Journalistische Recherche

Der heutige Journalist muss mit vielen Anforderungen umgehen können. In den Redaktionen ist der Druck hoch, gute Geschichten in kurzer Zeit abzuliefern. Die journalistische Recherche ist dabei das wichtigste Instrument. Von Felix Futschik

Was bedeutet das Wort „Recherche“? Es kommt aus dem französischen („rechercher“) und heißt übersetzt: suchen, nachforschen, ermitteln. Übertragen auf den Journalisten bedeutet das die pausenlose Suche nach Informationen: die journalistische Recherche. Der Journalist beschafft sich diese Informationen auf professionelle Art und Weise durch Befragung, Beobachtung und Lektüre. Wer Journalist werden will muss pausenlos Fragen stellen können. Es geht darum, Antworten zu finden und Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Um es mit den Worten von Michael Haller zu sagen: „Ich glaube nichts, halte aber alles für möglich.“

Welche Arten der journalistische Recherche unterscheiden wir?

Die Überprüfungs- und Vervollständigungsrecherche: Die Redaktionen erledigen das alltägliche Geschäft. Der Journalist ordnet Nachrichten ein und prüft sie auf Wahrhaftigkeit und Herkunft. Am wichtigsten ist die Beantwortung der W-Fragen – wer, was, wann, wo, wie und warum. Ein Beispiel sind die täglichen Polizeimeldungen.

Die Themenrecherche: Neben den Standard-Themen wie beispielsweise das politische Geschehen in der Gemeinde, kann der Journalist auch abseits bestehender Termine eigene Ideen recherchieren. Dafür muss der Redakteur neugierig, kreativ und engagiert sein. Die Themenrecherche führt oft zu größeren und interessanten Geschichten.

Die investigative Recherche: Die Königsdisziplin der journalistischen Recherche. Es geht darum, Sachverhalte aufzudecken, die unentdeckt bleiben sollen. Der Journalist recherchiert also gegen die Interessen anderer. Die Recherche braucht Zeit und erfordert viel Geschick. Hier gilt es besonders darauf zu achten, welche Interessen die Informanten verfolgen. Wichtig ist, dass der Journalist nicht zum Spielball wird (Siehe Artikel Investigativer Journalismus). Für alle Recherchearten gilt: Das Quellenprinzip – der Redakteur muss immer mindestens zwei Quellen befragen.

Welche Informationsquellen gibt es?

Keine Redaktion kann es bezahlen, überall auf der Welt Korrespondenten zu stationieren. Deshalb haben sich große Nachrichtenagenturen, wie beispielsweise die Deutsche Presse Agentur (DPA), etabliert. Ohne diese Agenturen wäre diese umfangreiche mediale Berichterstattung überhaupt nicht möglich. Täglich laufen etwa 3000 Meldungen über die Bildschirme der Redaktionen. Diese überprüfen diese Meldungen und können sie für die Zeitung oder die Onlineplattform nutzen. Dennoch ist es wichtig immer zu hinterfragen: „Kann das sein, was da steht?“.

Um eine Zeitung oder die Online-Ausgabe mit Informationen zu füllen, muss der Journalist das Haus nicht verlassen. Er kann die journalistische Recherche auch von seinem Arbeitsplatz aus erledigen. Täglich bekommen Redaktionen PR-Material von Firmen oder Gemeinden zugeschickt. Der Journalist muss wachsam sein und genau überprüfen, was von diesem Material eine Nachricht ist und was nicht. Er stellt sich die Fragen: Was ist neu? Ist das Thema relevant? Bekommt der Leser dadurch einen Nutzwert?

Eine nahezu unerschöpfliche Quelle ist das Internet. Journalisten dürfen und sollen sie selbstverständlich nutzen. Allerdings sind die Informationen mit Vorsicht zu genießen und besonders auf Wahrheit und Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Nur weil etwas auf Wikipedia steht, muss es noch lange nicht wahr sein. Für den Journalisten ist das World Wide Web aber eine gute Chance, Einblicke in ein Thema zu bekommen und neue Quellen zu erschließen, beispielsweise um Experten zu kontaktieren.

Außerdem stehen Verbände, Vereine und Behörden als Quellen zur Verfügung. Oft haben sie eigene Pressestellen besetzt, die den Journalisten Auskunft geben.

Welche Formen der journalistischen Recherche gibt es?

Die Lektüre: Fachliteratur und Dokumente sind gute Quellen für Journalisten. Außerdem ist es unverzichtbar, am Anfang einer Recherche einen sogenannten Pressspiegel zu erstellen. Dabei sucht der Redakteur in großen Zeitungsarchiven, zum Beispiel der Süddeutschen Zeitung, nach schon veröffentlichtem Material zu einem bestimmten Thema.

Die Vor-Ort-Recherche: Möchte eine Zeitung beispielsweise das Thema Altersarmut behandeln, dann muss der Redakteur dorthin fahren, wo es Altersarmut gibt. Ihm wird damit die Bedeutung eines Themas klar. Vor Ort findet er Menschen, die betroffen sind und wichtige Informationen preisgeben. Außerdem kann der Journalist die eigenen Erlebnisse in seinen Text einbauen. Die Form der Recherche muss gut vorbereitet sein: Ist das Wetter wichtig? Muss der Journalist sich vorher anmelden?

Die Telefonrecherche: Per Telefon lassen sich schnell und einfach Informationen einholen oder Termine ausmachen. Sie ist vor allem dann unverzichtbar, wenn der Journalist international recherchiert und nicht für jedes Gespräch in den Flieger steigen will.

Eine gute und sorgfältige Recherche muss gewährleistet sein. Die Menschen erfahren dadurch von Ereignissen, die sonst im Verborgenen geblieben wären. Im heutigen Alltag muss es oft schnell gehen und eine gute Recherche kostet Geld. Viele Redaktionen, auch etablierte, sparen an dieser Stelle. Doch sparen sie am falschen Ende.

Im folgenden Artikel wird erläutert, wo die Grenzen der Recherche liegen.

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