Radio goes viral – mit Podcasts

Zum gefühlt zehnten Mal an diesem Tag kräht aus dem Radio der gleiche Song. Immer mit der Ansage „Neu und exklusiv nur beim Sender XY“. Ja klar, noch nie gehört – außer eben die letzten Wochen rauf und runter. Von Abwechslung oder persönlichem Flair fehlt da leider jede Spur, es ist alles reiner Standard. Deshalb laufen die Sender auch nur nebenher – second screening eben. In der Dusche, um das eigene Gröhlen zu übertönen oder beim Autofahren, weil es keinen USB-Anschluss gibt. Das war`s dann aber bei den meisten auch mit Radio, was die sinkenden Einschaltquoten der Stationen erklärt. Social Media, die neusten Apps und die Schnelllebigkeit des Internets machen ihnen das Leben schwer. Alles ist schneller, kürzer und passt sich somit viel besser den heutigen Lebensumständen der Menschen an.

npr

Nicht neu, nur anders

Dieses Phänomen gibt es natürlich nicht nur hier in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Auch in den USA hatten immer weniger Leute Lust auf herkömmliches Radio und schalteten ab. Für die amerikanischen Sender hieß das höchste Zeit für etwas Neues, etwas damit den Menschen das Medium Radio nicht nur als Erinnerung im Kopf bleibt. Also hat das US-amerikanische Radionetzwerk NPR (National Public Radio), eine 1967 ins Leben gerufene Kooperation nichtkommerzieller Hörfunksender, sich mal Gedanken gemacht und ausgiebig mit den viralen Möglichkeiten des Audios experimentiert. Viralität, das ist die extreme und schnelle Verbreitung bestimmter Dinge, wie z.B Content oder Werbung, über soziale Netzwerke und Medien. Stichpunkt Facebook, Twitter und Co. wo jeder alles liked, kommentiert oder teilt.

Public Radio ganz persönlichRadio hören

Der Grundgedanke von NPR bestand also darin, einen Weg zu finden, teilbare Audios bei denen jeder im Radio nach spätestens zwei Minuten abschaltet, knackig zu verpacken und sie durch soziale Netzwerke und vor allem den eigenen Webauftritt zu verbreiten. Und dabei zusätzlich persönlich und mit einem Gefühl der aktiven Beteiligung an den Hörer heranzugehen. Ihrer Meinung nach sind oft besonders interessante Töne in längeren Stücken versteckt, weshalb sie unter anderem versuchen, aus Zehnminütern die 30-sekündigen Ohrwürmer herauszufiltern, um sie Medien tauglich zu machen. Daraus resultieren dann kurze, prägnante Stücke, die beispielsweise auf Akustik setzen. Zusammen mit vielversprechenden Überschriften, einem Bild für die sozialen Netzwerke, einem kurzen Text und einem Link zur Vollversion bekommen die Hörer dann einiges auf die Ohren: Dinge, die nicht alltäglich und damit etwas besonderes sind, wie das Tosen des Inneren eines Hurrikans oder das Fauchen eines ausbrechenden Vulkans. Das Ergebnis des Experiments: Über 90 Prozent der Nutzer, die sich die Audios anhörten, auf die Überschriften klickten und die Posts mit ihren Freunden teilten, kamen immer aus Sozialen Netzwerken. NPR erreichte damit vielfach höhere Aufrufzahlen als im Senderdurchschnitt.

npr oneApp

Was uns zeigt, es funktioniert! Es lohnt sich, mit der Zeit zu gehen und auch ältere Medien mit in das neueste Geschehen einzubeziehen. Man muss nur wissen wie. Dass NPR das tut, beweisen sie seit 2014 auch mit ihrer App fürs Smartphone „NPR One“. Noch schneller, noch aktueller und noch persönlicher. Internationale Nachrichten, Beiträge und Reportagen, sowie individuell zusammenstellbare Musik – all in one. Und das 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Ein individuelles, halbautomatisches Wortradio, das die User nach ihren Vorlieben mit maßgeschneiderten Inhalten bespielt. Beiträge, die man bis zum Ende hört oder als besonders interessant markiert, merkt sich die App. Wie bei Netflix oder Spotify, bespielt sie den Nutzer dann mit ähnlichen Inhalten. Damit verbindet die App das Beste von Podcasts und Liveradio. Und das ist bisher einzigartig. Wann genau andere Sender und andere Länder im gleichen Stil nachziehen ist noch unklar. Fakt ist: Es ist nur noch eine Frage der Zeit.

Von Alisha Dewald

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