Das Interview – Vorbereitung ist das A und O

Im Journalismus gehört es zum Tagesgeschäft, nach Informanten zu recherchieren, diese zu kontaktieren und schlussendlich zu befragen. Kurz: Ein Interview zu führen. Doch das ist, vor allem für Einsteiger, oftmals leichter gesagt wie getan. In den folgenden zwei Beiträgen lernst du, diese journalistische Herausforderung erfolgreich zu meistern. 

Bild: menschen-in-arbeit.de

Was ist eigentlich ein Interview?

Ganz allgemein handelt es sich um eine Art der Befragung. Das Ziel: Persönliche Informationen oder Sachverhalte ermitteln. Anders als bei einem Bericht werden diese beim Interview in Fragen und Antworten gekleidet.

 

Vor- und Nachteile

Das Interview bietet sich an, um Menschen und Ansichten vorzustellen und deren Argumente oder Denkweisen transparent zu machen. Auch Informationen über Prominente werden so für die Öffentlichkeit leichter zugänglich. Ein Interview peppt das Blatt mit Leben und Hintergrundinformationen auf. Außerdem kannst du den Gesprächsverlauf kontrollieren und gezielt in die richtige Richtung lenken. Anders als bei der schriftlichen Befragung erhältst du relevante Informationen unmittelbar und kannst direkt darauf reagieren. Jedoch ist es möglich, dass wichtige Informationen durch die Interaktion zwischen dir und dem Informanten verzerrt oder beeinflusst werden.

 

Die drei verschiedenen Interview-Typen

1. Das Sachinterview

  • Hier geht es in erster Linie um Fakten, nicht um die Person
  • Interviewpartner: Experten oder Beteiligter

2. Das Meinungsinterview 

  • Im Vordergrund steht die Meinung oder der Standpunkt des Gesprächspartners
  • Zum Beispiel: Politiker, Wissenschaftler aus der Ethik-Kommission, Bundesligatrainer

3. Interview zur Person 

  • Es geht um Persönlichkeit, Vita, Erfahrungen, Wünsche
  • Zum Beispiel: Die älteste Bewohnerin einer Stadt, der erfolgreiche Investigativ-Journalist

 

Wo frage ich an?

Falls kein professioneller PR-Apparat vorhanden ist oder noch keine Bekanntschaft entsteht, kannst du beim Gesprächspartner selber anfragen. Bei Parteien, Verbänden, staatlichen Einrichtungen oder Unternehmen kontaktierst du am besten zuerst die Presseabteilung. Pressesprecher sind für dich ganz besonders wichtig. Sie überwachen den Terminkalender deines potenziellen Gesprächspartners und entscheidet über deine Anfrage.

 

Wie frage ich an?

1. Das Telefongespräch

Auf diese Art und Weise kontaktierst du deinen Informanten nur, wenn einer der folgenden drei Gründe vorliegt:

  • Falls du ihn persönlich kennst oder ihr regelmäßig miteinander telefoniert
  • Wenn du ganz schnell wissen musst, ob er zur Verfügung steht
  • Falls du deinen Informanten mit brisanten Informationen konfrontieren möchtest

Bereits der Erstkontakt per Telefon kann dir wichtige Informationen liefern. Du merkst schnell, ob dein Gesprächspartner Interesse hat oder dir zur Verfügung steht. Jedoch kann es dir auch passieren, dass du ihn schlecht erreichst oder er aufgrund von Terminen relativ kurz angebunden ist.

2. Die E-Mail

Dieser Weg der Kontaktaufnahme bietet sich an wenn:

  • du nicht sofort eine Antwort brauchst
  • du Zeit hast, eine aufwändige und gewinnbringende Anfrage zu formulieren
  • du dir sicher sein kannst, dass der Empfänger seine E-Mail regelmäßig liest und beantwortet

Ganz besonders wichtig ist ein formeller und zugleich wertschätzender Ton. Du kannst in aller Ruhe wichtige Informationen formulieren und gegebenenfalls wieder abändern. Außerdem lieferst du dem Pressesprecher ein speicherfähiges Dokument, welches er mühelos ablegen oder weiterleiten kann. Ihm liegt nun schon mal eine erste Argumentation vor, mit der er den gewünschten Interviewpartner überzeugen kann.

Mehr Informationen zur erfolgreichen Kontaktaufnahme mit Informanten findest du hier!

 

Hartnäckig sein zahlt sich aus!

Als Journalist musst du die ein oder andere Anfrage vielleicht mehrmals wiederholen, bis dir dein potenzieller Gesprächspartner eine Chance gibt. Wenn es dann soweit ist, gehst du als flexibler Medienmacher auf zeitliche und räumliche Beschränkungen seinerseits ein. Falls dir ein Pressesprecher trotz aller Versuche das Gespräch verweigert, kontaktierst du deinen Informanten einfach direkt.

 

Der Interview-Ort

Die Auswahl des Ortes überlässt du stets deinem Interviewpartner. Hat er diesbezüglich keine bestimmte Vorstellung, schlägst du ihm einen Ort vor, der zu seiner Person passt und an dem er sich wohl fühlt. Den Trainer der Spielvereinigung xy am besten in seinem Station, den Türmer im Kirchturm.

 

Das Vorgespräch

Im Hörfunk und TV ist es üblich, dass sich die Interviewpartner erstmal kennen lernen. Du machst dir ein Bild von deinem Gegenüber und seinem Temperament. Ihr legt gemeinsam das Thema fest bzw. grenzt es ein. Achte hier darauf, nicht zu sehr ins Detail zu gehen und keine Fragen vorweg zu nehmen. In den Printmedien hingegen ist ein Vorgespräch nicht zwingend notwendig. Üblich ist es jedoch, dem Informanten oder dem Pressesprecher Informationen über die Themen des Gesprächs zu geben und gegebenenfalls die ein oder andere Beispielfrage zu formulieren. Aber Achtung: Gibt nicht zu viel preis! Sonst besteht die Gefahr, dass auswendig gelernte oder vorgefertigte Antworten aufgesagt werden und das Gespräch sehr trocken ausfällt.

 

Die Gesprächszeit

Die Dauer deines Interviews hängt von der Länge des geplanten Textes ab. Bei 3000 Zeichen solltest du deinem Informanten nicht mehr als acht bis zehn Fragen stellen und ungefähr 30 Minuten einplanen.

 

Die Vorbereitung

Hole dir so viel Informationen wie möglich über das Thema ein um herauszufinden, was dazu bereits erschienen ist. Stelle dir die Fragen: Was ist bekannt? Wo beginnt das Neuland? Anschließend überlegst du dir, was das Ziel deines Interviews ist. Was möchtest du wissen? Was ist dein Leitfaden?

 

 

 

 

 

 

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