Gute Überschriften finden

Die Überschrift entscheidet darüber, ob der Artikel einen Leser findet. Sie ist das Aushängeschild des Textes und gehört zu den wichtigsten Elementen im Journalismus. Wie kann man gute Überschriften finden? Von Felix Futschik

Die Überschrift muss eine klare Aussage haben, in etwa 40 Anschlägen den zentralen Inhalt des Textes zusammenfassen und sprachlich sauber sein. Das sind hohe Anforderungen. Verzerrt die Hauptzeile die Aussage des Artikels oder der Nachricht, muss der Redakteur eine andere formulieren. Wie Detlef Essinger und Wolf Schneider in ihrem Standardwerk „Die Überschrift“ schreiben, ist die Nachricht strikt von Kommentar zu trennen. Das gilt auch für den Inhalt der Überschrift. Sie darf keine Meinung äußern oder ein Thema bewerten. Vor allem dann, wenn die Nachricht politische Themen behandelt.

Gute Überschriften finden trotz journalistischer Sorgfaltspflicht

Es gehört zum journalistischen Alltag sorgfältig zu arbeiten. Der Redakteur muss jede Nachricht auf Herkunft, Inhalt und Glaubwürdigkeit überprüfen. Die Überschrift ist dabei keine Ausnahme. Vor allem im schnelllebigen Online-Bereich ist darauf zu achten. Falschmeldungen durch Platzmangel, falsche Wortwahl oder Fehleinschätzungen sind inakzeptabel. Für die Überschrift ist wenig Platz vorhanden. Das verleitet Redaktionen dazu, kurze Hauptzeilen im Telegrammstil zu formulieren. Ein Beispiel von Detlef Esslinger und Wolf Schneider verdeutlicht das Problem:

Im Fürstenfeldbrucker Lokalteil der Süddeutschen Zeitung stand 2008 folgende Überschrift:

Monatzeder diskutiert mit Rainer Böhmer-Weiher

Diskutiert Monatzeder mit Rainer Böhmer-Weiher? Oder diskutieren Monatzeder und Rainer über den Böhmer-Weiher? Letzteres ist richtig und die Überschrift nicht eindeutig. Der Telegrammstil sollte eine Ausnahme sein. Die Überschriften sind überwiegend Aussagesätze im Präsens, Perfekt oder Partizip. Eine sehr beliebte Form ist die Fragestellung. Diese Form ist in Ordnung bei Ratgebern. Für alle anderen sollten es Ausnahmefälle sein. Ein Beispiel aus der Praxis:

Im Spiegel vom 24. Dezember 2015 ist ein Streitgespräch zwischen einem Pastor und einem Astrophysiker Titelthema. In dem Interview geht es um Glauben und Religion. Das Foto zeigt einen Sternenhimmel bei Nacht und die Überschrift titelt schlicht: Hallo?

Mit dieser Überschrift gewinnt die Redaktion Leser. Wie kann man noch gute Überschriften finden?

Wortspiele, Bildersprache, Reime

Die Redaktionen wollen Aufmerksamkeit erzielen und ihre Texte sollen vom Publikum gelesen werden. Deshalb bedienen sie sich an Wortspielen, Bildersprache oder Reimen, um anspruchsvolle Überschriften zu formulieren. Oft funktioniert das nicht. Ein Beispiel von Detlef Esslinger und Wolf Schneider beweist das Gegenteil:

Die Süddeutsche Zeitung schrieb 2014 über den bedrohten Beruf der Hebammen:

Wenn die Geburtshilfe im Sterben liegt

Der Redakteur sollte Floskeln vermeiden. Das Publikum kennt sie fast alle und niemand will die immer gleichen Sätze hören. Das Publikum kennt keine exotischen Wörter. Stolpert der Leser über schwierige Namen oder Fachwörter, fällt es ihm schwer weiterzulesen.

Ausnahme: Die Zeitschrift

Für Zeitschriften gelten im Prinzip die gleichen Regeln. Allerdings entscheiden die Überschriften unter anderem darüber, ob der Leser die nächste Ausgabe ebenfalls kauft. Im Vergleich zur Tageszeitung legen sie höheren Wert auf Fotos. Die Überschrift muss also Bezug auf das dazu abgedruckte Bild nehmen. Wolf Schneider schreibt dazu, dass „die Brücke zum Bild“ geschlagen werden muss. Die Überschrift ist gut wenn sie nicht das Bild beschreibt, sondern den Gedanken, der beim Betrachter entsteht.

Beachtet der Redakteur diese Grundregeln, finden seine Texte Leser. Arthur Schopenhauer hat die Essenz der Überschrift in einem Satz ausgedrückt: „Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge“.

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