Praktikum: Rechte als Praktikant

Praktikum: Rechte als Praktikant Praktikanten haben wie Angestellte auch Rechte.

Die Rechte als Praktikant sind je nach Praktikumsart sehr unterschiedlich. Ein Pflichtpraktikant ist häufig schlechter gestellt als ein freiwilliger Praktikant. Damit der Start ins Praktikum reibungslos verläuft, gibt medienfrage.de die wichtigsten Antworten auf rechtliche Fragen rund ums Praktikum.

 

Der Weg in einen Medienberuf führt meistens nur über ein Praktikum. Die ersten Praxiserfahrungen bringen neue Aufgaben und Eindrücke. Damit sind auch viele Unsicherheiten verbunden: Welche Rechte als Praktikant stehen einem Studenten oder Schüler überhaupt zu?

Mindestlohn oder arbeiten für lau?

Seit 2015 gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Auch Praktikanten fallen unter diese Regelung. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen wird der Mindestlohn fällig. Über die Finanzspritze können sich allerdings nur wenige Praktikanten freuen. „Trotz Gesetz gehen viele Praktikanten leer aus“, erklärt Berit Weide-Schörghuber, Justiziarin des Bayerischen Journalistenverbands.

Bei einem Pflicht- oder freiwilligen Praktikum bis zu drei Monaten besteht kein Anspruch auf Vergütung. Das bedeutet nicht nur, dass Praktikanten unter diesen Voraussetzungen keinen Anspruch auf den Mindestlohn haben, Betriebe könnten sie auch für lau beschäftigen. Bei Pflichtpraktika besteht kein Vergütungsanspruch, da die Praktikanten ihren Status als Schüler bzw. Student nicht verlieren.

Falls der Praktikant bei einem freiwilligen Praktikum länger als drei Monate tätig ist, kommt das Unternehmen um die Zahlung des Mindestlohns nicht herum.

Fahrtkosten und Verpflegungsaufwand steuerlich absetzen

Wenn eine Vergütungspflicht vorliegt, kann der Praktikant seine Fahrten zur Arbeit steuerrechtlich absetzen. Bei dem Pflichtpraktikum ohne Vergütung wird der Praktikant in zweifacher Hinsicht schlechter gestellt: Er kann die Fahrtkosten nicht von der Steuer absetzen und hat keinen Anspruch auf Übernahme des Verpflegungsaufwands.

Im Klickpfad können Sie überprüfen, ob Ihr Praktikum mit dem Mindestlohn vergütet werden muss.

 

Praktikumsvertrag muss nicht schriftlich sein

Ein Praktikumsvertrag muss nicht schriftlich geschlossen werden. Auch mündliche Arbeitsverträge sind gültig. „Nach § 26 Berufsbildungsgesetz wird auf eine Vertragsniederschrift verzichtet“, erklärt Berit Weide-Schörghuber. Einen rechtlichen Anspruch auf einen schriftlichen Vertrag hat der Praktikant daher nicht. Die Juristin rät allerdings immer zu einer schriftlichen Vereinbarung – unabhängig von der Vergütung.

 

Keine Sonderreglung bei Arbeitszeit und Schichten

Für Praktikanten gibt es bei der Arbeitszeit keinen Unterschied zu den Angestellten im Betrieb. Die Höchstdauer regelt das Arbeitszeitgesetz. Danach darf die Arbeitszeit während des Praktikums acht Stunden am Tag nicht überschreiten. Solange das Arbeitszeitgesetz eingehalten wird, können Praktikanten auch Überstunden leisten. Fallen zulässige Überstunden an, muss der Praktikant diese in Freizeit ausgleichen.

Die tatsächliche Arbeitszeit richtet sich nach der üblichen betrieblichen Arbeitszeit im Unternehmen. Wird in einem Medienunternehmen geschichtet, kann auch der Praktikant zu einer Schicht herangezogen werden. „Auch Nachtschichten und Wochenendarbeiten sind im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes zulässig“, erklärt Weide-Schörghuber.

Eine Ausnahme gibt es: Ist der Praktikant noch nicht 18 Jahre, gilt als speziellere Regelung das Jugendschutzgesetz.

 

Urlaub im Praktikum: ja oder nein?

Beim Urlaubsanspruch gilt das gleiche, wie bei der Vergütung. „Der Pflichtpraktikant wird rechtlich schlechter gestellt als der freiwillige Praktikant“, stellt Weide-Schörghuber fest.
Bei einem freiwilligen Praktikum hat der Praktikant Anspruch auf einen Urlaub. Er ist ein Arbeitnehmer im Unternehmen.

Bei einem Pflichtpraktikum ist der Praktikant nach wie vor Student bzw. Schüler. Er verliert seinen Status durch das Praktikum nicht. „Das Pflichtpraktikum dient lediglich der Bildung seines Studiums oder der Schülerkarriere“, sagt die Expertin. Aus diesem Grund gibt es im Pflichtpraktikum keinen Urlaubsanspruch. Einige Unternehmen sind allerdings kulant und vereinbaren mit dem Pflichtpraktikanten eine individuelle Urlaubsregelung.

 

Rechte als Praktikant auf Arbeitszeugnisse

Für die Bewerbung um einen Arbeitsplatz oder das nächste Praktikum sind Zeugnisse ein wichtiger Bestandteil. Es gibt zwei Arten von Zeugnissen: Das einfache Zeugnis enthält lediglich Angaben zu Dauer und Art der Tätigkeit. Das qualifizierte Arbeitszeugnis beinhaltet zusätzlich Informationen zur Leistung und dem Verhalten des Praktikanten.

Nach § 26 in Verbindung mit § 16 Berufsbildungsgesetz gibt es Rechte als Praktikant auf Erteilung eines Zeugnis. „Für Praktikanten, die ein berufsbegleitendes oder zum Studium ein Pflichtpraktikum absolvieren, findet das Berufsbildungsgesetz grundsätzlich keine Anwendung“, weiß Berit Weide-Schörghuber, „in diesen Fällen besteht kein Anspruch auf ein Zeugnis.“ Rechtlich gesehen ist es für Praktikanten deshalb nicht so leicht, an ein Zeugnis zu kommen, wenn der Praktikumsbetrieb die Ausstellung verweigert. Die meisten Hochschulen verlangen bei einem Pflichtpraktikum zum Nachweis eine Praktikumsbescheinigung. Die Betriebe stellen eine solche Bestätigung für die Schule in der Regel ohne Probleme aus.

 

VON TOBIAS OTT

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