Multichannel-Networks laufen die Youtuber weg – Unabhängigkeit die Lösung?

In der letzten Zeit sind mehrere prominente Youtuber aus Verträgen mit sogenannten Multichannel-Networks ausgetreten. Sie wollen auf eigenen Beinen stehen und sehen sich nicht mehr als Bittsteller einer großen Vermarktungs-Industrie. Eine Entwicklung zu mehr Eigenständigkeit, die Zukunft hat?

Youtube entwickelt sich immer mehr zu einem Geschäftsmodell für die erfolgreichen Mitglieder.

Es ist der 20. Dezember 2014. Ein Hashtag erobert mit 700 Tweets pro Minute Twitter. Es ist #Freiheit, ein plakatives Wort, mit dem sich jeder identifizieren kann. Den Anstoß gab das Video von Youtuber Simon Unge in seinem Kanal „ungefilmt“, in dem er seinen Austritt aus dem großen deutschen Multichannel-Netzwerk „Mediakraft“ ankündigt. Die Trennung soll alles andere als einvernehmlich gewesen sein. Der Youtuber verweist im Video auf seine erfolgreiche Arbeit: Mehr als zwei Millionen Abonnenten habe er bis zuletzt besessen. Seine Videos wurden bis zu 30 Millionen mal pro Monat aufgerufen. Auf diese Reichweite muss er vorerst verzichten, wenn er seine bisherigen Kanäle aufgibt.

In dem Video richtet er sich nicht an einzelne Mitarbeiter oder Partner von Mediakraft. Vielmehr stört ihn das Prinzip dahinter. Er kritisiert fehlende Hilfe bei Sponsoring und das spontane Löschen von Videos. Das Netzwerk sei hauptsächlich gewinnorientiert und habe kaum Interesse, sich um die Youtuber als Partner zu kümmern. Laut Simon Unge geht dem Video ein Rechtsstreit mit Mediakraft voraus, in dem keine gütliche Einigung möglich war. Stattdessen soll er sogar von einem Mitarbeiter mit dem Hinweis auf eine mögliche Privatinsolvenz bedroht worden sein.

Wie profitieren die Youtuber von den Netzwerken?

Multichannel-Networks bieten den Youtubern Hilfe bei der Vermarktung und Verbreitung der Videos. Im Gegenzug fordern sie einen Teil der Werbeeinnahmen ein, die die Filmemacher mit jedem Klick auf ihre Videos bekommen. Mediakraft verspricht etwa auf der eigenen Website eine Crosspromotion über andere Partnerkanäle, rechtliche Hilfe bei Copyright-Problemen sowie Kontakt zu exklusiven Werbepartnern. Das Netzwerk verspricht dabei allen Partnern gleichwertige Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Kanäle. Dem einzelnen Youtuber bleibe seine kreative Unabhängigkeit erhalten.

Warum steigen momentan viele Youtuber aus?

Die Kritik kommt nicht ohne Ankündigung. Schon im Oktober hat mit „LeFloid“ alias Florian Mundt ein prominenter Youtuber seinen Austritt aus dem Vertrag mit Mediakraft angekündigt – damit gehen dem Netzwerk wichtige Klickbringer verloren. Allen gemeinsam ist die Forderung nach besser Betreuung und mehr gleichwertiger Partnerschaft. Das läuft dem kommerziellen Grundprinzip entgegen, dass ein Multichannel-Netzwerk stetig wachsen muss, um finanziell interessant für Investoren zu bleiben. Bei Mediakraft sind zur Zeit rund 2.000 Kanäle gebündelt. In einer Stellungnahme weist das Unternehmen die Kritik zurück. So helfe man den Partnern, „Reichweite aufzubauen, damit sie eine langfristige Perspektive als Online-Videomacher haben können. Wir unterstützen bei Produktion und Kreation von neuen Inhalten.“

Ist die #Freiheit die Zukunft?

Simon Unge hat einen neuen, von seinem ehemaligen Netzwerk unabhängigen Videokanal auf Youtube eröffnet. Schon am nächsten Tag hatten ihn hunderttausende seiner Fans wieder abonniert. Auch im internationalen Umfeld zeigen sich erste Abwanderungen erfolgreicher Videomacher in die Unabhängigkeit. Der Schwede Felix Kjellberg hat ende 2014 seinen Vertrag mit dem großen Netzwerk Maker Studios auslaufen lassen. Unter seinem Youtube-Namen „PewDiePie“ war er einer der Vorreiter aller „LetsPlay“-Kanäle, bei denen Computerspiele vom Bildschirm abgefilmt werden. Das Unternehmen wurde zuvor von Walt Disney für rund 950 Millionen Dollar aufgekauft. Dass sich die Top-Persönlichkeiten von den Netzwerken distanzieren, bedeutet nicht nur einen Prestigeverlust für die Firmen, sondern kann auch zu wirtschaftlichen Problemen führen, wenn die Klick-Reichweite der verkauften Werbung einbricht. Das spricht für die steigende Professionalisierung der Youtuber, die sich zunehmend eigene Wege der Vermarktung suchen. Für die Unternehmen besteht die Herausforderung, den Zugpferden unter den Videoproduzenten attraktive Leistungen zu bieten, sodass Kreativität und Qualität erhalten bleiben. Nur so können sie den aufwändig produzierten Inhalten der neuen Video-On-Demand Kanäle von Amazon und Netflix eigene Inhalte entgegen setzen.

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