Fürs Fernsehen arbeiten: Redakteurin einer Produktionsfirma

Redakteurin einer Produktionsfirma: Fürs Fernsehen arbeiten Zusammen mit Moderator Johannes Büchs produziert Sarah Schultes eine neue Ausgabe der Kindersendung neuneinhalb (Foto: Milena Virchow)

Fürs Fernsehen arbeiten ist der Berufswunsch vieler junger Menschen. Doch die TV-Sender produzierten viele Formate nicht mehr selbst, sondern beauftragen Produktionsfirmen, die für sie die Sendungen erstellen. Was sind genau die Aufgaben einer Produktionsfirma und welche Jobs gibt es?

Sarah Schultes arbeitet seit 2013 bei der Produktionsfirma tvision GmbH in Köln und gibt einen Einblick in ihre Tätigkeit als Redakteurin. Die 26-Jährige hat dort nach einem Journalismus-Studium ihr Volontariat begonnen und  wurde  als Junior-Redakteurin übernommen. Seit September 2015 ist Sarah Schultes Redakteurin und produziert Kindersendungen wie „neuneinhalb“ für die ARD und das RTL-Format „Ninias Fashion Mag“. Sie hat es geschafft: fürs Fernsehen arbeiten.

 

Was ändert sich in der Tätigkeit von der Junior-Redakteurin zur Redakteurin?

Bis auf das Gehalt erstmal nicht viel. Der Übergang war ziemlich fließend. Mittlerweile arbeite ich aber in vielen anderen Projekten, wie der Konzeptentwicklung von neuen Sendungen oder Pitches für Industriekunden.

Fürs Fernsehen arbeiten: Was sind die Hauptaufgaben eines Redakteurs bei einer Produktionsfirma?

Der Redakteur kümmert sich um den inhaltlichen Teil einer Sendung oder eines Beitrags. Ich schreibe Drehbücher, Dramaturgien, überlege mir Grafiken, führe beim Dreh Regie und begleite den Schnitt. Ich bin von Anfang bis Ende für meine Sendung verantwortlich.

Wie ist dein Tagesablauf und die Arbeitszeiten?

Ich habe eine 40-Stunden-Woche. Normalerweise arbeite ich von Montag bis Freitag acht Stunden. Es kann aber auch länger werden und vorkommen, dass ich am Wochenende drehen muss.
Einen festen Tagesablauf gibt es nicht wirklich, da wir keine tagesaktuellen Sendungen produzieren. An einem “normaler Schreibtischtag” bin ich zwischen acht und zehn Uhr in der Arbeit, verschaffe mir einen Überblick über die aktuellen Nachrichten und arbeite anschließend an meinen Projekten. Bin ich auf Drehterminen, im Schnitt oder in anderen Projekten sieht mein Tagesablauf schnell anders aus.

Entwirfst du selbst Themen für eine Sendung?

Bei „neuneinhalb“ haben wir eine redaktionsinterne Themensammlung. Wir machen auch Ideenrunden, bei denen wir neue Themen vorschlagen und diskutieren. So kann ich Themen einbringen, die ich interessant und wichtig finde. Die genaue Themenfestlegung trifft unsere Redaktionsleitung gemeinsam mit der WDR-Redaktion.

Welche Berufe gibt es bei der Produktionsfirma?

Neben den Redakteuren, wie ich einer bin, gibt es eine Produktion. Dort arbeiten Produktionsleiter, -assistenten und Aufnahmeleiter. Diese kümmern sich um die organisatorischen, rechtlichen und technischen Details unserer Projekte. Außerdem haben wir einen fest angestellten Cutter und Grafiker bzw. Multimedia-Designer.
Wie in jeder anderen Firma gibt es Leute, die sich um das Personal und Controlling kümmern. Außerdem arbeiten wir zusätzlich mit vielen freien Autoren, Kameramännern und Cuttern zusammen.

Entwickelt ihr eigene Sendungen und bietet diese dem Sender an oder kommen die Sender mit Ideen auf euch zu?

80 Prozent unserer Projekte geschehen im Auftrag der Sender und werden bei uns im Haus entwickelt. Bei “neuneinhalb” ist der WDR mit dem Wunsch, ein Nachrichtenformat für Kinder zu entwickeln, zur tvision gekommen.

Gibt es starken Konkurrenzdruck in der Branche?

Formate für das Kinderfernsehen sind eine Nische. Hier kommt der finanzielle Druck nicht durch die Konkurrenz, sondern eher von den Sendern. Diese müssen oder wollen Geld beim Programm sparen.

Ist es schwer, in dem Beruf Fuß zu fassen und dort zu bestehen?

Ich kann nur aus meine Erfahrung sprechen. Wenn du bei uns gute Arbeit leistest, bekommst du auch einen unbefristeten Vertrag. Im Austausch mit Volontären anderer Produktionsfirmen habe ich erfahren, dass Übernahmen und unbefristete Verträge sonst leider eher selten vorkommen. Spezialisiert sich eine Produktionsfirma auf ein Format, kann das Absetzen einer Sendung schon zu Entlassungen führen. Bei schlechten Quoten passiert das bei Privatsendern oft schnell.

Ist ohne vorheriges Studium mit anschließendem Volontariat eine Anstellung überhaupt möglich?

Bei tvision haben die neuangestellten Redakteure alle studiert. Viele haben zusätzlich ein abgeschlossenes Volontariat. Ich kenne allerdings eine Kollegin, die nach ihrem Bachelorstudium ohne Volontariat Junior-Redakteurin geworden ist. Ich denke, ein Studium und ein Volontariat sind notwendig und sinnvoll, um im Bereich Redaktion zu arbeiten. Man sollte alle Fälle das gesamte journalistische Handwerk können. Drehbücher schreiben und Regie führen kommt auf jeden zu. Mir hat geholfen, dass ich auch im technischen Bereich mitreden konnte.

Wie bist du zur Anstellung bei tvision gekommen?

Ich habe während meines Praxis-Semesters ein Praktikum in der neuneinhalb-Redaktion bei der tvision gemacht. Zum Abschied meinte ich, dass ich auf ein Volontariat bei der tvision große Lust hätte, wenn es sich ergibt. Während ich an meiner Bachelorarbeit schrieb, kam ein Anruf und ich hatte das Volontariat.

Fürs Fernsehen arbeiten: Welche Tipps kannst du jungen Leuten geben?

Viele Sendungen werden nicht von den Sendern selbst produziert, sondern von Produktionsfirmen. Achtet mal im Abspann darauf, welche Firma hinter eurer “Wunsch-Sendung” steht. Überlegt euch genau, zu welcher Produktionsfirma ihr gehen wollt. Viele Firmen haben sich auf unterschiedliche Formate spezialisiert. Das reicht vom Wissenschaftsfernsehen bis zu Scripted Reality. Auch die Größe und das “Standing” der Firma sind wichtige Faktoren. Am besten lernt die Leute dort kennen und schaut persönlich vorbei. Praktika sind immer gute Türöffner. Schließlich wollen euch die Firmen kennenlernen und sehen, ob ihr ins Team passt.

 

VON TOBIAS OTT

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