Adblocker: Verlage im endlosen Kampf

Adblocker: Verlage verlieren die wichtigste Einnahmequelle. Adblocker sind eines der beliebtesten Plug-Ins für den Internet-Browser. Ein kleines aber feines Werkzeug, um Werbung auf Webseiten zu blockieren. Ein Schutz also vor allzu aufdringlichen Advertisements. Was zwar nutzerfreundlich klingt, nimmt dem Journalismus im Internet aber die wichtigste Einnahmequelle.

Adblocker: Verlage kämpfen mit dem Internet-PlugIn (Foto: Eyeo) Die Adblocker haben einen großen Einfluss auf den Online-Journalismus (Foto: Eyeo)

von Philipp Jakob

Werbung nervt! Diese Meinung würde der durchschnittliche Medienkonsument wohl ohne zu Zögern unterschreiben. Deswegen schaltet er in den Werbepausen im Fernsehen zumeist um, überblättert die Reklameteile der Zeitungen oder Zeitschriften und installiert Adblocker in seinem Internet-Browser.

Während die ersten beiden Varianten die Medienmacher eher wenig tangieren, entsteht durch die dritte Verhaltensweise des Konsumenten jedoch ein großes Problem für Online-Journalisten auf der ganzen Welt. Denn im TV und im Print-Bereich fließen die Werbeeinnahmen mehr oder weniger unabhängig davon, ob sich jemand die Werbung auch wirklich anschaut oder nicht – das sieht im Online-Bereich anders aus.

Adblocker: Verlage mit Milliardenverlust

Die Einnahmen der Anbieter der Webseiten hängen stark davon ab, wie vielen Besuchern der Seite die Werbung angezeigt wird. Je weniger das sind, desto weniger Geld bekommen die Betreiber der Seite. Schätzungen zufolge nutzen weltweit knapp 200 Millionen Menschen Adblocker: Verlage – und damit auch die im Web tätigen Journalisten – verlieren die wichtigste Einnahmequelle.

In Zahlen ausgedrückt: Im Jahr 2015 gingen den Medienunternehmen weltweit 21,8 Milliarden US-Dollar durch die Adblocker verloren. Das geht aus einer Studie von Adobe und PageFair aus dem August 2015 hervor. Für 2016 gehen die Analysten sogar von globalen Einbußen im Wert von 41,4 Milliarden US-Dollar aus. Das ist ein ganz schöner Happen.

Bild blockt Adblocker

Bild.de lässt Nutzer mit installiertem Ad-Blocker nicht mehr auf die Seite

Bild.de lässt Nutzer mit installiertem Adblocker nicht mehr auf die Seite

Kein Wunder also, dass sich manche Medienunternehmen und Verlage zu drastischen Maßnahmen gezwungen fühlen. So verkündete der Springer Verlag im Oktober 2015 eine Zugangssperre für alle Adblocker-Nutzer auf „bild.de“. Wer also auf das Online-Angebot der Tageszeitung zugreifen will, muss den Adblocker deaktivieren – oder ein kostenpflichtiges, aber dafür werbefreies Abonnement abschließen.

So soll das Geld weiterhin in die eigenen Taschen fließen, große Angst vor Einbrüchen der Page Impressions oder Anzahl der User hat Bild.de offenbar nicht. Der Springer Verlag ist allerdings auch groß genug, um eventuelle Rückgänge der Webseiten-Besucher locker aufzufangen. Das kann nicht jedes Medienunternehmen von sich behaupten.

Eyeo, AdBlock Plus und die ominöse Whitelist

Die große Mehrheit ist dringend auf die Werbeeinnahmen angewiesen, das bedeutet, sie müssen sich den Forderungen der Adblocker-Anbieter stellen. Der größte und bekannteste ist Eyeo mit dem AdBlock Plus. Das Startup-Unternehmen möchte aber keinesfalls den Online-Journalismus zerstören, sondern nach eigener Aussage das Internet benutzerfreundlicher machen.

„Webseiten benötigen Einkünfte aus Werbung, um sich zu finanzieren. Daher versuchen wir die Webseitenbetreiber davon zu überzeugen und zu motivieren, bessere und unaufdringliche Werbung anzuzeigen, statt die Internetnutzer mit nerviger Werbung erst zum Blockieren zu animieren“, so die Idee des Unternehmens. Auf der sogenannten Whitelist sammelt Eyeo akzeptable Ads, die nicht blockiert werden.

Die Krux dabei: Unternehmen können gegen einen gewissen finanziellen Beitrag ihre Werbung auf die Whitelist setzen lassen. Gegen Geld wird die Werbung also durchgewunken. Eyeo wehrt sich strikt gegen mögliche Erpressungs-Vorwürfe, wächst gleichzeitig aber immer weiter und macht immer mehr Geld. Die Journalisten schauen in die Röhre.

Wie soll sich der Nutzer verhalten?

Der Nutzer schlägt sich oftmals aber eher auf die Seite der Adblocker: Verlage schauen in die Röhre. Die meiste Werbung ist nervig. Innovative und vor allem unaufdringliche Ads wären sicherlich wünschenswert, sind aber nur schwer realisierbar. Um die Vielfalt journalistischer Inhalte im Netz und auch den kostenlosen und freien Zugang zu Online-Angeboten zu gewährleisten, ist also die nervige Werbung wichtig.

Denn die bringt nun mal Geld. Viel Geld. Geld, das die Branche in der heutigen Zeit gut gebrauchen kann. Alle Freunde des Journalismus sollten sich also gut überlegen, ob sie den Adblocker nicht lieber deaktivieren.

Wie deaktiviere ich meinen Adblocker? Hier geht es zu einer Anleitung für alle Browser:

http://praxistipps.chip.de/adblock-deaktivieren-so-gehts_20184

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