„Autor oder Prellbock“ – Die Ressortleiter-Aufgaben

Hans Böller (50) ist Ressortleiter für Sport bei der Tageszeitung „Nürnberger Nachrichten“. Er erzählt im Interview über seine Ressortleiter-Aufgaben und erklärt, was Jugendliche mitbringen sollten, wenn sie in den Printjournalismus wollen.

Ressortleiter Hans Böller

Von Daniel Ammon

medienfrage.de: Welche Ausbildung haben Sie?

Hans Böller: Nach abgeschlossenem Hochschulstudium in Germanistik und Geschichte machte ich ein Volontariat bei den „Nürnberger Nachrichten“. Heute lerne ich von Kollegen, gern auch von jüngeren.

Wie kamen Sie zur Zeitung?

Eigentlich durch Zufall. Meine Geschwister waren die weitaus besseren Schwimmer. Als die Schwimmabteilung des TB 88 Erlangen einen Pressewart suchte, vermutete man bei mir ein Talent dafür. Dass der Lokalsportredakteur der Tageszeitung „Erlanger Nachrichten“ ein solches ebenfalls zu erkennen glaubte, erstaunt mich im Rückblick. Er ermunterte mich, es vielfältig auszuprobieren – zunächst im Lokalsport, später in ziemlicher Bandbreite. Von der Kirschenkönigin über den Hausfrauenbund bis zur Kommunalpolitik. Das war lustig, lehrreich und spannend. Ein Berufswunsch wurde erst nach meinem Abschluss meines Studiums an der Philosophischen Fakultät daraus. Die Erlanger Redaktionsmitglieder ermutigten mich, es mit einem Volontariat zu versuchen. Ich bin ihnen bis heute dankbar dafür.

Seit wann sind Sie bei den „Nürnberger Nachrichten“?

Seit Herbst 1995.

Wie sehen Ihre Ressortleiter-Aufgaben aus?

Alltag gibt es, aber nicht viel. Fixe Termine sind die große Konferenz um 11.30 Uhr und anschließend die Konferenz im Ressort. Vorher stehen immer wieder Termine an, einigermaßen regelmäßig bei den Nürnberger Fußballern. Zum Alltag gehört natürlich die Tages-, manchmal die Wochenplanung, Konferenzen mit anderen Ressorts sowie die Leserpost. Fast jeden Tag ist man Redakteur und Autor, manchmal Moderator und gelegentlich Prellbock.

Wie viele Stunden arbeiten Sie als Ressortleiter am Tag?

Das variiert sehr. Es gibt Sonntage mit zwölf und mehr Stunden. Während Fußball-Turnieren ist das, wenn man vor Ort ist, der Regelfall. Im Büro sind die Tage dann auch nicht viel kürzer. Ein Arbeitstag kann auch folgendermaßen aussehen: Um acht Uhr ab Nürnberg zum Millerntor nach Sankt Pauli, Die Rückkehr ist dann eine halbe Stunde nach Mitternacht; die zwei Bier im ICE rechnet man dann zur Arbeit. Die Spätdienste werden durch das ausufernde Sportprogramm stetig länger. Daneben steht die Freiheit, an ruhigen Tagen auch einmal mittags um eins anzufangen und abends um sechs Uhr heimzugehen. Wer in diesem Beruf jedoch ständig auf die Uhr schaut, sollte sich einen anderen suchen. Überlastet habe ich mich aber noch nie gefühlt.

Kann man von Ihrem Gehalt leben?

Sehnt man sich nicht nach einem Privatflugzeug oder nach dem Besitz eines Premier-League-Klubs: natürlich sehr gut. Ich habe das Glück, einem  Verlag anzugehören, der seine Mitarbeiter in vielerlei Hinsicht Wertschätzung spüren lässt.

Hat der Beruf des Journalisten bzw. Ressortleiters bei der Zeitung noch Zukunft?

Natürlich hat dieser Beruf eine Zukunft. Die Zeitung verändert sich, das tut sie aber nicht erst seit dem Aufkommen der gar nicht mehr so neuen Medien, das tut sie schon immer. Ihr erst mit dem Radio, dann mit dem Fernsehen prognostizierter Untergang fand nicht statt. Genauso wird es jetzt kommen. Zeitungen werden in Zukunft weniger Nachrichtenmedium sein. Das ist eine reizvolle Perspektive. Ich bin Optimist genug zu glauben, dass das gedruckte Wort sogar wieder an Wertschätzung gewinnt, je mehr Worte virtuell durch die Welt wabern. Für die Zeitung ist jede Veränderung eine Chance, für jeden, der in diesem Betrieb arbeitet, auch. Ich gehe davon aus, dass es langweilige Tage auch in Zukunft nicht geben wird.

Was würden Sie einem Jugendlichen raten, der sich entschließt in den Printjournalismus zu gehen mit dem Ziel Ressortleiter zu werden?

Dem würde ich einen anderen Beruf empfehlen. Das Ziel eines angehenden Journalisten sollte kein Posten oder Pöstchen sein. Man sollte sich vor allem von der Freude am Schreiben, Gestalten und an Begegnungen antreiben lassen. Wer das mitbringt, sollte es sich nicht nehmen lassen, man findet genug davon – nicht nur in einem vermeintlichen Wunsch-Ressort und erst recht nicht nur an einem Posten. Ohne Offenheit ist Journalismus nicht möglich, ohne Mut und ohne Lust am Streiten auch kaum – und jeder in schwierigen Zeiten oft unvermeidliche kleine Umweg öffnet immer den Blick für Dinge, die man auf einem so genannten geraden Karriereweg mit großer Wahrscheinlichkeit übersehen würde. Der Rat könnte lauten: Augen auf und durch. Printjournalismus ist eine große Freude. Das wird noch lange so bleiben.

Zum Online-Auftritt der „Nürnberger Nachrichten“ geht es hier und speziell zum Ressort Sport siehe hier.

2 Kommentare zu „Autor oder Prellbock“ – Die Ressortleiter-Aufgaben

  1. Karin Strobel // 8. Mai 2016 um 18:25 // Antworten

    Gefällt mir gut.

  2. Heinrich Förthner // 1. Juli 2016 um 20:53 // Antworten

    Das Interview finde ich sehr interessant und ist auch
    prickelnd geschrieben. Vielleicht sind einige Sätze etwas lang.

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