Als festangestellter Kameramann beim Fernsehen

Dario Poletti - Quelle: privat

Nach einer Ausbildung zum Multimediaelektroniker nahm Dario Poletti 2005 die Arbeit als SNG-Techniker auf und arbeitete im Übertragungswagen mit Satelliten-Uplink. 2012 schloss er die Ausbildung zum Fernsehkameramann an der Bayerischen Akademie für Fernsehen ab. Seitdem arbeitet er für das Schweizer Fernsehen als festangestellter Kameramann.

Was faszinierte dich am Beruf Kameramann?

Man kann mit Bildern eine Geschichte erzählen und den Leuten Emotionen vermitteln. Egal, ob man eine traurige, bewegende oder lustige Geschichte erzählen will. Im Spiel mit Licht und Stimmungen kann man die Leute in den Bann des Films ziehen.

Was macht für dich die tägliche Arbeit aus?

Das faszinierende ist die Vielfältigkeit der Arbeit, jeder Tag ist anders. Je nachdem, wo dich die Dispo-Abteilung einteilt, machst du mal News, Sport-, Kultur- oder Magazinbeiträge. Immer wieder arbeitet man mit neuen Leuten an neuen Themen. Es ist kein 08/15-Job.

Welche Eigenschaften braucht man, um gute Kameraarbeit zu machen?

Das Interesse am Film ist wichtig. Dir muss etwas an dem Beitrag liegen, den du machst. Außerdem brauchst du die Disziplin, jeden Tag etwas dazu lernen zu können. Wenn du eine Szene anders als der Redakteur umsetzen möchtest, brauchst du Durchsetzungsvermögen. Eine gute Sozialkompetenz im Umgang mit den Berufskollegen ist auch wichtig. Manchmal haben Redakteure unrealistische Erwartungen an dem Kameramann. Wenn beispielsweise extravagante Kamerafahrten zwar möglich sind, aber im Schnitt für Probleme sorgen würden, muss der Kameramann beratend zur Seite stehen und begründen, warum er lieber eine andere Bildsprache wählen würde. Beim Drehen schon an den Schnitt zu denken, ist eine Grundvoraussetzung für ein gutes Produkt. Was bringt dir ein schönes Bild, wenn du es in der Sequenz nicht auflösen kannst?

Wann bist du mit deiner Arbeit zufrieden?

Wenn ich nach dem Dreh zu Hause einen Film von mir im Fernsehen sehe und mir denke: „Das ist jetzt wirklich ein gelungener Beitrag.“ Ich schaue nicht jedes kleine Interview. Doch bei einer Geschichte, die ich mit Herzblut gemacht habe, wie es doch meistens der Fall ist, gucke ich mir den fertigen Beitrag gerne an. Nur so kann man lernen, was gepasst hat oder was man besser machen könnte. Man sollte bei jedem Dreh etwas dazu lernen.

Und was, wenn der Beitrag schlecht wird?

Das kommt bei etwa jedem zweiten Beitrag vor (lacht). Nein, das kommt schon oft vor. Wenn die Zeit im Schnitt zu wenig ist oder der Reporter keine Ahnung hat, was der rote Faden der Geschichte ist, lässt er den Kameramann viel zu viel Material aufnehmen. Wenn du für einen 1:30 Minuten Film 45 Minuten gedreht hast, wird auch der Cutter verzweifeln und die Übersicht verlieren. Dann werden die erstbesten Bilder aus dem Rohmaterial in den Film geschnitten und das bedeutet für alle ein suboptimales Ergebnis. Du hast dich verausgabt, das ganze Material zu drehen, der Journalist hat eine Riesenauswahl an Bildern, aber es ist keine Zeit vorhanden, das alles anzusehen. Früher war ich deshalb ziemlich enttäuscht. Man muss aber versuchen, davon Abstand zu bekommen. Du kannst nicht beeinflussen, was die Leute im Schnitt aus dem Material machen.

Was ist die größte Herausforderung beim Kamera führen?

Dass man immer wieder etwas neues anbieten kann und keine langweiligen Standardbilder abliefert. Die Themen wechseln jeden Tag und du weißt nie, was dich vor Ort erwartet. Du musst dann innerhalb von wenigen Minuten entscheiden, welche Bildeinstellung du wählst. Du hast oft gar nicht lange Zeit, um zu überlegen, wie das Licht steht und welche Aufnahmen geplant werden können.

Welche Tipps würdest du Leuten geben, die sich für Kamera interessieren?

Sobald man im Beruf Fuß gefasst hat, ist es wichtig, täglich an seiner Arbeit zu feilen. Die Beiträge mit seinen Kollegen anzugucken und sich konstruktive Kritik anzuhören, kann sehr hilfreich sein. Auch wenn wir bei der Arbeit Einzelkämpfer sind, sollte man sich austauschen. So kann man eine andere Sichtweise bekommen und Anregungen sammeln, um sich zu verbessern.

1 Kommentar zu Als festangestellter Kameramann beim Fernsehen

  1. Bravo lieber Kollege Dario!Sehr gute Authentizität!

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