Mein Volontariat bei Radio Charivari in Nürnberg

Seit Oktober 2014 macht Mirjam Zylka ein Volontariat bei Radio Charivari 98.6 im Funkhaus Nürnberg. Als Nachrichtensprecherin ist sie morgens ab 5 Uhr in der Morning-Show zu hören. Nach ihrem Bachelor of Arts in den Studiengängen Germanistik sowie Theater- und Medienwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg absolvierte die 25-Jährige ein neunmonatiges Praktikum im Funkhaus. Im Anschluss startete dann ihr Volontariat bei Radio Charivari, das nach einer zweijährigen Ausbildung im Oktober 2016 endet. 

Hochschule Ansbach: War das Volontariat bei Radio Charivari überraschend für dich?

Mirjam Zylka: Absolut! Die Konkurrenz ist riesig, Volontariatsplätze sind heiß begehrt! Deutschlandweit gibt’s im privaten Hörfunk nur knapp 500 davon. Nach meinen ersten Testaufnahmen im Studio, bekam ich das Angebot –  und da hab ich natürlich sofort ja gesagt! Ich wusste, ein Volontariat ist die Eintrittskarte in die Medien-Welt – ein Studium alleine bringt relativ wenig.

Copyright Funkhaus Nürnberg

Mirjam Zylka, Foto: Copyright Funkhaus Nürnberg

Welche Bereiche beinhaltet das Volontariat?

In einem Volontariat bei Radio Charivari im Funkhaus Nürnberg bekommst du eine umfassende Ausbildung. Eine gewisse Zeit arbeiten wir in der Redaktion mit, dann geht’s ab in die Nachrichten und wir dürfen uns auch als Moderatoren versuchen. Außerdem bekommen wir Einblicke in die Produktion, in die Marketing- und Promotionsabteilung und die Technik. Zusätzlich nehmen wir an Seminaren der BLM (Bayerische Landeszentrale für neue Medien) in Nürnberg oder München teil. Darin werden bestimmte Inhalte wie Moderation, Nachrichten, Reportage oder auch Medienrecht behandelt. Mit uns arbeiten die verschiedensten Dozenten – auch bekannte Sprecher und Moderatoren wie zum Beispiel Patrick Lynen. Alle sechs Wochen kommt ein Sprechtrainer zu uns ins Haus, bei dem wir Einzel- und Gruppenstunden haben.

Welche Aufgaben hast du als Nachrichtensprecherin?

Ich bin nicht nur Nachrichtensprecherin, sondern auch Nachrichtenredakteurin. Heißt: ich schreibe meine Meldungen selbst. Bei Charivari 98.6 haben wir jede halbe Stunde vier Weltnachrichten – also vier Meldungen aus Deutschland und der Welt – und zwei Lokalnachrichten aus der Region. In einem ersten Schritt wähle ich aus, welche Themen in meiner Nachrichtensendung vorkommen und bringe sie dann in eine logischen Reihenfolge: das Aktuellste oder Wichtigste zuerst, am Schluss dann gerne eine etwas buntere Meldung als „Ausstieg“. Dann bereite ich die Meldungen auf: wir setzen tagesaktuelle Themen zielgruppengerecht um. Ich habe also immer im Hinterkopf, wen ich ansprechen möchte und so texte ich dann auch.
Meine Kollegen in der Redaktion nehmen Pressetermine wahr und liefern mir Interviews mit Prominenten, Politikern oder der Polizei. Oft bin ich während meiner Schicht auch selbst am Telefon und zeichne Interviews auf. Das Material muss ich dann schneiden, pegeln und kann es dann anschließend am Mischpult im Studio „abfeuern“.

Wie bereitest du dich auf deine Live-Auftritte vor?

Wenn ich meine Meldungen geschrieben habe, bleiben mir noch knapp 5 Minuten, dann muss ich ins Studio. Die Zeit nutze ich, um mir meinen Text nochmal gut durchzulesen. Denn der kann gerne mal zur Stolperfalle werden, wenn darin zum Beispiel Fremdwörter vorkommen.
Die letzten dreißig Sekunden vor den Nachrichten versuche ich, alles um mich herum im Studio auszublenden und konzentriere mich auf meine Atmung – so kriege ich meine Aufregung in den Griff. Die ist immer noch jedes Mal ein bisschen mit dabei, denn ich weiß: gleich hören mir ca. 20.000 Menschen zu. Aber das ist auch gleichzeitig das Tolle an meinem Job!

Foto: Copyright Meramo/Rehm

Foto: Copyright Meramo/Rehm

Welchen Herausforderungen stellst du dich dabei?

In der Nachrichtenredaktion kann es ganz schön stressig zugehen. Ich arbeite oft unter hohem Zeitdruck, denn um Punkt halb und Punkt ganz muss ich im Studio stehen und neue Nachrichten abliefern. Ich muss meine Meldungen schnell und gleichzeitig gut und verständlich formulieren – manchmal eine echte Mammutaufgabe.
Pannen gehören zum Alltag. Wenn die Technik im Studio streikt oder die Nachrichtenlage unübersichtlich ist, muss ich spontan sein und auch mal improvisieren können. Am Wichtigsten ist: einen kühlen Kopf bewahren und dir „On Air“ nichts anmerken lassen.

Bereitet dich das Volontariat optimal auf die Zukunft vor?

Ich denke, einen besseren Einstieg in die Berufswelt gibt es nicht – gerade im Hörfunk. Ist mein Volontariat bei Radio Charivari beendet, habe ich fast zwei Jahre „On Air“-Erfahrung gesammelt. Das ist in der Medien-Branche meist wichtiger als ein Abschluss mit einer Eins vor dem Komma. Praxis ist hier die beste Referenz. Außerdem ist es sehr schwierig, ohne ein Volontariat eine Festanstellung zu ergattern. Und nur mit einem abgeschlossenen Volontariat darf man sich in Deutschland Redakteur nennen. Ich würde trotzdem jedem ein Studium ans Herz legen. Denn oft ist das die Voraussetzung, um überhaupt ein Volontariat zu bekommen. Dennoch gilt: Journalismus kannst du nicht wissenschaftlich erlernen, Journalismus musst du machen!

Redakteurin: Julia Lamatsch

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