Radioplayer: Warum hört mich keiner?

Radioplayer Deutschland Auf der Onlineplattform Radioplayer haben sich deutsche Radiostationen zusammengeschlossen. Bild: © Radioplayer Deutschland

Radioplayer ist eine Plattform, auf der (fast) alle deutschen Radiosender zu hören sind. Durch Radioplayer.de sind die öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosender eine friedliche Allianz eingegangen. Seit Ende 2014 ist die Onlineplattfrom für Radiostreams am Start. Doch kaum jemand kennt sie. Woran liegt es?

 

Als 17 deutsche Radiounternehmen 2014 Radioplayer gründeten, waren Streaming-Dienste längst erfolgreich. Die zunehmende Bedeutung und Nutzung des Online-Radios musste zu einem Umdenken in der Radiobranche führen. Laut des Digitalisierungsberichts 2015 „der Medienanstalten“ haben rund 23 Prozent der deutschen Haushalte einen Radiozugang mittels Internet. Außerdem nimmt die starke Verbreitung von Smartphones unaufhaltsam zu. Somit war das Gemeinschaftsprojekt der deutschen Radiostationen geboren: Eine eigene von ihnen selbst betriebene Onlineplattform für Radiostreams und Podcasts.

Was bringt Radioplayer?

Nach dem Launch auf dem Computer Ende 2014 folgten Anfang 2015 Apps für iOS und Android. Radiobegeisterte können alle Lieblingssender zusammen auf einer App hören. Das Suchen hat ein Ende: Auf Radioplayer befindet sich ein umfangreiches Radioangebot kostenlos und ohne Anmeldung. Zuerst waren nur einige private Radiosender gelistet. Rund 70 Hörfunkwellen der ARD stiegen im Juni 2015 mit ein. Empfangbar sind mittlerweile etwa 500 deutsche Radioprogramme. So kann sich der Berliner von Bayern 3 wecken lassen.

Erfolg des britischen Vorbilds sollte nach Deutschland kommen

Bereits Anfang 2011 starteten in Großbritannien die privaten Radioveranstalter gemeinsam mit der BBC eine Radioplattform. In der digitalen Welt wollten sie das Genre Radio stärken. Und das
mit einem simplen Konzept: Das Radiohören im Internet sollte so einfach wie möglich sein.
In Großbritannien hat sich Radioplayer UK inzwischen neben Webradio und DAB etabliert. In anderen Ländern starteten ähnliche Plattformen. So etwa 2012 das Unternehmen Radioplayer worldwide. Die Erfolgsgeschichte des britischen Vorbilds sollte sich in Deutschland wiederholen.

So richtig zündet Radioplayer (noch) nicht

Der Radioplayer Deutschland hätte eine Innovation auf dem deutschen Hörfunkmarkt sein sollen. Die Begeisterung vieler Nutzer hält sich bislang in Grenzen. Noch scheint der Erfolg nicht richtig spürbar zu sein. Kaum jemand kennt die Radioplattform. Die Downloads der App sind überschaubar. Werbung und Marketing werden so gut wie nicht gemacht. Obwohl viele Sender Podcasts online stellen und einige Inhalte aus den Mediatheken verfügbar sind, ist das Angebot begrenzt. Die meisten Sender nutzen zur Podcast-Veröffentlichung lieber ihre eigene Homepage.

Nicht alle Radiosender vertreten

Bis heute sind nicht alle deutschen Radiosender vorhanden. Vor allem kleine regionale Radiostationen fehlen im Angebot. Offene Kanäle oder Universitätsradios sucht der Nutzer größtenteils vergeblich. Das duale Rundfunksystem in Deutschland bildet die Radioplattform nur teilweise ab. Wer internationale Sender hören möchte, wird bei der Konkurrenz fündig.
Vielleicht kam das Projekt im Jahr 2014 zu spät, um sich in der Hörfunklandschaft zu etablieren. Streaming-Alternativen sind zu diesem Zeitpunkt schon längst auf dem Markt. Wesentlich mehr Vorteile als andere Dienste hat Radioplayer nicht zu bieten.

ARD vorerst nur befristet mit dabei

Im Juni 2015 stiegen rund 70 Hörfunkwellen der ARD mit ein. Das Engagement der ARD-Stationen ist vorerst bis Mitte 2016 befristet. „Wir werden uns zunächst ein Jahr lang beteiligen und dann entscheiden, ob wir dauerhaft dabei sind“, sagte Joachim Knuth, Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission im Juni 2015.

Trotz aller Kritik bietet Radioplayer einen guten Überblick über die deutsche Radiolandschaft. Ob die ARD weiterhin Bestandteil der Radioplattform bleibt, stellt sich in diesem Jahr heraus. Für die Etablierung nach BBC-Vorbild wäre dies unverzichtbar.

 

VON TOBIAS OTT

 

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