Blogs vs. Twitter

Während auf Blogs ausschweifende Artikel veröffentlicht werden, kommen Leute bei Twitter in 140 Zeichen auf den Punkt. Die völlig unterschiedlichen Darstellungsformen haben dennoch eine große Gemeinsamkeit.

Das Medium, über das ein Artikel veröffentlicht wird, entscheidet darüber, in welchem Stil er geschrieben ist. Lässt sich die Nachricht schwer verbreiten, überlegt man sich genauer, was man schreibt und wie viel. Ist die Übermittlung jedoch nur einen Klick entfernt, fällt die Hemmschwelle und das Geschriebene nimmt zu.

Geschichte

  • Von der Erfindung der Sprache bis zur Erfindung der Schrift plapperten die Menschen ständig vor sich hin.
  • Priester in Babylonien erfanden die Schrift, indem sie bestimme Zeichen in feuchten Ton drückten. Steinmetze schlugen Inschriften in Säulen und Thronsessel. Die Geschwätzigkeit wurde gedämpft, da diese Methoden sehr aufwändig waren.
  • Mit der Erfindung des Buchdrucks konnte das Geschriebene schnell produziert und verbreitet werden, dementsprechend nahm das Geschriebene rasant zu.
  • Als Mitte des 19. Jahrhunderts der Telegraf erfunden wurde, mussten Nachrichten wieder verkürzt werden, da die Übermittlungskosten sehr hoch waren. Der Telegrammstil wirkte mehr als 100 Jahre stilbildend auf Veröffentlichungen, sogar auf die Dichtung.
  • Mit dem neuen Jahrtausend und der Emanzipation des Internets hatte man plötzlich die Möglichkeit viele und billige Texte zu schreiben und zu verbreiten. Der Wortschwall war geboren. Der überwältigende Mitteilunsdrang beschert uns heute unzählige Blogs.

Blogs

Man unterscheidet zwei Arten:

Corporate Blogs: größtenteils PR von Firmen
Personal Blogs: Kommentare zu aktuellen Themen, öffentliche Tagebücher, etc.

Bei den Personal Blogs lässt sich wiederum unterscheiden in zwei Gruppen:
1. Ungelesene: Manche Blogger wissen, dass sich keiner für den Blog interessiert. Sie nehmen den Blog als Tagebuch, quasi als Entlastung von ihren alltäglichen Problemen.
2. Gelesene: Blogger wünschen sich Leser und damit Klicks. Das Problem: Die ungeheure Menge an Bloggern schafft eine riesige Wüste voller Artikel. Der einzige Autor ist darin nur ein Sandkorn. Für einen Blog gibt keiner bewusst Geld aus, wie für eine Zeitung.

Was also tun, um wahrgenommen zu werden?

Sehr wichtig ist es den ersten Satz besonders ideenreich zu gestalten, sodass er neugierig macht und unbedingt gelesen werden muss.
Eine weitere wichtige Regel: Der Autor muss etwas zu sagen haben und sich nicht in endlosen Phrasen usw. ertränken. Er sollte sich die Frage stellen: „Hätte ich das auch in einem Brief geschrieben, in dem Ausmaß und mit den verbundenen Kosten?“ Wenn die Antwort ja ist, ist es meist Wert, veröffentlicht zu werden. Immerhin: Blogger bedienen sich einfacher sprachlicher Mittel. Das erhöht die Chance im Netz gelesen zu werden erheblich.

Twitter

Das Gegenteil des Wortschwalls ist Twitter: Maximal 140 Zeichen haben die Verfasser für einen Tweet. In den Anfängen nur für private Späße genutzt, entwickelte sich Twitter zu einer wichtigen Institution der Zeitgeschichte: So twittern mittlerweile auch die Kanzlerin, Barack Obama oder der Papst. Unternehmen twittern Werbung und Blogger weisen auf Blogs hin, was den Kreislauf wieder schließt. Der Telegrafenstil wird durch Twitter wiederbelebt, im Sinne von: Wer kann das meiste sagen, in zwei bis drei Sätzen. Twitter verwandelte also die Grundlage der Kommunikation wieder zurück zu mehr Inhalt. Auf der ganzen Welt bekannt wurden zum Beispiel diese drei Wörter: Four more years. Der US-Präsident twitterte so seine Wiederwahl, das ist bis heute mit 800.000 Retweets der am häufigsten geteilte Beitrag auf Twitter.

Blogs und Twitter haben neben ihren Unterschieden aber auch eine große Gemeinsamkeit. Sie sind Sprachrohr der Bürger und Kontrollorgan der Mächtigen. Das zeigte sich im Arabischen Frühling 2010 als durch Revolutionen mehrere Diktatoren gestürzt wurden. Als konventionelle Medien nicht über Demonstrationen des Volkes oder Verhaftungen berichteten, organisierten sich viele Bürger über Twitter und strahlten damit ein Bild von der wahren Lage im Staat hinaus in die Welt.

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