Journalistische Beiträge verkaufen – wie geht’s?

Du willst an Zeitung, Radio oder Fernsehen journalistische Beiträge verkaufen, aber weißt nicht, wie du eine Redaktion davon überzeugen sollst? Vor dieser Frage stehen angehende Journalisten beim Anbieten ihrer Arbeiten. Medienfrage hat Redakteure aus Print, Funk und Fernsehen befragt, wie sie sich für eine Idee begeistern lassen.

Journalistische Beiträge verkaufen leicht gemacht Artikel richtig zu verkaufen, ist gerade für Neulinge nicht immer leicht (Foto: Johannes Hirschlach)

Freiberufler im Journalismus sind in allen medialen Ebenen vertreten. Doch müssen diese für jede eigene Idee, jeden Artikel einen Abnehmer finden. Journalistische Beiträge verkaufen ist kein leichtes Geschäft: Ob für die Zeitung, das Radio oder eine TV-Firma, häufig ist ein gutes Maß an Überzeugungskraft nötig. Schließlich sollen die Redakteure den Vorschlag gut finden und ihn für ihr Medium erwerben. Gerade jungen Journalisten fehlen Kontakte und Erfahrung, fühlen sich dadurch unsicher. So kann das Angebot eines guten Artikels schon durch einen vermeidbaren Fauxpas im Anschreiben scheitern. Für Medienfrage verraten drei Redakteure ihre Kriterien und Tipps.

 

Medienfrage: Herr Lauer, als Vertreter der Zeitungsbranche, wie überzeugt Sie ein Vorschlag für einen Artikel?

Patrick Lauer (Leitender Redakteur, Lokalredaktion Neustadt/Aisch der Fränkischen Landeszeitung): Mein Gegenüber muss mir kurz und knapp schildern, warum das Thema für den Leser spannend ist. Wenn ich mit dem Stoff bereits vertraut bin, muss er mir einen Aspekt nennen, der das Ganze um eine Facette reicher gestaltet.

 

Herr Seeger, im Radio geht es nicht um Artikel, sondern um Beiträge. Wie sollte ein Angebot dafür aussehen?

Klaus Seeger (Programmleiter „Radio 8“): Es muss außergewöhnlich und möglichst so gestaltet sein, dass wir das nicht selbst machen können.

 

Frau Parastar, wie erkennen Sie eine gute Idee für die TV-Branche?

Anahita Parastar (WDR-Redakteurin der Programmgruppe Wissenschaft): Der Anbieter muss verstanden haben, welches Konzept in unseren Sendungen „W wie Wissen“ und „Quarks & Co“ funktioniert. Wenn jemand schon einmal ein Praktikum bei uns absolviert hat, hilft das sehr.

 

Journalistische Beiträge verkaufen an Radio 8-Programmleiter Klaus Seeger

„Ein Angebot muss außergewöhnlich gestaltet sein“, meint Klaus Seeger als Programmleiter bei „Radio 8“. (Foto: Johannes Hirschlach)

Medienfrage: Wie sollte der erste Kontakt zu Ihnen sein: Persönlich, Anruf oder Mail?

Patrick Lauer: Wenn ich die Person noch nicht kenne, auf jeden Fall per Mail. So habe ich die Möglichkeit, mir einen ersten schriftlichen Eindruck zu verschaffen. Für ein Gespräch ist in der Tagesproduktion wenig Luft.

Klaus Seeger: Mail! Weder für einen Anruf noch für einen persönlichen Termin ist Zeit. Da gibt es diesen Spruch: „Don’t call us, we call you!“ Wenn der „Teaser“ in der Mail sitzt, bin ich überzeugt und melde mich.

Anahita Parastar: Gerne habe ich zuerst schriftlichen Kontakt. Ich sollte daraus auch ableiten können, ob die Person schon Erfahrungen im TV-Bereich gemacht hat.

 

Medienfrage: Sollte der Anbieter Ihnen fertige journalistische Beiträge verkaufen oder wollen Sie erst über den Vorschlag reden?

Patrick Lauer: Immer erst der Vorschlag. Ich möchte nicht, dass sich jemand Mühe gibt und ich das hinterher nicht ins Blatt nehmen kann.

Klaus Seeger: Das ist völlig egal. Wenn das Thema stimmt, passt alles.

Anahita Parastar: Das ist beides möglich.

 

Medienfrage: Was ist in diesem Zusammenhang unprofessionell?

Patrick Lauer: Drohungen, wie „wenn Sie es nicht nehmen, gebe ich es anderen“, oder „dann werden bestimmte Leute aber sehr enttäuscht sein“.

Klaus Seeger: Emails, die keinen Stil haben, sind für mich unprofessionell. Dazu zählen auch Vorschläge, die an unserem Medium völlig vorbei gehen. Ich muss sehen können, dass sich da einer auskennt.

Anahita Parastar: Wenn uns verschwiegen wird, dass der vorgeschlagene Beitrag schon auf einem anderen Sender lief, ist das nicht nur unprofessionell, sondern auch Gebührenverschwendung.

 

Medienfrage: Was halten Sie von dem Angebot, Ihnen etwas exklusiv zu verkaufen?

Patrick Lauer: Nehmen wir an, jemand bietet uns exklusiv einen Bericht über einen örtlichen Rinderzüchter an, der einen Preis gewonnen hat. Da sage ich: Ja und? Exklusivität ist für uns nur von Belang, wenn das Thema auch andere Medien interessieren könnte. Das ist bei einer Lokalzeitung eher selten der Fall.

Klaus Seeger: Ach ja, das wird maßlos überschätzt. Deswegen gewinnen wir keinen Hörer zusätzlich.

Anahita Parastar: Da unterscheiden wir uns im TV ein wenig von den Printkollegen. Wir sehen es eigentlich sehr gerne, wenn der Anbieter das Thema auch multimedial aufarbeitet, zum Beispiel als Artikel in einer überregionalen Zeitung. Dann können wir Querverweise einbauen.

 

Medienfrage: Möchten Sie Arbeitsproben?

Patrick Lauer: Nein. Das hat den Hintergrund, dass gedruckte Texte von einem Redakteur bereits entsprechend bearbeitet sein könnten. Das ist also nur bedingt aussagekräftig. Wichtiger ist der sprachliche Ausdruck im Anschreiben.

Klaus Seeger: Mir reicht ein Link auf die Website des freien Journalisten. Wenn da Arbeitsproben drauf sind: sensationell! Alles weitere scheitert einfach wieder an der Zeit.

Anahita Parastar: Wir nehmen bei einer Produktion viel Geld in die Hand. Von daher ist eine Arbeitsprobe vorab extrem wichtig. Nur so kann ich erkennen, ob die Person Erfahrungen im Fernsehgeschäft mitbringt.

 

  • Patrick Lauer ist leitender Redakteur der Lokalredaktion Neustadt/Aisch, Teil der Fränkischen Landeszeitung. Themenvorschläge von freien Mitarbeitern, aber auch von zunächst Fremden sind für ihn im Lokaljournalismus an der Tagesordnung.
  • Klaus Seeger hat als Programmleiter beim Radiosender „Radio 8“ seltener mit Angeboten von „außen“ zu tun. Wenn doch einmal ein Vorschlag eintrifft, muss der Anbieter einen professionellen Eindruck hinterlassen.
  • Anahita Parastar ist Redakteurin des Westdeutschen Rundfunks für die Programmgruppe Wissenschaft. Den Nachweis handwerklicher Erfahrungen durch Arbeitsproben sieht sie als essentiell für einen guten Themenvorschlag an.

 

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