Tipps: Leserfreundliches Schreiben

Nach der Recherche muss der Journalist seine Informationen aufschreiben. Sein Ziel: Möglichst viele Leser erreichen. Doch was ist "schön" und was bedeutet leserfreundliches Schreiben? Von Felix Futschik

Der Redakteur entscheidet sich bevor er seinen Artikel schreibt für eine Stilform: Reportage, Bericht oder Portrait. Neben der Stilform ist auch das leserfreundliche Schreiben wichtig. Laut Wolf Schneiders „Deutsch für junge Profis“ hat der Redakteur 20 Sekunden, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das sind in etwa 350 Zeichen. In Zeiten von Twitter und Social Media nur 180 Zeichen. Der Einstieg in den Text ist von großer Bedeutung. Leser stolpern über lange und sperrige Wörter. Leserfreundliches Schreiben bedeutet kurze Wörter mit wenigen Silben. Wolf Schneider benutzt als Beispiel den berühmten Satz von Barack Obama: „Yes, we can.“ Daraus lässt sich ableiten: Kurze Wörter stehen für einfacheres Lesen.

Leserfreundliches Schreiben: Sparsam mit Adjektiven umgehen

„Der goldene Herbst lässt die Bäume in vielen bunten Farben erstrahlen, während die kleine graue Taube am Boden nach stärkender Nahrung sucht.“ So ein Satz liest sich nicht gut – es handelt sich dabei nicht um leserfreundliches Schreiben. Das Subjekt sollte der Journalist nur dann beschreiben, wenn es für den Inhalt und die Geschichte wichtig ist. Ansonsten gilt: sparsam mit Adjektiven umgehen. Auch Wortwiederholungen ermüden den Leser schnell. Nach geeigneten Synonymen und Umschreibungen zu suchen ist die Pflicht eines jeden Redakteurs. Aber es gibt eine Ausnahme: Wortwiederholungen dürfen in den Text, wenn sie die Grundbausteine bilden. Geht es um eine ganz bestimmte Sache, dann muss der Journalist sie beim Namen nennen. Verwendet er bei jeder Möglichkeit ein Synonym, verliert der Leser den Überblick.

Floskeln vermeiden

Um Leser an den eigenen Text zu binden, muss er spannend geschrieben sein. Benutzt der Autor altbackene Formulierungen, langweilt sich der Leser. Deswegen sollten Journalisten Floskeln vermeiden. Auch hier gibt es eine Ausnahme: Wenn der Verfasser die Floskel abwandelt, führt das beim Leser zu einem Überraschungseffekt und er wird gefordert. Vorausgesetzt die Abwandlung ist kreativ.

Mit Verben den Text nach vorne schreiben

Verben sind die stärksten Wörter und machen den Text lebendig. Durch ihren Einsatz schreibt der Journalist nach „vorne“. Er sollte immer ein Verb bevorzugen und nach Möglichkeit auf den Nominalstil verzichten. Journalisten sollten keine Passivkonstruktionen verwenden. Der Handelnde soll im Mittelpunkt stehen. Ein Beispiel:

Die Schüler werden von dem Lehrer geschlagen. Besser: Der Lehrer schlägt die Schüler.

Hauptsätze versus Nebensätze

Wolf Schneider schreibt in seinem Buch über den „schlanken Satz“. Er empfiehlt für Handlungen und Hauptsachen den Hauptsatz. Journalisten sollen Nebensätze ausschließlich für Erläuterungen benutzen und die Platzierung beachten. Der Nebensatz sollte dem Hauptsatz folgen und nach Möglichkeit nicht in der Mitte stehen. Der einfache Grund: So sprechen Menschen nicht und zwei Gedanken gleichzeitig denken fällt unserem Gehirn schwer.

Die Satzzeichen verwenden

Der Journalist sollte den Punkt so setzen, dass der Leser Lust auf den nächsten Satz bekommt. Neben dem Punkt gibt es viele andere Satzzeichen, die den Leser durch den Text tragen. Die Verwendung von Komma, Doppelpunkt, Gedankenstrich, Ausrufezeichen, Fragezeichen oder Semikolon ist ausdrücklich erwünscht. Sie sorgen für Abwechslung und bringen Spannung in die geschriebene Geschichte – sie sind leserfreundlich. Überbegriffe behindern die Vorstellungskraft des Lesers. Der Journalist soll schreiben, was er meint. Also Hochhaus, Wolkenkratzer, Fachwerkhaus statt Gebäude. Wenn Redaktionen diese Regeln beachten, schreiben sie bessere, lesefreundliche Texte. Oder wie Josef Pulitzer einmal sagte:

„Was immer du schreibst, schreibe kurz, und sie werden es lesen, schreibe klar, und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten.“

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