit 2002 Redakteurin und zu ihren Aufgaben gehört es für die Rubriken 2. Liga/3. Liga und Allgemeiner Sport zu schreiben. Seit 2005 erfüllt die 39-Jährige Lehraufträge im Bereich Sportjournalismus, PR/Unternehmenskommunikation und Sportmanagement an verschiedenen deutschen Hochschulen.

Ich will auch so ein Ansager bei Fußballspielen werden“ – das haben Sie mit sechs Jahren Ihrer Mutter erklärt. Hatten Sie in der Zwischenzeit die Gelegenheit, sich als Spielkommentatorin zu versuchen?

Nein. In meinem kindlichen Leichtsinn fand ich das ganz prickelnd, aber wenn ich sehe, auf welcher Bühne sich die Kollegen heute bewegen müssen, gerade in Zeiten von Social Media, wo jeder Kommentar irgendwie beurteilt wird, bin ich froh, dass ich damit nichts zu tun habe.

Sie wussten schon sehr früh, dass Sie in Richtung Journalismus gehen wollen. Dennoch haben Sie kein Sportjournalismus studiert, Ihre Ausbildung haben Sie in Form eines Volontariates beim kicker absolviert. Warum haben Sie sich für ein BWL-Studium entschieden und sind als Quereinsteiger in den Sportjournalismus gegangen?

Weil ich der Meinung war, mit einem reinen Journalismus-Studium relativ festgefahren zu sein. Im BWL-Studium hatte ich mit Marketing, Kommunikationswissenschaften und Politik verschiedene Schwerpunkte. Wenn ich gewollt hätte oder heute noch wollen würde, könnte ich immer noch im Bereich Marketing unterkommen. Und das war für mich immer ein beruhigendes Gefühl zu wissen: Ich bin flexibel.

Wenn Sie nicht über Sport berichten könnten – über was würden Sie schreiben?

Über Menschen aller Couleur. Ich finde es einfach wahnsinnig spannend, Menschen zu treffen und über sie zu berichten.

Dann schreiben Sie lieber über die Sportler als über Spiele?

Das würde ich jetzt nicht werten und sagen, das eine mache ich lieber als das andere. Wenn es ein herausragendes Spiel oder Sportereignis ist, hat das auch seinen Reiz. Es sind ja auch zwangsläufig immer Menschen mit dabei.

Sie lieben Fußball, und übernahmen während Ihres Volontariats die Aufgabe Spielanalysen zu schreiben und waren viel in Stadien unterwegs. Danach sind Sie in den Bereich „Allgemeiner Sport“ gekommen – tat Ihnen das weh?

Weh tun ist vielleicht der falsche Ausdruck. Es stimmt, ich bin zum kicker, um im Bereich Fußball zu arbeiten. Aber im Nachhinein gesehen war der Wechsel grandios. Ich durfte Olympische Spiele miterleben und Weltmeisterschaften, vom Handball bis zur nordischen Ski-WM. Ich bin wahnsinnig herumgekommen und habe, ich möchte jetzt nicht sagen die besseren Sportler, aber authentischere kennengelernt.

Wie meinen Sie das?

In der Bundesliga oder auch in der 2. Liga sind die Protagonisten teilweise schon abgehoben. Bloß weil jemand mal ein bisschen besser den Ball kickt, ist er kein besserer Mensch. Mir ist es lieber, jemanden zu haben, der auf dem Boden geblieben ist. Das ist im anderen Sport schon eher der Fall. Also, ich bin sehr dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Auf was sollte man im Sportjournalismus im Hinblick auf die Sportprominenz achten?

Keine Scheu vor ihr zu haben. Die kochen mit dem selben Wasser wie wir. Wie gesagt, es zeichnet sie nichts weiter aus, als dass sie möglicherweise sportlich mehr Leistung erbringen als Sie oder ich. Aber es macht sie nicht zu besseren Menschen. Gerade die großen Stars werden von allen Seiten angehimmelt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich diese Sportler mehr öffnen, wenn man ihnen nicht das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein.

Was reizt Sie so sehr an Ihrem Beruf?

Der Reiz ist letztlich, dass ich etwas mache, was ich über alles liebe. Wenn ich am Wochenende zu Hause bin, läuft bei mir 24 Stunden lang der Fernseher, weil gerade Wintersportsaison ist. Ich darf mich sozusagen in meinem normalen Arbeitsleben mit etwas befassen, was mich auch privat interessiert und darf darüber auch noch berichten. Das ist ein Segen. Das heißt ja nicht, dass ich nicht offen für andere Sachen bin. Aber es ist etwas Wunderbares, wenn man dem Sport sehr nahe ist und den ein oder anderen kennt. Das gebe ich gerne zu, da ist man vielleicht auch etwas eitel oder stolz darauf. Man fühlt sich der ganzen Sache dann auch noch ein bisschen näher.

Darf man als Sportjournalist eine Lieblings- oder Hass-Mannschaft haben?

Das darf man (lacht). Ich habe einen Mann zu Hause, der mag den FC Bayern. Ich weiß nicht, was da schief gelaufen ist.

Da werden Fußballdebatten bestimmt schnell hitzig.

Genau. Was den Fußball betrifft, haben wir eine Hassliebe.

Sport, vor allem der Fußball, wird von Männern beherrscht. Gab es während Ihrer Ausbildung beim kicker oder später schon Situationen, in denen Ihr Gegenüber Sie nicht ernst genommen hat, weil Sie eine Frau sind?

Ach, das habe ich rauf und runter erlebt. Aber da muss man eine Hornhaut entwickeln. Ich habe mich für den Job entschieden. Ich weiß, dass ich bei einem Fußballmagazin arbeite und ich weiß, dass man mir möglicherweise am Anfang als Frau weniger zugetraut hat oder vielleicht auch jetzt noch etwas skeptisch schaut. Aber ehrlich gesagt gibt es doch nichts Besseres, als unterschätzt zu werden.

 

 

Wer nicht wie Jana Wiske als Quereinsteiger im Sportjournalismus landen möchte, dem bieten sich auch einige Möglichkeiten, Sportjournalismus zu studieren.

So bietet die Deutsche Sporthochschule in Köln den Studiengang Sportjournalismus an: http://www.dshs-koeln.de/studium/studienangebot/bachelor-studiengaenge/ba-sportjournalismus/.

Auch an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Ansbach kann man Sportjournalismus studieren. Im Studiengang Ressortjournalismus ist ab dem vierten Semester die Vertiefung auf das Ressort Sport möglich: http://www.hs-ansbach.de/studium/bachelor_studium/ressortjournalismus.html.

 

Auch die Hochschule macromedia bietet das Studium des Sportjournalismus´ an: http://www.macromedia-fachhochschule.de/studium/studiengaenge/journalistik/sportjournalismus.html.

Ebenso hat die Fachhochschule des Mittelstands den Studiengang Sportjournalismus im Angebot: http://www.fh-mittelstand.de/sportjournalismus/.

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