Bildgestaltung: Perspektive

Die Perspektive bedeutet die Wiedergabe eines dreidimensionalen Körpers auf einer Fläche. Das kann ein Fotofilm oder ein digitaler Sensor sein. Wie im menschlichen Auge wird in der Kamera ein spiegelverkehrtes Bild auf den Sensor geworfen. Wie wir das Motiv und die Umgebung auf einem Bild wahrnehmen, hängt maßgeblich von der Perspektive und der Bildgestaltung ab.

Das Perspektivzentrum befindet sich im Objektiv. Hier treffen sich alle Lichtstrahlen, die das Bild projizieren.

Die fotografische Perspektive ändert sich nicht, wenn man die Brennweite verändert. Was dann passiert, ist lediglich eine Ausschnittsvergrößerung. Der Bildwinkel wird beim Zoomen enger. Will man die Perspektive verändern, muss man den Standpunkt der Kamera und die Bildgestaltung verändern.

Was kann ich mit der Perspektive erreichen?

Mit der Auswahl der Perspektive kann der Kameramann auswählen: Will ich neutral abbilden und einen Sachverhalt dokumentieren? Oder will ich werten und expressiv auf einen Zusammenhang hinweisen? Höhere Expressivität kann durch die Abweichung der Kameraachse von der horizonalen oder vertikalen Achse der Handlung erreicht werden. Durch Nähe zum Objekt wird eine intimere, lebendigere Darstellung erzeugt. Das heißt die Bildgestaltung darf dabei nie in Vergessenheit geraten.

Die Froschperspektive

Wird ein Objekt von unten gezeigt, spricht man von der Froschperspektive. Der Zuschauer sieht das gezeigte Bild aus der Sicht eines Zwerges. Dadurch wird der Bildinhalt extrem aufgewertet und scheint mächtig. Dieses Stilmittel wurde und wird von vielen autoritären Herrschern zu Propagandazwecken genutzt. Mit der richtigen Bildgestaltung kann also eine kleine Person sogar als Riese dargestellt werden.

Auf Augenhöhe

Wer auf Augenhöhe zu seinem Gegenüber ist, besitzt einen neutralen Standpunkt und kann mit dem Gegenüber einfach in Kontakt treten. Das gilt auch bei der Bildsprache. Wenn ein Reporter zu den Zuschauern spricht oder ein Interviewpartner komplizierte Sachverhalte erklären soll, ist die Augenhöhe das Mittel der Wahl. So kann der Zuschauer die Inhalte ohne eine unterschwellige Wertung aufnehmen. Die Objektivität kommt durch diese Bildgestaltung besonders gut zur Geltung.

Die Vogelperspektive

Wird eine Szenerie von Oben gezeigt, erscheinen die Handelnden wie kleine Insekten auf einem Ameisenhügel. Dadurch kann Übersicht über große Flächen vermittelt werden, die Akteure werden aber zwangsläufig zu machtlosen Rädchen in einem großen System degradiert. Will man die Machtlosigkeit des Individuums verdeutlichen, ist die Vogelperspektive die erste Wahl.

Zwischen den Extremen gibt es natürlich Zwischenstufen. Diese werden als Obersicht für einen höheren und Untersicht für einen niedrigeren Kamerastandpunkt bezeichnet. Durch ausprobieren lernt man schnell, wie viel Dramatik man der Aufnahme hinzufügen möchte, wie die Bildgestaltung aufgebaut werden muss und welches Stilmittel überzogen wirkt.

Tiefe im Raum

Möchte man die Tiefe des Raumes betonen, bietet sich mit der Perspektive und der Bildgestaltung eine interessante Möglichkeit. Wenn wir mit dem Zoom das Bild vergrößern, aber uns mit der Kamera vom Objekt weg bewegen, bleibt das Motiv auf dem Bild gleich groß. Der Hintergrund scheint allerdings näher und ist eher unscharf (Siehe: Schärfentiefe). Der Raum wirkt so gestaucht und die Illusion von Enge und Unbehagen kann erzeugt werden, wenn die Filmkamera in einer Wegbewegung eine Zoomfahrt auf das Objekt ausführt.

Wählen wir anstatt der eben erwähnten hohen Brennweite eine weitwinklige Einstellung, müssen wir die Kamera näher am Objekt platzieren, um mit ihm das Bild ausfüllen zu können. Der Hintergrund wirkt nun weiter entfernt und der Raum scheint größer und tiefer, als vorher. Das heißt, dass durch die Bildgestaltung der Fokus verändert werden kann. Wird diese Bewegung von der Filmkamera mit einer Zoomfahrt kombiniert, spricht man vom Vertigo-Effekt, den Alfred Hitchcock im gleichnamigen Film genutzt hat, um die Höhenangst seines Protagonisten zu verdeutlichen.

Die Perspektive gibt dem Fotografen und Filmer viele Möglichkeiten, eine Haltung auszudrücken und den Emotionen der Protagonisten Ausdruck zu verleihen. Dabei liegt es in der Verantwortung des Kameramannes oder der Kamerafrau, die Realität nicht zu verzerren, sondern mit der eigenen Bildsprache und Bildgestaltung dem Zuschauer neue Perspektiven zu eröffnen und bekannte Motive in einem neuen Licht erscheinen zu lassen.

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