Arbeitsmarkt Hörfunk: Gibt es Zukunft?

Ob beim Autofahren, in der Dusche oder in der Küche – das Radio ist seit Jahren ein treuer Begleiter. Die Digitalisierung hat dem Printjournalismus schon längst das Grab geschaufelt, der Arbeitsmarkt Hörfunk dagegen scheint trotz alledem eine Zukunft zu haben. Doch wie steht’s wirklich um den Hörfunk und welche Chancen bieten sich?

Hörfunk hat über all die Jahre nicht an Beliebtheit verloren, zeigt zumindest eine Statistik der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. Im Jahr 1995 hörten die Deutschen im Durchschnitt 167 Minuten am Tag Radio, mittlerweile sind es 178 Minuten. Eines der wenigen Medien, die stolz behaupten können, eine Konsistenz in Zeiten des digitalen Wandels beibehalten zu haben. Der große Pluspunkt im Arbeitsmarkt Hörfunk: es lässt sich passiv nutzen und findet daher nach wie vor großen Gefallen in einer multitaskingorientierten Gesellschaft.

Einstiegschancen im Hörfunk

Das veränderte Nutzerverhalten auf Seiten des Publikums führt viele Journalisten direkt in die Krise. Verwunderlicher Weise stellen Tageszeitungen laut dem Deutschen Journalisten Verband (DJV) den größten Arbeitsgeber dar. Mit 13500 fest angestellten Journalisten liegt der Printjournalismus ganz vorne, gefolgt vom öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk mit etwa 9000 Angestellten. Die Anzahl der arbeitslosen Journalisten schwankte die letzten Jahre über massiv und lag vor fünf Jahren bei 4700 arbeitslosen Journalisten und Journalistinnen. Mittlerweile verdienen sich viele als freiberufliche Redakteure ihr Geld und machen sind unabhängig von nur einem Arbeitgeber.

Gehalt und Ausbildung

Etwa 80 Prozent aller Anfänger machen zunächst ein Volontariat, um später einsteigen zu können. Die regionalen und lokalen privaten Hörfunkstationen bieten derzeit mehr als 500 Volontärsplätze an, große Rundfunkanstalten knapp 300. Die Ausbildung dauert meistens zwei Jahre und wird im Schnitt mit 1700 Euro Brutto vergütet. Ein abgeschlossenes Volontariat bedeutet aber nicht automatisch eine anschließende Festanstellung, höchstens ein Drittel der Volontäre wird übernommen. In Bayern kann ein ausgebildeter Redakteur im landesweiten Rundfunk etwa 3.782 € im Monat verdienen. Im lokalen Hörfunk fällt der Gehalt meist niedriger aus. Die Gehaltstarifverträge setzen sich aus absolvierten Berufsjahren und  Ausbildung zusammen. Je nach Tarifsgruppe steigt auch das monatliche Einkommen.

Perspektiven

Hörfunk als isoliertes Medium wird auf Dauer nicht funktionieren. Wer hat heutzutage noch ein Radio in seinem Zimmer stehen? Richtig – niemand! Die Berufsfelder vermischen sich immer mehr und kombinieren unterschiedliche Kenntnisse der verschiedenen Medienbereiche miteinander. Fakt ist, wenn der Arbeitsmarkt Hörfunk überleben will dann funktioniert das nur crossmedial. Gemeint sind Dienste wie Webradios, Apps und Livestreams, die insbesondere die junge Generation vermehrt nutzt. Die Bundeszentrale für politische Bildung sieht in dem Konzept eines digitalen Radios hohes Zukunftspotenzial, besonders durch das Ausweiten des Senderangebots. Während es im Jahr 1987 erst 44 Radiosender gab, sind es mittlerweile über 400 Sender, mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen für junge und alte Rezipienten. Das veränderte Medienverhalten und die damit verbundenen Informationsansprüche sind eine große Herausforderung für die Medienbranche. Zukunft bedeutet Wandelbarkeit und die Fähigkeit zur Anpassung, nur so ist ein Bestehen möglich.

 

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