„Ein Fenster in die Wirklichkeit“ – Die empirische Sozialforschung als Hilfsmittel für Journalistenmus

Egal ob Tabellen, Umfragen oder Statistiken – die empirische Sozialforschung kann einem Journalisten bei der Erstellung eines Berichts durchaus von Nutzen sein. Doch um diese Informationen richtig einschätzen zu können, bedarf es gewisser Fachkenntnisse. Prof. Dr. Walter Kiel (63) bietet an der Hochschule Ansbach die Veranstaltung „Empirische Sozialforschung“ für Ressortjournalismus-Studenten an. Wir haben uns mit ihm über dieses Thema und seine Veranstaltung unterhalten.

empirische sozialforschung kiel

Prof. Dr. Walter Kiel ist seit 1996 Professor an der Hochschule Ansbach. (Quelle: www.hs-ansbach.de)

Medienfrage: Herr Kiel, der Begriff „Empirische Sozialforschung“ ist nicht jedem bekannt. Wie würden Sie kurz und knapp erklären, was es damit auf sich hat?

 Prof. Dr. Walter Kiel: Die empirische Sozialforschung versucht, methodisch (bspw. durch Umfragen) gestützte Informationen zu Gesellschaft und Wirtschaft zu erzeugen und verständlich zu transportieren. Man versucht, Informationen von den Leuten zu bekommen und die dann für jeden nachvollziehbar auszuwerten und entsprechend zu verdichten, so dass die Leute was damit anfangen können.

Arbeiten denn „empirische Sozialforscher“ selbst mit journalistischen Mitteln?

 Das tun sie durchaus. Wenn Sie einen Fragebogen erstellen, dann sollte das im Idealfall ja schon so etwas wie ein „Gespräch“ mit dem Befragten sein, wie ein Interview. Das Interview ist ja ein prägendes Verfahren für die empirische Sozialforschung, vielleicht sogar der Kern. Und im Journalismus sieht es da nicht anders aus.

In welchen Bereichen greifen Journalisten den meistens auf empirische Studien zurück?

 In allen Bereichen, in denen es um unsere gesellschaftliche, soziale und auch wirtschaftliche Realität geht. Wenn Sie irgendetwas schreiben, das einen Realitätsbezug haben soll, dann ist die empirische Sozialforschung gewissermaßen unser Fenster in die Wirklichkeit. Ein Blick aus dem Fenster allein gibt ihnen keine Informationen über Dinge wie Armut, soziale Ungleichheit, Wohnungsnot oder Bildung. Wir brauchen irgendeine Schicht, mittendrin, die uns diese Informationen holt – und das ist in unserem Fall die empirische Sozialforschung.

Was genau wollen Sie den zukünftigen Journalisten in ihrer Veranstaltung mit auf den Weg geben?

Sie sollen einerseits Kriterien erlernen, um empirische Ergebnisse und Studien vergleichen und bewerten zu können. Sie sollen sich fragen, wie stark sie solchen Informationen vertrauen können. Wie wurden die Informationen dieser Studie gewonnen? Was ist an dieser Studie gut bzw. schlecht gemacht? Was kann ich für welchen Zusammenhang verwenden? Zum anderen sollen sie sich aber auch selbst einbringen könnnen und zwar dadurch, dass sie dann irgendwas dazu schreiben. Sie brauchen Fachkenntnisse, um diese Studien und ihre Herkunft richtig einschätzen zu können. Wo kann ich mich informieren? Was sind die wichtigsten Quellen, denen ich am ehesten noch vertrauen kann?

Welche Quelle würden Sie denn als vertrauenswürdig einstufen?

 Auf jeden Fall die amtliche Statistik. Das ist ja unsere „informationelle Infrastruktur“, wenn ich das so nennen kann. Oder auch das Statistische Bundesamt. Ein gutes Buch liefert in seiner Erzählung zwar auch Informationen über Gesellschaft oder Armut – aber bei uns gehört es eben auch dazu, dass wir wissen müssen, welche Quantität das hat. Sonst reden wir immer einfach nur aus dem Bauch heraus. Von einem guten Journalisten würde ich erwarten, dass alle Aspekte auf den Tisch kommen, aus denen der Leser sich dann seine Meinung bilden kann.

Aaron Tanzmann, Gruppe A

 

 

Quellen:

http://www.hs-ansbach.de/personen/betriebswirtschaft/professorinnen_und_professoren/kiel_prof_dr.html

Gespräch mit Herrn Kiel

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/hand-halten-lupe-pfeil-statistik-982053/

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