Die Volontärin bei der Lokalzeitung

Der Lokaljournalismus wird oft belächelt und doch fängt für viele die Karriere genau dort an. Im Interview erzählt Julia Mähler, warum sie sich für ein Volontariat bei einer Tageszeitung entschieden hat. 

Julia Mähler hat den Berufseinstieg im Lokaljournalismus geschafft. (Foto: privat)

Letztes Jahr hat Julia Mähler (23) das Ressortjournalismus-Studium an der Hochschule Ansbach mit dem Schwerpunkt Umwelt und Energietechnik beendet. Seit Februar 2015 ist sie Volontärin beim „Weilheimer Tagblatt“.

Welche Berufsvorstellung hattest du, als das Studium los ging?

Der erste Gedanke war Agenturjournalismus, also bei der Deutschen Presseagentur oder Reuters zu arbeiten, die vor allen anderen vor Ort sind und Neuigkeiten an die anderen Medien weitergeben.

Was machst du jetzt?

Ich bin seit Februar Volontärin beim „Weilheimer Tagblatt“, einer Lokalzeitung, die zum Münchner Merkur gehört.

Zwischen Abschluss und Volontariat liegen aber doch ein paar Monate. Was hast du in der Zeit gemacht?

Da war ich freie Mitarbeiterin bei der Zeitung. Das mit dem Volontariat war Glück, denn es werden nur ein, zwei Volontäre genommen und die Stelle wurde frei.

Warum hast du dich für diesen Job entschieden?

Es war immer noch so die Option, in die PR zu gehen. Aber im Endeffekt habe ich mich dann doch für den Journalismus entschieden, weil man hier nicht fremdbestimmt und für irgendeinen Konzern schreibt, sondern in Anführungszeichen so, wie man selber will.

Was genau sind deine Tätigkeiten?

Ich habe eigentlich jeden Tag mehrere Termine, zu denen ich gehe. Teils zu tagesaktuellen Geschehnissen, teils für längere Geschichten und Reportagen. Dann bearbeite ich noch Meldungen, führe und schreibe Interviews, Berichte und Features und das themenübergreifend, rund um die Stadt und das Land Weilheim.

Was reizt dich an deinem Beruf besonders?

Das coole ist, dass man die Sachen vorschlagen kann, die einen interessieren und man die dann auch machen darf. Zum Beispiel die Ausstellung über Taub-Blindheit in einem Café. Das war total faszinierend, wie sich die Betroffenen verständigt haben. Darüber habe ich eine große Seite schreiben dürfen und auch einigermaßen viel Zeit dafür gehabt. Momentan schreibe ich an einem Portrait über einen Flüchtling aus Syrien, seine Geschichte interessiert mich auch persönlich sehr.

Und was ist mit den typischen Presseterminen zum 5. Jubiläum des örtlichen Taubenzüchtervereins, wie es immer so schön heißt?

Die sind natürlich auch mit drin (lacht). Von Feuerwehrsitzungen bis Spendenübergaben. Aber das gehört dazu und es interessiert die Leser ja auch, zumindest einen Teil. Und klar muss ich auch über Themen schreiben, die mich nicht so wirklich reizen. Aber so lernt man immer etwas dazu und erweitert seinen Horizont.

Welche Eigenschaften braucht man deiner Meinung nach für deinen Beruf?

Man sollte flexibel und spontan sein. Ich bin darauf gefasst, dass sich jede Stunde etwas ändert, ein neuer Termin oder eine neue Meldung dazukommt. Neugierde und eine Offenheit für viele Themenbereiche sind auch sehr wichtig. Im Studium hatte ich Umwelt und Energietechnik als Schwerpunkt, aber hier schreibe ich auch über Kultur, Sport und alles, was so anfällt.

Ist es wichtig, dass man sich in der Region auskennt?

Es ist von Vorteil, ja, aber ich glaube nicht, dass es zwingend notwendig ist. Ich selber komme ja auch nicht aus Weilheim, sondern aus einem Ort 35 Kilometer entfernt. Hauptsache, du gehst offen auf die Leute zu und freundlich mit ihnen um.

Gibt es etwas, an das du dich erst gewöhnen musstest?

An den Zeitdruck, den ich und meine Kollegen habe. Das ist manchmal schon ein bisschen blöd, weil ich manche Texte gerne noch einmal durchgegangen wäre oder manche mit noch mehr Herzblut geschrieben hätte. Aber wenn man den Artikel in einer Stunde abgeben muss, formuliert man nicht mehr lange herum.

Von welchen Erfahrungen aus der Studienzeit kannst du nun profitieren?

Am hilfreichsten finde ich die Erfahrungen aus dem Praxissemester. Aber auch das Hintergrundwissen wie Medienrecht hilft. Beim Lernen auf die Prüfung denkt man es nicht, aber es ist später dann doch ganz praktisch, wenn man schon mal davon gehört hat (lacht).

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