Studieren mit 30 Jahren: Was ändert sich?

Studieren mit 30 Studieren ab 30 Jahren könnte zu einer finanziellen Mehrbelastung werden.

Studieren mit 30 Jahren ist nicht verboten, allerdings einfacher wird es ab 30 auch nicht. Vor allem finanziell müssen sich spät entschlossene Studierende auf einige Hürden einstellen. Der Sprung über die Altersgrenze von 30 Jahren ist beim BAföG und bei der studentischen Krankenversicherung ein wichtiger und entscheidender Zeitpunkt. Der Anspruch auf Leistungen nach dem Berufsausbildungsgesetz endet grundsätzlich (§ 10 Abs. 3 BAföG) und Studierende fallen aus dem Studententarif der Krankenversicherung. In wenigen Ausnahmefällen gelten Sonderregelungen.

 

BAföG: Anspruch mit 30 Jahren – ja oder nein? Kommt drauf an

Die Altersgrenze für eine BAföG-Förderung liegt bei 30 Jahren. Entscheidend ist das Alter beim Beginn des Studiums. Bei der Aufnahme eines Masterstudiums liegt die Grenze bei 35 Jahren. Studenten, die mit über 30 Jahren ein Studium beginnen, haben kaum eine Chance auf BAföG-Leistungen. Wer nicht durch Unterstützung der Eltern oder eines Nebenjobs das nötige Geld für das Studium erhält, hat finanziell schon fast verloren.

Nur in einigen Ausnahmefällen wird auch bei der Überschreitung der Altersgrenze Ausbildungsförderung gezahlt. Dazu zählen unter anderem:

  • Absolventen des zweiten Bildungsweges, z. B. über ein Abendgymnasium oder Kolleg.
  • Studierenden, die ohne Hochschulzugangsberechtigung aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation eingeschrieben wurden. Darunter fallen Studierende ohne Abitur.
  • Auszubildenden, die aus familiären Gründen an der früheren Aufnahme der Ausbildung gehindert waren. Dazu zählen Studierende, die aufgrund Kindererziehung ihr Studium verschieben mussten.

Eine detaillierte Auflistung der Ausnahmefälle für das Studieren mit 30 Jahren stehen in § 10 Abs. 3 Nr. 1 – 4 BAföG.

Ausnahmen vorher prüfen lassen

Ob bei eine Ausnahme von der Altersgrenze möglich ist, sollten Studieninteressierte unbedingt durch einen Antrag auf Vorabentscheidung (§ 46 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 BAföG) vor Aufnahme des Studiums durch das zuständige Amt für Ausbildungsförderung klären lassen. Der Bescheid nennt zwar nicht die Höhe der BAföG-Leistungen, gibt aber Sicherheit, ob überhaupt ein Anspruch auf eine Förderung beim Studieren mit 30 Jahren besteht. Die Entscheidung der Behörde gilt für den gesamten Ausbildungsabschnitt.

Eine gute Nachricht gibt es trotzdem: Sobald eine Voraussetzung für die Überschreitung der Altersgrenze von 30 Jahren erfüllt ist, erhält der Student elternunabhängiges BAföG (§11 Abs. 3 Satz1 Nr. 2 BAföG).

 

Krankenversicherung beim Studieren mit 30: freiwillig gesetzlich oder privat versichern?

Für Studierende gibt es in der gesetzlichen Krankenversicherung einen ermäßigten Krankenkassenbeitrag. Den günstigen Versicherungstarif erhalten Studierende allerdings nur bis zum 14. Fachsemester oder 30. Lebensjahr (§ 5 Abs. 1 Nr. 9 SGB V).

Ab dem 30. Geburtstag endet die Krankenversicherung der Studenten. Danach können sich Studierende nur noch freiwillig oder privat weiter versichern. Das bedeutet eine enorme finanzielle Mehrbelastung für das Studieren. Eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung kostet etwa das Doppelte der studentischen Krankenversicherung. In Ausnahmefällen dürfen Krankenkassen Studierenden über 30 Jahre den günstigeren Tarif aber bewilligen. Als Ausnahme gelten unter anderem familiäre oder persönliche Gründe. Diese liegen zum Beispiel vor, wenn der Betroffene krank oder schwanger ist und anschließend sein Kind betreut. Auch die Betreuung behinderter oder erkrankter Familienangehöriger fällt darunter.

Ebenfalls können die Art der Ausbildung, die gesetzliche Dienstpflicht und Dienstverpflichtung von Zeitsoldaten sowie das Freiwillige Soziale Jahr und der Entwicklungshilfedienst eine Ausnahme sein. Eine weitere Ausnahme gilt für Studierende, die über den zweiten Bildungsweg ihren Hochschulzugang erworben haben. Für Absolventen des zweiten Bildungsweges wird die Altersgrenze für die studentische Krankenversicherung um die Zeit hinausgeschoben, die sie für den Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung benötigt haben. In der Regel umfasst dies nicht die komplette Regelstudienzeit, sondern meist nur zwei bis drei Jahren. Und das auch nur, wenn das Studium vor dem 30. Lebensjahr begonnen wurde. Die Krankenkassen entscheiden über eine mögliche Verlängerung immer im Einzelfall.

Private Krankenversicherung kann langfristige Folgen bringen

Eine private Krankenversicherung kann eventuell günstiger sein als die freiwillige gesetzliche Versicherung. Auch Studenten können sich privat versichern. Diese Entscheidung ist aber für den Rest des Studiums bindend und kann sogar über das Studium hinaus wirken. Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse ist bei der Aufnahme eines Angestelltenverhältnisses in der Regel möglich. Trotzdem sollten sich Studenten vor dem Abschluss einer privaten Krankenversicherung unbedingt über die Beitragshöhe, den Umfang der Leistungen und die Folgen nach dem Studium erkundigen. Nach dem Ende des Studiums und mit steigendem Alter kann eine private Krankenversicherung zu einem teuren Spaß werden.

VON TOBIAS OTT

 

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*