Arbeitsmarkt für Journalisten: Print

Der Arbeitsmarkt für Journalisten steht seit Jahren unter einem schlechten Stern. Die Auflagen der Zeitungen und Zeitschriften sinken kontinuierlich. Für Berufseinsteiger stellt sich nach Jahren anhaltender Medienkrise nach wie vor die Frage: Bekomme ich einen Job? Wie ist die aktuelle Beschäftigungssituation im Printsektor?

Finden sich auf dem Arbeitsmarkt für Journalisten noch Stellen? Wo gibt es bei Zeitungen und Zeitschriftennoch Stellen für Journalisten? (Foto: Johannes Hirschlach)

Zeitungen und Zeitschriften haben seit der Etablierung des Internets zum Teil mehr als die Hälfte ihrer Auflage eingebüßt. Hatte die BILD als größte überregionale deutsche Tageszeitung laut der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) 2001 noch rund 4,5 Millionen Zeitungen pro Tag abgesetzt, fiel die Verkaufsauflage 2015 unter die Zwei-Millionen-Marke. Die Lokalpresse leidet ebenfalls. So sank die Auflage aller deutschen Tageszeitungen von 23,7 Millionen Tagesauflage (2001) laut IVW auf 16,1 Millionen (2015) ab. Und auch die Zeitschriftenbranche krankt unter denselben Symptomen: Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ verlor in selber Zeit rund 200 000 Exemplare Auflage. Bietet der Arbeitsmarkt für Journalisten bei stetig fallenden Zahlen noch Platz zum Unterkommen?

Zeitung und Zeitschrift bieten den größten Arbeitsmarkt für Journalisten

Immerhin: Die Zeitungen- und Zeitschriftenverlage sind nach wie vor die größten Arbeitgeber für Journalisten.  Der Deutsche Journalistenverband (DJV) verweist auf 13 500 festangestellte Redakteure bei Tageszeitungen und 9000 im Zeitschriftenmarkt. Im Vergleich: Die Zahl der festangestellten Onlineredakteure gibt der DJV mit nur 4000 an.

Den insgesamt 43 500 festangestellten Journalisten aus Print, Online, Funk, Fernsehen und Pressestellen stehen rund 26 000 Freiberufler gegenüber. Eine genaue Auflistung sei laut Zahlengeber DJV aufgrund ungenauer Schätzungen nicht möglich.

Indirekt mit dem Teufelskreis der fallenden Auflagen verwoben sind die sinkenden Anzeigenerlöse. Seit der Profilierung des Onlinemarkts fehlen der Zeitungsbranche einst wichtige Standbeine, so Immobilien-, Partner- oder Kleinanzeigen. Laut Zahlen des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) verlor der redaktionelle Printsektor von 2011 bis 2014 etwa eine Milliarde Euro Nettoumsatz Werbeeinnahmen (Stand 2014: 5,05 Milliarden Euro). Betriebsbedingte Kündigungen in Redaktionen und eine erhöhte Anzahl freier Journalisten sind seit der Medienkrise die Folge.

Sinkende Anzeigenerlöse machen dem Arbeitsmarkt für Journalisten zu schaffen.

Die Anzeigenerlöse im Pringeschäft sinken kontinuierlich (Repro: Johannes Hirschlach)

So viel verdient ein Journalist bei Zeitung und Zeitschrift

Das aktuelle vom DJV vereinbarte Tarifgehalt für Tageszeitungsredakteure (2015) liegt im Einstellungsjahr bei 3155 Euro. Dabei stieg der Verdienst im Dreijahresvergleich zu 2012 um magere 123 Euro. Ab dem 11. Berufsjahr sind dann etwas über 4500 Euro möglich. Etliche Zeitungsunternehmen besitzen jedoch einen Haustarifvertrag, der eine Bezahlung unterhalb der DJV-Grenzen ermöglicht.

Redakteure im Zeitschriftensegment liegen im DJV-Tarifvertrag im selben Einkommensbereich wie ihre Kollegen bei der Tageszeitung. Das Einstiegsgehalt liegt hier bei 3198 Euro, nach einer steigenden Staffelung erhält der Redakteur ab dem 10. Berufsjahr 4431 Euro.

Noch stärker betroffen sind vor allem Freischaffende. Einer Umfrage des DJV unter Betroffenen 2014 zufolge ergab sich eine Einkommensstruktur von 2440 Euro Monatseinkommen bei Männern. Frauen verdienen demnach im Schnitt noch einmal deutlich weniger: 1895 Euro nennt der Verband als Richtwert. Im Bundesländerranking führt Nordrhein-Westfalen (2212 Euro) die Liste an, es folgen Rheinland-Pfalz (2211 Euro), Hamburg (2177 Euro) und Thüringen (2124 Euro). Auf dem letzten Platz liegt abgeschlagen Sachsen-Anhalt mit einem Monatsbruttoeinkommen von 1025 Euro. Für freie Journalisten im Tageszeitungsbereich geht aus der Umfrage ein durchschnittliches Gehalt von nur 1395 Euro monatlich hervor. Bei Publikums- und Fachzeitschriften sind es immerhin rund 2275 Euro. Jedoch lohnt sich dabei ein Blick in die Alterstruktur: Derzeit sind annähernd 70 Prozent der Freischaffenden in Deutschland 41 oder älter. Innerhalb von 20 Jahren könnte hier auf dem Arbeitsmarkt für Journalisten ein größeres Bedarfspotenzial entstehen.

Crossmedia hat Einfluss auf den Arbeitsalltag

Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Print und Onlinearbeit. Multimediale Aufarbeitungen verschiedenster Themen  gehören in den Redaktionen der großen deutschen Medienhäuser zum Tagesgeschäft. Tickern und Twittern läuft oft parallel zur Schreibarbeit. Tageszeitungen erscheinen als Print- und in abgewandelter Form als E-Paper. Neue Bezahlkonzepte sollen den Onlinemarkt rentabel gestalten und haben dabei auch Einfluss auf die Arbeit der Printkollegen: So können Online-Abonnenten der „Süddeutschen Zeitung“ auf eine Mischung aus Online- und Printinhalten zugreifen. Dem Leser geht dabei die Übersicht und strikte Unterscheidung der beiden Stilformen verloren. Eine Abstimmung beider Arbeitsbereiche ist die Folge.

Wer sich also auf einen Job bei Zeitung oder Zeitschrift bewirbt, schließt die Betätigung über andere Medienfelder hinweg nicht kategorisch aus.

 

Hier geht es zur  allgemeinen Arbeitsmarktlage im Journalismus,  zur Situation im Hörfunk und in der Onlinebranche.

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