Die Mediennutzung im Wandel

Das Nutzungsverhalten der Medienkonsumenten hat sich im Laufe der Jahre deutlich gewandelt. Früher galten klassische Medien wie Radio oder Fernsehen als große Innovation. Heute sind sie nur noch Nebendarsteller auf der großen Bühne des Internets... Mediennutzung im Wandel.

Der ungleiche Kampf: TV gegen Web

von Nicolas Bettinger

Was waren das noch für Zeiten, als sich die ganze Familie am Samstag Abend auf der Couch zusammenfand. Als eine TV-Sendung wie „Wetten, dass..?“ noch ein generationsübergreifendes Publikum erreichte. Längst hat sich der Konsum gesellschaftlich verändert. Mediennutzung im Wandel. Wer heute keinen Fernseher besitzt, gehört nicht mehr zur seltenen Spezies, die einst auf dem Schulhof ausgelacht wurde. Das Fernsehen hat an Bedeutung verloren. Und zwar nicht, weil plötzlich alle Menschen lieber Bücher lesen. Der Grund ist ein unüberschaubares Ausmaß an Online-Angeboten. Das Internet stellt das einstig unangefochtene Leitmedium mehr und mehr in den Schatten. Hat der Fernseher dem Radio noch den Rang als Branchenprimus abgelaufen, muss er gegenwärtig dem World Wide Web hinterherhecheln. Das betrifft nicht nur den Unterhaltungsbereich, sondern auch journalistische Inhalte.

„Digital Natives“ und die Mediennutzung im Wandel

Doch warum ist das so? Sind die TV-Programme immer schlechter geworden oder bietet das Internet einfach mehr Qualität?
Laut einer Online-Studie von ARD und ZDF surfen 14-29 jährige Mediennutzer durchschnittlich 233 Minuten am Tag im Internet. Dagegen sitzt der junge Konsument nur noch 128 Minuten vor der „Glotze“. Beim Blick auf die Gesamtbevölkerung, nimmt die Flimmerkiste einen beachtlichen Stellenwert ein. Die heranwachsende Generation greift jedoch viel lieber zu Maus oder Smartphone, als zur Fernbedienung. Dabei entscheidet sich der junge Rezipient nicht plötzlich gegen das Fernsehen und wechselt zum Internet. Der sogenannte „Digital Native“ ist mit Sozialen Netzwerken und Online-Formaten aufgewachsen und wird seine Nutzungsgewohnheiten nicht mehr ändern. Je mehr Generationen dieses Nutzungsverhaltens nachrücken, desto schwerer wird es das lineare Fernsehen haben. Doch warum springen junge Menschen nicht mehr auf die klassischen Medien an?

Fernsehen ist das neue Radiohören

Laut Prof. Dr. Wolfgang Seufert vom Lehrstuhl Kommunikationswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist die Mediennutzung im Wandel, aufgrund des menschlichen Zeitmanagements. Dies stellt er in seinem Buch „Mediennutzung als Zeitallokation“ fest. Da heutzutage Information und Unterhaltung stets schnell, überall und gleichzeitig gefordert wird, entpuppt sich das Internet als nahezu konkurrenzlos.
„Da die Möglichkeit der mobilen Internetnutzung das Nutzungspotenzial des Internets noch einmal deutlich erweitert, ist zu vermuten, dass dies in Zukunft noch stärker zulasten der Nutzung traditioneller Medien gehen wird“, weiß Seufert. Der Rückgang des Fernsehens ist also nicht zwingend auf die Qualität des Programms zurückzuführen, sonder auf die begrenzte Erreichbarkeit.

Außerdem ist Fernsehen das neue Radiohören. TV-Programme dienen überwiegend nur noch als Begleitmedium. Des weiteren hemmt die lineare Ausstrahlung mehr und mehr die Eigenaktivität des Nutzers. Doch auch die anderen klassischen Medien leiden unter dem Onlinemarkt: „Mit der Verbreitung des Internet gibt es vor allem weniger Personen, die ihre Freizeit bevorzugt zur Zeitungslektüre nutzen“, erklärt der Professor. Die Rezipienten wollen selbst bestimmen, welche Nachricht, welcher Film und welches Lied laufen soll.

Mathis Horsinka hat E-Commerce studiert und beschäftigt sich seit langem mit den Unterschieden von Online und TV. Er macht die gewonnene Nutzerautonomie für den Paradigmenwechsel und somit den Siegeszug des Internets verantwortlich: „Man kann selber entscheiden und gestalten. Internet ist komplett individuell.“ Außerdem gehe es bei erfolgreichen Formaten immer darum, dem Nutzer alles so einfach wie möglich zu machen. „Von Nachrichten über Entertainment bis hin zur Kommunikation mit Freunden kann man alles an einem Gerät oder Bildschirm erledigen“, erläutert der Würzburger. Dieser Mehrwert fehle dem klassischen Fernsehen.

Vom Smartphone bis zur VR-Brille

Die Mediennutzung ist ständig in Bewegung. Früher saß die ganze Familie an einem Radioempfänger. Später am Fernseher. All das gehört der Vergangenheit an. Genau wie die erfolgreiche Zeit der Printmedien. Wir befinden uns im Zeitalter der Online-Vernetzung. Die genannte Bandbreite ist heute über ein einziges Smartphone empfangbar. Doch auch das ist nicht das Ende der Medienentwicklung. Die Nutzer haben schon jetzt Zugriff auf noch individuellere Angebote. „Ich denke VR-Brillen und Streaming Portale werden in Zukunft noch mehr in den Mittelpunkt rücken“, vermutet Horsinka. Sogenannte Virtual-Reality-Brillen versetzen den Nutzer in eine andere Welt und werden vor allem in der Gamerszene an Bedeutung hinzugewinnen.

An Innovationen mangelt es der Medienwelt nicht. Und die Frage nach dem anfangs beschriebenen Duell, TV gegen Internet, erübrigt sich. Zwar ist das lineare Fernsehen vom Aussterben bedroht, dennoch setzt der Onlinemarkt zunehmen auf Bewegtbild. Fernsehen ist also weiterhin gefragt. Nur stellt sich der Nutzer sein Programm in Zukunft individuell zusammen. Und zwar im Internet.

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