Medien vergessen Katastrophen

Medien vergessen Katastrophen: Erdbeben in Nepal 2015, Krieg in der Ukraine seit 2014, Tsunami auf Haiti 2010 … Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Vieles, was aktuell war, ist heute nicht mehr in den Medien. Doch warum ist das so? Ein Antwortversuch.

Medien vergessen Katastrophen

Von Daniel Ammon

Die Medien kämpfen um jeden einzelnen Leser, Hörer, Nutzer. Heute mehr denn je. Die Welt der Massenmedien wird momentan grundlegend erschüttert. Aktualität ist gefragt nach dem Motto: „Die Zeitung von heute ist morgen schon alt.“ Am meisten Auflage bringen Katastrophen. Das Jahr 2015 war extrem voll davon. Aber einiges, was Anfang 2015 aktuell war, ist am Jahresende nur wieder in den altbekannten und –gefürchteten Jahresrückblicken aus den Tiefen des Archivs geholt worden: die Anschläge auf Charlie Hebdo, der Germanwings-Absturz oder die Terrornacht von Paris. Die Welt ist schnelllebig, die Medien müssen es auch sein, um zu überleben. Die Folge: Medien vergessen Katastrophen, um neuen Unglücken genug Platz zu geben.

Nachrichten im Minutentakt

Wir werden minütlich mit Meldungen aus aller Welt überschwemmt. Unsere Smartphones mit ihren Nachrichten-Apps und das Internet machen es möglich. Wir wissen oft nicht, wie wir diese Flut an Neuem einordnen sollen. Aber es scheint uns zu gefallen. Katastrophen bringen Leser, Nutzer und Geld.

Medien vergessen Katastrophen: Neue Unglücke bringen mehr Geld

Um nichts anderes geht es als um Geld. Und mit den neuesten Schreckensmeldungen verdienen die Medienmacher Geld. Doch wir Nutzer sind selbst schuld, dass uns Aktuelles von Vorgestern kalt lässt. Viele lesen auch keine Zeitung mehr, weil der Inhalt oft nicht mehr auf dem aktuellsten Stand ist. Wir gieren nach Neuem und vergessen die alten Themen, die leider nicht aus der Welt sind, wenn sie die Medien in ihren Archiven vergraben. Das Leid von Millionen Menschen nach der Flutkatastrophe von Haiti 2010 hat Millionen Menschen zu Spenden veranlasst. Doch wer spendet heute noch für die von den Naturgewalten getroffenen Bewohner? Wohl kaum einer mehr. Dafür für die Erdbebenopfer in Nepal. Doch halt, die Anschläge von Paris im November 2015 haben das Augenmerk der Menschheit nach Frankreich gerichtet und die Medien vergaßen die Bewohner im Himalaya. Dann der Terror von Brüssel im März 2016. Der IS-Terror ist durch die Anschläge von Paris und Brüssel in Europa angekommen. Die Attacken in Frankreich und Belgien werden vielleicht bald schon eine Randnotiz der Geschichte sein. Die Konsequenzen, je einschneidender sie für uns persönlich sein mögen, werden uns lange begleiten. Sie könnten aber auch zur Normalität werden. Wer weiß, was alles auf uns zu kommt?

Flüchtlingskrise fällt aus dem Rahmen

Dass das Thema „Flüchtlinge“ uns schon so lange begleitet, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass der Strom der Menschen nicht abreißt und jeden von uns direkt oder indirekt betrifft. Das Thema ist eine Ausnahme in der Berichterstattung der Medien, da sie sich zu einer Jahrhundertaufgabe auszuweiten beginnt.

Es wird sich aber auf lange Sicht nichts an der Weise der Berichterstattung ändern. Unglücke kommen und gehen, weil Medien neue gierig aufsaugen und alte Katstrophen vergessen. Was ist da das größere Elend? Die Not, die die Katastrophen mit sich bringen oder unser Vergessen? Doch wir sind als Mediennutzer selbst schuld daran.

2 Kommentare zu Medien vergessen Katastrophen

  1. Karin Strobel // 8. Mai 2016 um 18:31 // Antworten

    Eine logische und realistische Erklärung. So sind wir tatsächlich!

  2. Heinrich Förthner // 1. Juli 2016 um 20:59 // Antworten

    Beschreibt sehr treffend unsere Welt von einer seiner tragischen Seiten. Der Artikel lädt sehr anschaulich zum Nachdenken ein.

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