Journalistische Textsorten – ein Überblick

Was unterscheidet eigentlich eine Meldung von einem Bericht? Und wie schreibe ich eine Reportage? Diese Übersicht zeigt euch die wichtigsten journalistischen Darstellungsformen und ihre Merkmale.

Journalistische Textsorten, Foto: A. Benoelken


Verschiedenen journalistische Textsorten sollte jeder angehende Journalist kennen und unterscheiden können. Medienfrage.de stellt euch die sieben wichtigsten Darstellungsformen vor.

Die Meldung

Die Meldung, manchmal auch Nachricht genannt, ist oft die erste journalistische Textsorte, die ein Jungjournalist lernt. Es gilt die Grundregel: So lang wie nötig, so kurz wie möglich. Deshalb sollte die Meldung in wenigen Sätzen nur das Ereignis umreißen und alle wichtigen W-Fragen beantworten: Wer, was, wann, wo, wie, warum und woher stammt die Information?

Den Anfang macht der Leadsatz. Er bringt das Neue, das Wichtige und Interessante der Meldung auf den Punkt. Wichtig ist hierbei die zeitliche Sonderstellung des Leadsatzes: Wird im ersten Satz über etwas Vergangenes berichtet, kommt das Perfekt zum Einsatz. Im weiteren Textverlauf wird dagegen als Vergangenheitsform das Präteritum verwendet. Im zweiten Satz folgt in der Regel die Quelle, sofern das Ereignis nicht offensichtlich zu beobachten war oder anerkannter Fakt ist. Im weiteren Verlauf der Meldung werden mit absteigender Wichtigkeit weitere Einzelheiten zum Ereignis und Hintergrund genannt. Dabei gilt es, klar und sachlich zu formulieren. Gerade für den Anfang bietet es sich an, in kurzen Sätzen zu schreiben.

Der Bericht

Journalistische Textsorten weisen auch Ähnlichkeiten untereinander auf. Der Bericht etwa ähnelt durch seine sachliche und faktenmäßige Ausrichtung der Meldung – ist allerdings deutlich länger. Diese journalistische Darstellungsform dringt viel tiefer in die Thematik ein, zeigt Hintergründe und mögliche Zukunftsaussichten auf. Wo bei der Meldung Details auch mal weggelassen werden, führt der Bericht sie weiter aus.
Der Anfang von Bericht und Meldung ist oft recht ähnlich gestaltet: Beide haben einen Leadsatz, die wichtigsten W-Fragen werden beantwortet und die Quelle der Information genannt. Während die Meldung allerdings im Weiteren alles Wichtige nur kurz anreißt, widmet der Bericht den weitergehenden Informationen ganze Absätze. Der Bericht ist zwar sachlich formuliert, kann aber durchaus auch einmal die Atmosphäre oder Szenisches aufgreifen. So können Zitate und indirekte Rede verwendet werden, um den Text lebendiger zu gestalten.

Die Reportage

Während Meldung und Bericht als erlernbares Handwerk gelten, ist die Reportage unter den journalistischen Textsorten ein Kunstwerk für sich. Die Reportage analysiert nicht, sie beobachtet. Der Journalist erzeugt beim Leser „Kino im Kopf“, indem er das, was er sieht, schmeckt, riecht, hört, tastet und fühlt, szenisch mit in den Text einbaut. Gleichzeitig werden Fakten, Zitate und Erzählelemente mit eingewoben. Wichtig ist es, einen roten Faden zu haben, der sich durch die ganze Reportage zieht. Bevor es ans Schreiben geht, sollten sich deshalb die Abfolge der Szenen und Informationen sowie und die Übergänge überlegt werden. Tipps für gute Reportagen gibt es auch hier.

