Beruf Journalist als Herausforderung – Medien in Extremsituationen

Immer wieder sind Redaktionen und Journalisten Situationen ausgesetzt, die nicht planbar oder vorhersehbar sind. Ob Berichterstattung über Terroranschläge, heikle Interviews oder der Tod einer berühmten Persönlichkeit - in Ausnahmesituationen werden schon mal journalistische Grundsätze ausgehebelt. Hier bietet  der Beruf als Journalist Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

Bild: Madeleine Melzer

Anfang Januar erlebten Medien weltweit den grausamsten Terroranschlag auf ihren Berufsstand. Der Terroranschlag auf die französische Satire Zeitschrift „Charlie Hebdo“ löste eine Welle der Solidarität und Trauer aus. In Deutschland erregte die ARD Tagesthemen mit der Reaktion auf den Terroranschlag Aufsehen: Am siebten Januar machten die Tagesthemen mit dem metergroßen Schriftzug „Nous sommes Charlie“ auf. Ist das mit dem journalistischen Grundsatz der Trennung von Meinung und Bericht zu vereinbaren, mit dem Grundsatz sich mit keiner Sache, auch mit keiner guten, gemein zu machen? Kai Gniffke, erster Chefredakteur ARD-aktuell, macht in einer Pressemitteilung klar: „Es ist die politische Dimension des Verbrechens, die für uns die bisherige Grenze ein Stück verrückt hat.“ Die Redaktion habe „ein Zeichen für ihr Mitgefühl mit den Opfern, ein Zeichen der Solidarität mit den französischen Kollegen, ein Zeichen der Meinungs- und Pressefreiheit“ gesetzt. Eine ganze Redaktion hat sich hier dafür entschieden, Emotion zu zeigen. Oft stehen Journalisten in Extremsituationen aber vor Entscheidungen, die sie alleine treffen müssen.

Ein offener Schlagabtausch zwischen Moderatorin und Politiker 

ZDF Heute Journal Moderatorin Marietta Slomka war im vergangenen November einer Interviewsituation ausgesetzt, die in die Geschichte einging. Ein geplantes Interview über den Mitgliederentscheid der SPD zur Koalition mit dem Politiker Sigmar Gabriel endete in einem Schlagabtausch, der ein sachliches Gespräch unmöglich machte. Slomkas kritische Fragen gleich zu Anfang des Interviews kamen bei Gabriel gar nicht gut an und führten dazu, dass der Politiker die Moderatorin mit Sätzen wie „Dann müssen Sie hier eben nicht zugehört haben, wenn Sie diese Meinung haben.“ attackierte. Die Moderatorin konterte und hakte immer wieder kritisch nach. Beide fallen sich gegenseitig ins Wort und das Interview wird zum regelrechten Machtspiel. Ein sachliches Gespräch kommt nicht mehr zustande. Ein Interviewdesaster, wie man es im deutschen Fernsehen selten erlebte. Marietta Slomka erntete nach diesem Gespräch sowohl harsche Kritik als auch Lob. Wie sie sich anders hätte Verhalten sollen bleibt dahingestellt – der Vorfall zeigt, dass Journalisten oft schnell und aus der Situation heraus handeln müssen. Selbst erfahrenen Journalisten gelingt das nicht immer perfekt.

Robin Williams Tod lässt Journalisten auf die Tische steigen 

Im August 2014 wurde Schauspieler Robin Williams tot in seiner Villa aufgefunden. In vielen Nachrichtenredaktionen würdigten Mitarbeiter das Werk des Schauspielers indem sie auf ihre Tische stiegen und den Satz „Oh Captain! My Captain!“, ein Satz aus einem seiner bekanntesten Rollen in „Der Club der toten Dichter“ zitierten. So auch die Tagesthemen Moderatorin Carin Miosga, die mit den Worten „mit dieser Geste verneigen wir uns vor einem der größten Schauspieler“ während der Sendung auf den Moderatorentisch stieg. Auch in den Online Medien trat der Abschied von Robin Williams eine Welle der Beileidsbekundung los: Unter den Hashtags #aufdietische und #ohcaptainmycaptain verbreiteten Redaktionen und Fans weltweit ihre Anteilnahme am Tod des Künstlers.

Für das Verhalten in Extremsituationen gibt es kein Rezept

Wie Redaktionen und Journalisten in Extremsituationen entscheiden löst in jedem dieser Fälle sowohl Anerkennung als auch Kritik aus. Letztendlich gibt es keinen vorgeschriebenen, richtigen Weg – es liegt im ermessen der zuständigen Journalisten, wie sie sich in schwierigen, außergewöhnlichen Situationen verhalten.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*