Journalist – Verlag: Ein schwieriges Verhältnis

Die Verlage spielen im Journalismus eine entscheidende Rolle, auch wenn sie oft nur im Hintergrund die Fäden ziehen. Die einstige Win-Win-Situation zwischen Journalist - Verlag hat sich durch die Folgen des Medienwandels allerdings verändert. Es ist bei Weitem nicht alles Gold was glänzt...

Journalist - Verlag: Ein schwieriges Verhältnis Verlage publizieren die unterschiedlichsten Medienmarken

von Philipp Jakob

Im untrennbaren Zusammenhang mit Journalismus steht auch immer das Verlagswesen. Große Unternehmen wie Bertelsmann, Gruner + Jahr, Hubert Burda Media oder der Springer-Verlag sind jedem Medienkonsumenten und Medienmacher ein Begriff. Doch was macht ein Verlag überhaupt?

Kurz zusammengefasst: Ein Verleger kümmert sich um die Vervielfältigung, die Veröffentlichung und die Verbreitung beziehungsweise Vermarktung eines Werkes. Dabei gibt es eine Vielzahl von Verlagen, die sich auf verschiedene Themengebiete ihrer Publikationen oder auf ein bestimmtes Medium spezialisiert haben.

Die bekanntesten Verlage und ihre Marken

Der Brockhaus Verlag hat sich beispielsweise mit dem Herausgeben von Lexika einen Namen gemacht. Der Cornelsen Verlag ist bekannt für seine Schulbücher, der Egmont Ehapa Verlag für Comics und der Reclam Verlag für klassische Literatur im bezahlbaren Taschenbuchformat. Natürlich gibt es auch auf die Journalismus-Branche spezialisierte Verlage, die meistens in große Medienunternehmen eingebettet sind.

Zu den bekanntesten zählen Gruner + Jahr, der mittlerweile zu Bertelsmann gehört, Hubert Burda Media oder der Springer-Verlag. Letzterer ist eines der größten Verlagshäuser in Europa und hat unter anderem mit „Bild“ und „Die Welt“ mehrere deutschlandweit bekannte, multimediale Medienmarken geschaffen.

Journalisten und Verleger profitieren voneinander

Damit bieten die Verlage ihren Redakteuren eine Bühne, um die verfassten Artikel zu veröffentlichen und einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Publikation des Verlages dient dabei auch als eine Art Marke. Der Ruf einer Zeitung oder Zeitschrift beeinflusst die Wertschätzung des verfassten Textes eines Journalisten.

Dieser profitiert also von den Verlagen, indem er sich dank ihrer Unterstützung einen Namen in der Branche machen kann. Gleichzeitig können sich die Verlagshäuser an qualitativ hochwertigen Artikeln ihrer Redakteure erfreuen. Eine klassische Win-Win-Situation also.

Reizklima zwischen Journalist – Verlag

Zumindest so lange, wie es den Verlagen, den Journalisten und der Branche im Allgemeinen gut geht. Durch die neuen Entwicklungen in der Medienwelt haben in den letzten Jahren allerdings immer mehr Verlage mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Folge: Die großen Medien schrumpfen und Verlage verkleinern ihre Redaktionen.

Verlage publizieren die unterschiedlichsten Medienmarken

Verlage publizieren die unterschiedlichsten Medienmarken

Dafür setzen die Verlagshäuser vermehrt auf freie Mitarbeiter. Die erledigen die gleiche Arbeit wie festangestellte Redakteure, kosten aber deutlich weniger. Doch nicht nur die niedrigeren Honorare sorgen zwischen Journalist – Verlag für Ärger, sondern auch die sogenannten Total-Buy-Out-Verträge.

Die Verlage zwingen die freien Autoren häufig zu solchen Verträgen, mit denen sie sich alle Rechte an den Werken sichern. „Diese Knebelverträge machen es möglich, eingekaufte Texte beliebig oft zu benutzen und weiterzuverkaufen, ohne dass die Autoren davon profitieren“, erklärt Kai Schächtele, der Vorsitzende von Freischreiber e.V., dem Berufsverband freier Journalisten, in der taz.

Auch mit Hilfe von Scheinselbstständigkeiten versuchen Verlage, sich Vorteile zu verschaffen. Indem sie Journalisten offiziell als freie Mitarbeiter engagieren, sparen die Verlage die Sozialversicherungsbeiträge. Allerdings bewältigen diese Mitarbeiter oftmals das gleiche Arbeitspensum wie Festangestellte. Konflikte zwischen Journalist – Verlag sind damit fast unausweichlich. Blöd nur, dass beide Seiten aufeinander angewiesen sind – oder doch nicht?

Verlagsunabhängiger Journalismus und die Folgen

Die Entwicklungen in der Medienwelt bieten den Journalisten eine Menge Möglichkeiten zur freien Entfaltung. Zum Beispiel mit Hilfe von Blogs lassen sich die eigenen Ideen spielend leicht in journalistisch hochwertige und schön anzuschauende Texte umwandeln – und das alles verlagsunabhängig.

Während also viele Medienunternehmen immer noch mit der Umstellung in die digitale Welt zu kämpfen haben, sehen sich die Journalisten in dieser Hinsicht im Vorteil. Es liegt an den Verlagen, das angekratzte Verhältnis zu den Mitarbeitern aufzubessern. Teilweise zeigt sich schon Besserung, zum Beispiel, als die Süddeutsche Zeitung und sueddeutsche.de ihre Scheinselbstständigen mit ordentlichen Redakteurs-Verträgen ausstatteten. Ein erster Schritt, um die Win-Win-Situation für Verleger und Journalisten wieder herzustellen.

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