Das Porträt

Das Porträt soll mit Worten ein Charakterbild des Protagonisten zeichnen. Die Kunst ist es dabei, den Porträtierten nicht mit einigen Adjektiven zu umschreiben, sondern als Journalist verschiedene Situationen und Zitate zusammenzustellen, die ein Bild des Porträtierten im Kopf des Lesers entstehen lassen. Das heißt: Neben den wichtigen Lebensdaten dürfen szenische Elemente und Beschreibungen nicht fehlen. Deshalb während der Recherche den Protagonisten nicht einfach in einem Café treffen, sondern an einem für ihn bedeutsamen Ort. Ergänzend dazu bei Verwandten, Freunden und Bekannten Informationen einholen und diese Beobachtungen und Zitate ebenfalls in den Text einbauen.

Der Kommentar

Journalistische Textsorten können ganz unterschiedlicher Natur sein. Im Gegensatz zu sachlichen Texten wie der Meldung oder dem Bericht ist beim Kommentar die eigene Wertung gefragt. Oft sind Kommentare in Zeitungen neben kontroversen Themen abgedruckt und sollen dem Leser helfen, einen eigenen Standpunkt zum Thema zu finden. Deshalb sollte der Journalist nicht nur eine Meinung haben – sondern sie auch überzeugend begründen können. Hilfreich bei der Argumentation sind eine gute Struktur und die verschiedensten rhetorischen Stilmittel. Entscheidend ist aber vor allem, dass der Journalist sich bei dem Thema auskennt und diese Expertise bei den Argumenten durchscheint. Nur so lässt sich der Leser auch überzeugen.

Die Glosse

Frech, ironisch und wortgewaltig: Die Glosse ist oft Satire in Reinform. Meist stellt diese journalistische Textsorte die Wirklichkeit überspitzt dar, zieht ungewöhnliche Verbindungen und bereitet dem Rezipienten damit beim Lesen großen Genuss. Allerdings einen mit nachdenklichem Beigeschmack, denn die Glosse möchte den Leser durch ihre Überspitztheit oft auf die bittere Wirklichkeit hinweisen. Wie der Kommentar ist die Glosse meinungsgeprägt. Im Gegensatz zu ihm  ist sie allerdings oft noch subjektiver formuliert und hat manchmal auch polemische Züge.
Eine genaue „Anleitung“ für eine gute Glosse gibt es nicht. Wer sich an ihr probieren möchte, sollte Ungewöhnliches miteinander verbinden und ruhig mit ein wenig Wut im Bauch schreiben.

Das Interview

In Zeitungen und Zeitschriften ist das Interview eine gern gelesene Abwechslung zu anderen journalistischen Darstellungsformen. Ein Interview zwar nach wenig Arbeit („die paar Fragen…“), braucht aber viel Vorbereitung  und einen klaren Kopf bei der Durchführung. Selten wird ein Interview eins zu eins so gedruckt, wie es gehalten wurde. Der Journalist hat im Nachhinein die Freiheit, die Fragen neu zu arrangieren, Zwischenfragen einzufügen und den Text sprachlich runder zu gestalten. Große Veränderungen sollten in der Regel mit dem Interviewpartner abgesprochen werden.


Journalistische Textsorten – weiterführende Informationen


Mehr Informationen zu den unterschiedlichen Darstellungsformen gibt es auch offline zum Nachlesen. Besonders empfehlenswert ist Walter von La Roches Standardwerk „Einführung in den praktischen Journalismus“, das immer wieder aktualisiert und erweitert wird. Wer mehr über einzelne journalistische Textsorten erfahren möchte: Aus der Reihe „Journalistische Praxis“ vom Econ-Verlag gibt es noch einige weitere Werke, die verschiedene Darstellungsformen besonders hervorheben.


 

1 Kommentar zu Journalistische Textsorten – ein Überblick

  1. Ich finde die Unterteilungen der Journalistischen Textsorten sehr gut erklärt, aber es hat mir die allgemeine Erklärung: was sind Journalistische Textsorten überhaupt?“ ein bisschen gefehlt.

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