Vom Lokaljournalist zum Moderator im Fernsehen

Vom Lokaljournalist zum Moderator im Fernsehen Andreas Bachmann hat als Lokaljournalist bei der Tageszeitung begonnen und ist heute Moderator im Bayerischen Fernsehen.

Moderator im Fernsehen – der Sprung vom Print-Journalist ins TV ist möglich: Andreas Bachmann hat es vorgemacht. Der 41-Jährige verfügt über eine langjährige Erfahrung im investigativen Journalismus. Begonnen hat er als Lokaljournalist bei der Frankfurter Rundschau. Ab 1997 arbeitete Andreas Bachmann acht Jahre als Reporter und später als Redakteur für das ARD-Politikmagazin „Report München“. Anschließend berichtete er als Landtagskorrespondent für das Bayerische Fernsehen. Seit 2009 leitet Bachmann die Redaktion des BR-Politikmagazins „Kontrovers“ und ist Moderator der Sendung.

 

Welches Interview ist Ihnen als ehemaliger Reporter und Landtagskorrespondent bis heute in Erinnerung geblieben?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Interview mit Altbundeskanzler Helmut Kohl im Jahr 2007. Das war wenige Monate vor seinem schweren Sturz. Es war weniger das eigentliche Interview, an das ich mich besonders erinnere, sondern das Gespräch im Vorfeld. Kohl rief mich in sein Büro und „grillte“ mich mit Fragen über bayerische Politik. Er wollte anscheinend testen, ob ihm jemand gegenübersitzt, der auch Ahnung vom Thema des Interviews hat. Manchmal ist uns beiden etwas nicht eingefallen, dann hat er seinen Mitarbeiter losgeschickt. Der musste in Geschichtsbüchern nachrecherchieren. Das Interview hat mir Kohl dann übrigens noch gegeben – mit über einer Stunde Verspätung.

Wer war Ihr Lieblings-Gesprächspartner?

Mit Alois Glück (Anm. d. Red.: ehemaliger Bayerischer Landtagspräsident) kann man richtig gute Gespräche führen, insbesondere über das hektische, tagesaktuelle Politikgeschäft hinaus. Der leider viel zu früh verstorbene Grünen-Politiker Sepp Daxenberger war auch so ein Gesprächspartner. Eine Unterhaltung mit Edmund Stoiber kann auch unheimlich launig sein.

Politiker neigen oft dazu, bei Interviews das Ruder selbst in die Hand zu nehmen. Wie erhalten Sie die Gesprächsführung zurück?

Das ist journalistisches Handwerk. Man muss manchmal einen Politiker unterbrechen und mit einer Frage reingrätschen. Auch wenn es dem oder der Betreffenden nicht gefällt.

Konnten Sie auf kommunal- und landespolitischer Ebene investigativ recherchieren, wenn Sie Politiker für spätere Beiträge als Gesprächspartner und Informanten benötigen oder Betroffene sogar persönlich kennen?

Mit dieser grundsätzlichen Fragen müssen wir uns als Journalisten ständig auseinandersetzen. Das Verhältnis von Nähe und Distanz. Wir brauchen diese Nähe oder besser gesagt das Vertrauen von Politikern und Entscheidungsträgern, um an Informationen und Hintergründe zu kommen. Nur so lassen sich Dinge richtig einschätzen. Andererseits darf es natürlich nicht zu Kumpaneien kommen. Da steht unser höchstes Gut, die Glaubwürdigkeit, auf dem Spiel. Letztlich ist es eine Frage der Professionalität. Das gilt übrigens für beide Seiten. Der Journalist muss objektiv berichten, auch wenn er den Politiker persönlich gut kennt. Umgekehrt darf der Politiker auch nicht beleidigt oder eingeschnappt sein, wenn er unangenehme Fragen gestellt bekommt.

Vom Lokaljournalist zum Moderator im Fernsehen: Wie sind Sie zum BR gekommen?

Ich wollte eigentlich nie zum Fernsehen. Zeitung war für mich immer das non plus ultra. Aber wie so oft kommt es anders als man denkt. Ich hörte davon, dass der damalige Redaktionsleiter und Moderator des ARD-Politikmagazins „Report München“, Andreas Bönte, einen Mitarbeiter sucht. Gleichzeitig wollte ich nach dem Grundstudium weg aus Mainz. Das passte ganz gut. Nach einem persönlichen Gespräch war klar, dass ich in München anfangen kann. Und jetzt schließt sich der Kreis. Ab April 2016 übernehme ich die Moderation von „Report München“. Nach 19 Jahren kehre ich also wieder zu meinen Wurzeln im BR zurück.

Welche Eigenschaften und Voraussetzungen sollten Moderatoren unbedingt mitbringen?

Ein Moderator im Fernsehen sollte vor allem authentisch sein und Glaubwürdigkeit verkörpern. Das ist gerade in der heutigen Zeit aus meiner Sicht extrem wichtig. Dazu gehören auch Ecken und Kanten. Aber klar ist auch: ohne Wissen und journalistische Kompetenz funktioniert das nicht.

 

VON TOBIAS OTT

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