Social Media und Journalismus?

Egal ob Fernsehsender, Tageszeitung oder Magazin: Alle nutzen Facebook, Twitter und Co, um ihre Leser zu erreichen. Und es muss schnell gehen. Aber: Wie lässt sich Social Media und Journalismus verbinden? Von Felix Futschik

Sascha Lobo hat im Mai 2010 für die Süddeutsche Zeitung geschrieben, dass nicht das Internet generell den Journalismus verändert, sondern Social Media. Weil keine Redaktion über Schaffung und Verbreitung der Inhalte wacht, sondern das Kollektiv die Aufgabe übernimmt. Social Media ist längst kein Trend oder Hype mehr. Vielmehr müssen Medienschaffende endlich akzeptieren, dass die sozialen Netzwerke – also Facebook, Twitter und Co – zum journalistischen Alltag gehören. Wie kann die Verbindung aus Social Media und Journalismus funktionieren?

Qualitätssicherung ist unverzichtbar

Ebenfalls 2010 haben die Rundfunkanstalten innerhalb der ARD Social-Media-Guidelines erarbeitet. In diesen Richtlinien steht die Qualitätssicherung im Vordergrund. Es geht darum, dass Redaktionen die sozialen Medienangebote moderieren und die Einträge überprüfen müssen. Die Qualitätssicherung ist in Tagen von User-Generated-Content unverzichtbar. Die beruflichen und privaten Bereiche laufen in den Sozialen Medien immer mehr zusammen. Wer Mitarbeiter einer Medienanstalt ist und einen privaten Social-Media-Account nutzt, kann von Lesern unabsichtlich als Repräsentant der Anstalt wahrgenommen werden. Außerdem sind die Zugänge unter Umständen Teil der beruflichen Recherche.

Die Social-Media-Guidelines legen den Redakteuren außerdem nahe, dass alle im Internet veröffentlichten Inhalte gespeichert und für Dritte zugängig bleiben. Mitarbeiter, die diese Kanäle benutzen, müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass alles gepostete auch gegen sie oder die Medienanstalt verwendet werden kann. Ein aktueller Fall zeigt, wie brisant dieses Thema ist. Der Journalist und WELT-Kolumnist Matthias Matussek postete nach den Anschlägen in Paris im November letzten Jahres per Facebook ein Statement, in dem er den Terror mit der Flüchtlingsdebatte in Verbindung brachte. Die WELT-Gruppe distanzierte sich daraufhin ebenfalls per Facebook von ihrem Kolumnisten – in einer späteren Konferenz wurde Matthias Matussek schließlich entlassen.

Neue Fragen für den Presserat: Social Media und Journalismus?

Aber nicht nur die Redaktionen müssen mit der Verbindung aus Social Media und Journalismus umgehen. Auch der Presserat setzt sich mit der Thematik auseinander. „Für uns kommen neue Fragen auf, die wir bis heute nicht kannten“, sagt Edda Eick. Sie ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Presserat. „Deshalb haben wir Anfang letzten Jahres reagiert und die Ziffer für die Sorgfalt um einen Punkt erweitert.“ Darin ist für Redaktionen festgehalten, wie sie mit User-Generated-Content umgehen sollten und, dass die publizistischen Grundsätze einzuhalten sind. „Egal ob Beiträge für die Zeitung oder für den Bereich Online veröffentlicht werden, die Presseethischen Richtlinien sind einzuhalten“, erklärt Eick. Aber es geht nicht nur um die Veröffentlichung, sondern auch um die Quellen. „Die Redaktionen müssen sich bewusst sein, dass die Fremdinhalte die Sorgfaltspflicht erhöhen“, betont Eick.

User-Generated-Contet – Was ist das eigentlich?

Ist User-Generated-Content ein journalistischer Inhalt? Diese Frage muss gestellt werden. Wer glaubt bei Facebook würden relevante Nachrichten verbreitet irrt. Facebook ist ein Durchlaufkanal, auf dem gerade zu Zeiten von PEGIDA jeder die Chance bekommt anonym und egal zu welcher Zeit einen Kommentar abzugeben. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Inhalt wahr ist oder nicht. Natürlich nutzen auch die großen Medien wie Der Spiegel oder Die Zeit Facebook und Twitter, um auf ihre Artikel und neuesten Ausgaben hinzuweisen. Aber die einzelnen User der Netzwerke erstellen am Ende des Tages keinen Inhalt, sondern nutzen die Plattform zur Selbstdarstellung.

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