Bildgestaltung: Filmschnitt

Ein Schnitt bedeutet, etwas weg zu nehmen. Früher, zu Zeiten der analogen Filmkameras, war das noch der Fall. Aus den entwickelten Filmrollen wurde das brauchbare Material herausgeschnitten und in Streifen neben dem Schnittpult aufgehängt, bis es wieder zusammengefügt wurde. Doch hier beginnt erst der interessante Teil des Filmschnitts und dessen Bildgestaltung: Die Montage.

Professionelle Cutter nutzen heute die Schnitttechniken des Kinofilms auch im Fernsehen.

Die Plansequenz

In den ersten Aufnahmen, die gefilmt wurden, wurde die Realität 1 zu 1 abgebildet. Es fanden keine Schnitte statt. Eine solche Szene wird Plansequenz genannt. Sie ist eine Filmaufnahme, die nur aus einer Einstellung, dem sogenannten Shot besteht. Ein ganzer Film, der so gedreht wurde, heißt Single Shot. In der Plansequenz ist die Aufmerksamkeit des Zuschauers viel höher. Die Zeit wird intensiver vermittelt als mit Multiple Shot. Ohne Schnitte wird nicht von der Handlung abgelenkt und jeder Moment muss durchlebt werden. Dabei kann die Kamera in die Szene hinein- oder hinauszoomen oder mit einer Kamerafahrt die Perspektive und die Bildgestaltung verändern. Dadurch wird der Raum für den Zuschauer besonders greifbar.

Die Auflösung

Die Schnittfolge in einer Multiple Shot – Sequenz nennt man Auflösung. Die Handlung an einem Ort wird in verschiedene Perspektiven zerlegt. Somit ändert sich auch die Bildgestaltung. Dabei läuft die erzählte Zeit weiter. Die Aufmerksamkeit des Zuschauers wird durch den Schnitt sanft gelenkt, sodass ein harmonisches Ganzes entsteht. Diese an der menschlichen Wahrnehmung orientierte Kunst ist die Continuity.

Beispielsweise kann beim Bewegungsschnitt von einer gleichmäßigen Bewegung in die nächste geschnitten werden, denn der Zuschauer folgt ihr mit seinem Auge. Wird von einem ruhenden Bild in eine Bewegung geschnitten, sollte der Beginn des Ablaufs zu sehen sein, damit der Sprung nicht irritierend wirkt.

Die Auflösung im Dreischnitt ist besonders attraktiv. Dabei wird sich in drei Schnitten dem Protagonisten genähert oder sich von der Handlung entfernt. Die Sprünge von einer weiten, totalen Einstellung in eine Nahe oder das „Aufziehen“ von einer extremen Nahaufnahme auf die gesamte Handlung bauen Spannung auf. Wobei hier immer auf die Bildgestaltung geachtet werden muss. Wenn der Zuschauer zuerst gebannt auf ein spannendes Detail blickt, bevor ihm die gesamte Szene eröffnet wird, bleibt er dabei und schaltet nicht ab.

Bei der Auswahl der Länge der einzelnen Clips bis zum Übergang zum Nächsten kann keine generelle Empfehlung gegeben werden. Die Sehgewohnheiten haben sich über die Jahre verändert und während in den fünfziger Jahren noch wenige Schnitte pro Minute üblich waren, wechselt das Bild heute in modernen Actionfilmen im Sekundentakt. Eine gute Selbstbeobachtung hilft: Wann blinzelt man beim Durchsehen des Clips? Das ist eine guter Zeitpunkt für einen Schnitt.

Der harte Schnitt

Beim harten Schnitt muss besonders auf die Aufmerksamkeit des Zuschauers geachtet werden. Der abrupte Bildwechsel stellt ihn vor eine Herausforderung: Er muss sich sofort wieder orientieren können. Eine Möglichkeit ist, auf den Point of interest zu achten. Wenn die Augen auf eine Handlung in der rechten Bildhälfte fokussiert sind, ist ein Harmonischer Übergang zu einem Bild möglich, dessen Aktion ebenfalls in der rechten Bildhälfte beginnt. Die Bildgestaltung beeinflusst somit den Übergang. Dem wirken ein Sprung über die Handlungsachse oder ein abrupter Wechsel der Blick- oder Bewegungsrichtung entgegen. Wenn beispielsweise ein Dialog zwischen zwei Personen aufgezeichnet werden soll, bestimmt die Linie zwischen den Köpfen der Protagonisten die Achse der Handlung. Diese Linie darf nicht überschritten werden, wenn die Dialogpartner abwechselnd in Nahaufnahme in der sogenannten Schuss-Gegenschuss-Auflösung gezeigt werden.

Sind die aufeinander geschnittenen Einstellungen zu ähnlich, spricht man von einem „visible Cut“. Dieser Schnitt ist oft ungewollt und irritiert den Zuschauer. Obwohl Zeit vergangen ist, ist der Bildinhalt und die Bildgestaltung weitgehend gleich geblieben. Die einzige Form, in der er gewollt vorkommt, ist der Jump-Cut. Diese Schnittform wird in neueren Filmsprache immer öfter als Ersatz für die Blende genommen. Der sichtbare Übergang bedeutet, dass im Film eine zeitliche Distanz überbrückt wurde. Wenn er dennoch ungewollt vorkommt, muss in eine deutlich zu unterscheidende Einstellung geschnitten werden, beispielsweise ein nahes Detail oder eine totale Einstellung, die die Übersicht zeigt.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*