Newsgames: Journalistische Videospiele

Beim Begriff Newsgames steht meist sogar eingefleischten Spielefans ein großes Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Im Grunde genommen sind es ganz normale Videospiele - mit einer kleinen Besonderheit: Sie vermitteln journalistischen Inhalt. Eine Neuheit sind sie aber keineswegs, immerhin gibt es diese Art der Videospiele bereits seit 15 Jahren. Marcus Bösch, Geschäftsführer des Game Studios The Good Evil, ist der Entwickler des ersten deutschen Newsgames Prism und erklärt was dahinter steckt.

Newsgames und Journalismus – wie funktioniert das?

Dass ein Journalist grundsätzlich ein Newsgame nicht in Eigenregie auf den Markt bringt scheint nachvollziehbar. Neben Redakteuren wirken dabei auch Programmierer, Aktivisten oder Akademiker mit. „Die Aufgabe des Journalisten ist beispielsweise die Recherche und Aufarbeitung eines Themas, was Game Designer dann umsetzen“, erklärt Marcus Bösch, Entwickler des ersten deutschen Games Prism.

Im deutschen Newsgame Prism darf man der NSA ein wenig unter die Arme greifen.

Newsgames leben von der Interaktion: In „Prism“ hilft man der NSA bei der Spionage. © The Good Evil

Somit gehört das Führen von Gesprächen oder Überprüfen von Fakten weiterhin zum täglich Brot für den Journalisten. Auch auf ethischer Ebene bleibt alles beim Alten – der Pressekodex ist weiterhin die Richtlinie aller moralischen Fragen und Konflikte. „Games sind eben keine lustige Spielerei, sondern ein weiteres, ernst zu nehmendes Medium“, stellt Bösch klar.

Interaktion als Vorteil der Newsgames

Newsgames können sich an der gesamten Bandbreite von multimedialen Inhalten bedienen. Der wesentliche Unterschied zu anderen Medien ist dabei die Interaktion beim Nutzer. Der Rezipient erfährt die Geschichten – Storytelling nennt sich der Erzählvorgang – durch eigenes Miterleben, sozusagen im ‚Learning by doing‘. Dies ermöglicht das Hineinversetzen in die Handlung und soll die Inhaltsvermittlung beim Rezipienten stärker beeinflussen. Ian Bogost sieht dabei die Art und Weise der Erzählung als Schlüsselkomponente und hat dieses Phänomen als prozedurale Rhetorik bezeichnet. Letztlich sind Videospiele aber auch nur ein Medium – mit all seinen Tücken und Eigenheiten. Die größte Schwäche macht Bösch in der „oft mau ausgewählten oder schlecht angewendeten Game-Mechanik“ aus. Das schlussfolgert aber nicht, dass schlicht konzipierte Games automatisch schlecht sind: „Es kommt darauf an, wie weitreichend der Inhalt ist.“ Auch hier gibt es noch kleine Einschränkungen: „Breaking News eignen sich hier nicht sonderlich, da sind andere journalistische Formen meist sinnvoller.“ Dennoch könne man durchaus komplexe Inhalte damit vermitteln, so Bösch.

Bösch sieht Zukunft für Newsgames

Sein Unternehmen hat Marcus Bösch vor gut drei Jahren gegründet, der Markt für Newsgames war und ist noch immer relativ unbekannt. Dennoch blickt The Good Evil schon jetzt auf einen namhaften Kundenstamm. 

Marcus Bösch erklärt das Prinzip der Newsgames.

Newsgames-Pionier Marcus Bösch. © M. Bösch

Für die heute-show im ZDF konzipierte man beispielsweise das Newsgame Metdatensauger in Anlehnung an die diskutierte Vorratsdatenspeicherung in Deutschland. So kann der Spieler zum Beispiel als Thomas De Maiziere möglichst viele Gigabyte aufsaugen. Das Goethe-Institut belieferte das Gaming-Unternehmen hingegen mit vier Mini-Spielen in Form von Apps. Dennoch: Den Grund für die noch unbekannten Newsgames sieht Bösch in der „Unkenntnis und generellen Innovationsunfreundlichkeit.“ Sorgen um die Zukunft macht sich Bösch aber nicht: „Digitale Spiele werden im 21. Jahrhundert eine fundamentale Rolle bei der Vermittlung von Inhalten spielen – wie auch immer sie dann heißen werden.“ Er glaube aber, dass es demnächst noch mehr Newsgames geben werde. Fortan darf beim Wissendurst daher auch mal in die Tasten gehaut werden.

VON MATTHIAS WEICHMANN

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