Radiomoderator mit „Rampensau-Gen“

Simon Steffan (26) trinkt lieber Wasser als Cola, bei Chips und Schokolade entscheidet sich der Struwwelpeter mit dem „Rampensau-Gen“ spontan für Gummibärchen – er ist Radiomoderator und leidenschaftlicher Redakteur bei Radio Gong in Würzburg.

Folgend ein nahezu verschwindend geringer Teil seiner umfassenden Erfahrung bei Radio Gong.

Irina Wandler: Simon, wie bist du zum Radiomoderator geworden?

Simon Steffan: Durch einen Unfall. Bei meinem Abischerz 2008 hab‘ ich dem DJ das Mikrofon abgenommen und selbst moderiert. Der „DJ“ hat sich als Radiomoderator bei Gong entpuppt, mir seine Visitenkarte zugesteckt und meinte „cooler Typ. Eigentlich sollte ich hier auch ein bisschen moderieren aber du hast das super gemacht.“ Zu dem Zeitpunkt wollte ich noch Sport- und Latein-Lehrer werden. Nachdem ich mir aber den Daumen gebrochen hab‘, ist mir die Visitenkarte wieder eingefallen. Nach sechs Wochen Praktikum bei Radio Gong in Würzburg war ich dann endgültig mit dem Radiovirus infiziert.

Was zählt zu deinem Aufgabenbereich?

In einem kleinen Radiosender wirst du überall eingeteilt. Als Redakteur weiß ich frühs nie was der Tag bringt, das macht meinen Job so abwechslungsreich. 80 Prozent meines Tagesablaufs werden durch die allmorgendliche Themenkonferenz bestimmt. Außerdem habe ich seit eineinhalb Jahren eine eigene Morning-Show, die moderiere ich immer sonntags von acht bis zwölf Uhr.

Themensuche als Radiomoderator:  jung, sexy, urban. Lokal steht aber über allem.

Worauf legst du bei der Themenrecherche wert?

Bei einem Mainstream-Sender wie Radio Gong ist es wichtig die Themen so zu erklären, dass sie jeden abholen. Der Abschaltgrund Nummer eins ist am Hörer vorbei zu senden. Der Radiomoderator muss ihm immer das Gefühl geben, Teil der Sendung zu sein, auch komplexe Zusammenhänge einfach verstehen können. Grundsätzlich klopfen wir die Themen nach dem Schema jung, sexy und urban ab. Der lokale Bezug steht dabei aber über allem.

Wer ist das Funkhaus Würzburg?

Dazu gehören die Sender Radio Gong, Charivari und die Onlineplattform Mainfranken24.de. Insgesamt 50 Mitarbeiter aus den Kategorien Redakteure (Programm- und Nachrichtenredaktion), Moderatoren, Marketing- und Außendienstmitarbeiter stecken dahinter.

Du arbeitest seit 2009 bei Radio Gong, was hast du vorher gemacht?

Nach dem Abi 2008 war ich Zivi. Dank des sechswöchigen Praktikums bei Gong habe ich meinen Weg gefunden und drei Jahre lang dual studiert. Das heißt Bachelor in Medien- und Kommunikationswirtschaft in Ravensburg und parallel dazu das Volontariat bei Radio Gong in Würzburg.

Wie geht es der Radiobranche aus deiner Sicht?

2009, als ich das Praktikum angefangen habe, also kurz nach der Wirtschaftskrise, stand es nicht so gut um die Medienbranche. Zum Glück wollte das Funkhaus Würzburg die Qualität halten und die hältst du nur mit deinen Leuten. Kein Roboter wird jemals menschlich sein und die Nähe vermitteln, die Medien so sympathisch macht.

Generell ist das Radio immer noch das Begleitmedium Nummer eins, unsere Hörerzahlen sind stabil und Unkraut vergeht nicht: Radio wurde totgesagt als die CD, das Internet oder jetzt eben Spotify kam. Hörfunk ist ein anpassungsfähiges Medium, das oben genannte Werkzeuge zur Recherche nutzt, um den Geschmack der Hörer zu treffen. Solange das so bleibt, habe ich bei Radio Gong einen super Job.

Du wirst denken, dass die Welt untergeht und dir wünschen, dass sich vor dir der Boden auftut

Apropos menschlich, was tun gegen den berühmten Knoten in der Zunge?

Radiomoderator Simon Steffan (26)

Radiomoderator Simon Steffan (26)

Als Radiomoderator geht es einem da ähnlich wie einem Sportler: wenn der Körper nicht aufgewärmt ist, hast du keine Chance. Genauso ist es mit dem Mundw

erk. Wer kurz vor der Moderation Angst bekommt sollte auf eine tiefe Bauchatmung achten. Zungenbrecher, wie der „Fischers Fritz“ und Co. helfen auch, aber das Beste ist so richtig laut zu singen, dann ist auch die Stimme schön geölt.

Ist dir trotzdem schon mal ein Ausrutscher passiert?

Der worst case für mich On Air(!): statt „McFit“ ist mir „MettFick“ rausgerutscht. Du wirst in dem Moment denken, dass die Welt untergeht und dir wünschen, dass sich vor dir der Boden auftut. Du schämst dich zu Tode, stirbst am Mikrofon und wirst vielleicht auch noch eine Woche lang von den Kollegen ausgelacht aber das Schöne am Radio: es versendet sich auch wieder.

Dein persönliches Highlight?

Definitiv 2011, Würzburger Residenz, der Empfang von Dirk Nowitzki nach seinem NBA-Titelgewinn. Zusammen mit Sponsoren haben wir die Organisation innerhalb von vier Tagen auf die Beine gestellt. Und plötzlich stand ich vor 10.000 Leuten mit dem Held meiner Kindheit zusammen auf einer Bühne, durfte danach mit ihm Champagner trinken und Zigarren rauchen. Wahnsinn!

Was legst du jedem zukünftigen Junior-Radiomoderator ans Herz?

Auf keinen Fall Angst vor Spontanität haben. Lasst euch auf Abenteuer ein und geht ohne Vorurteile an ein Thema ran, alles hat seinen Reiz. Bleibt neugierig und euch selbst treu. Jobs in der Medienbranche verleiten dazu auf Wellen zu reiten und wenn sie wegbrechen fällst du extrem tief. Damit meine ich lasst euch 1. nicht von einer Meinung einfangen ohne selbst zu recherchieren und 2. lass dich von Lob immer motivieren aber ruhe dich nicht darauf aus.

Wer ist für das Radio geeignet?

Grundwerkzeug ist eine gute Stimme, dazu kommen Sprachgewandheit, gutes Allgemeinwissen und ein Gespür für Menschen und Themen. Im Radio kannst du Reportagen einfacher und ehrlicher machen als für so manche TV-Produktion, auch, weil dich nicht gleich jeder kennt.

Schlagfertigkeit und Kreativität sind das A und O. Einerseits eine Sache von Technik und harter Arbeit, andererseits steckt in jedem guten Radio-Moderator das „Rampensau-Gen“.

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