Investigative Journalisten auf illegalem Boden

Günter Wallraff ist als einer der wichtigsten Enthüllungsjournalisten in aller Munde. Mit seinen heiklen Reportagen schlägt er dabei allerdings oft über die Stränge und landet nicht selten sogar vor Gericht. Doch was dürfen investigative Journalisten eigentlich und ist manchmal nicht das rechtlich Falsche das ethisch Richtige?

Auch Journalisten haben keine Narrenfreiheit. Ein grober Fehltritt gegen das Gesetz kann schlimme Konsequenzen haben. Auch Journalisten haben keine Narrenfreiheit. Ein grober Fehltritt gegen das Gesetz kann schlimme Konsequenzen haben.

Von Anna-Lena Borkenhagen

Man muss sich verkleiden, um die Gesellschaft zu demaskieren, muss täuschen und sich verstellen, um die Wahrheit herauszufinden.“, ist eines der berühmtesten Zitate Günter Wallraffs und zeigt zugleich seine aktive Rolle beim Recherchieren mit Verkleidungen und Perücken auf. Mit seiner ganz individuellen Form von investigativem Journalismus deckte er viele Skandale auf von der unsauberen Arbeit der BILD-Zeitung bis zu zahlreichen Missständen in Obdachlosenheimen. Vom Presserat gerügt und von Unternehmen verklagt hält Wallraff, trotz strafrechtlichen Anklagen, immer noch seine Stellung als einer der bekanntesten investigativen Journalisten in Deutschland.

Der Journalismus als vierte, publikative Gewalt

Der Journalismus hat in Deutschland eine ganz besondere Stellung in unserem System. Oft bezeichnet als vierte Gewalt, soll er kritisieren, kontrollieren und auf Missstände aufmerksam machen, sodass sich die Bürger eine eigene Meinung bilden können. Doch noch mehr Aufgaben hat der Journalismus inne:

Er soll erziehen, informieren, bilden, wichtige Themen hervorheben, unterhalten, ein Vorbild sein usw. Doch trotz der wichtigen Stellung in unserem Staat haben Journalisten keine Sonderrechte, sondern müssen sich wie jeder andere an das Gesetz halten. Eine der wenigen Gesetze, die den Journalismus schützen sollen, ist die Pressefreiheit. Sie garantiert jedem Journalisten die freie Ausübung ihrer Tätigkeit ohne Zensur und gewährleistet somit die freie Meinungsbildung der Bürger. Jedoch gibt es auch Einschränkungen, wie die Vorschriften der allgemeinen Gesetze, gesetzliche Bestimmungen zum Schutze der Jugend und dem Recht der persönlichen Ehre. Die Pressefreiheit gerät somit immer wieder mit der Freiheit der Person in Konflikt. Auch investigative Journalisten dürfen diese Freiheit jedoch nicht außer Acht lassen und müssen sich an das Verbot vom Abhören, Aufnehmen, Filmen von höchstpersönlichen Lebensbereichen, Ausspähen von Daten, Verletzen von Dienstgeheimnissen und vielem mehr halten.

Eine Ausnahme…

erlaubt Journalisten jedoch geheimnisgeschützte Informationen und Dokumente entgegenzunehmen, auszuwerten und zu veröffentlichen. Die illegale Informationsbeschaffung ist aber nur bei gerechtfertigtem Notstand legal, was bedeutet, wenn nicht anders abwendbare Gefahren für Leben, Leib, Freiheit, Ehre und Eigentum drohen. Selbst wenn es die geeignete Methode ist um die Gefahr abzuwenden, ist es jedoch selten ein rechtsmäßiger Grund.

Unerwünschte Recherche durch investigative Journalisten

Doch investigative Journalisten stoßen auf noch mehr Barrieren, als nur auf das Gesetz, die Ihnen ihre Arbeit erheblich erschweren. In Deutschland kann man oftmals sogar gegen diese Schranken klagen, wodurch in der Vergangenheit vieles schon erkämpft wurde, wie die Nutzung von rechtswidrig beschafften Informationen, wenn das öffentliche Interesse das individuelle Schutzbedürfnis eines Betroffenen überwiegt. Die Barrieren werden oft von der Gegenseite aufgebaut, wenn die Berichterstattung unerwünscht ist. Dies kann mithilfe von Maßnahmen, wie der Androhung von juristischen Gegenmaßnahmen oder einer Mauer des Schweigens, geschehen. Sonst gibt es noch die rechtlichen Schranken, wie oben schon genannt, aber auch Dienst- und Geschäftsgeheimnisse usw., die faktischen Schranken, Zeitmangel bei der Recherche, Suche der Nadel im Heuhaufen etc., und die Wahrnehmungsschranke, selektive Wahrnehmung aufgrund von Stress, Routine, Autoritätsgläubigkeit usw.

Ethisch vertretbar über rechtlich legal?

Trotz der Tatsache, dass Günter Wallraff immer frei gesprochen wurde, sind seine Recherchemethoden oft an der Grenze zum Illegalen. Er selbst argumentierte für sein Handeln in der Verteidigungsrede der BILD-Verhandlung vor dem Frankfurter Schöffengericht am 9.12.1969: „Die Methode, die ich wählte, war geringfügig im Verhältnis zu den rechtsbeugenden Maßnahmen und illegalen Erprobungen, die ich damit aufdeckte.“ Doch kann man Schlechtes mit weniger Schlechtem bekämpfen, solange die Wahrheit ans Licht kommt? Kann man kleine Lügen für große Enthüllungen in Kauf nehmen, wenn dafür die Öffentlichkeit von einem Missstand erfährt? Das muss wohl jeder selbst entscheiden, klar jedoch ist, dass investigative Journalisten sich zwischen illegalem oder legalem Boden oder einer Gratwanderung immer selbst entscheiden müssen.

Quellen:

http://www.derblindefleck.de/die-mangelhafte-risikobereitschaft-der-meinungsmacher-investigativer-journalismus-in-deutschland/

http://www.journalistenkolleg.de/c/document_library/get_file?uuid=152af19e-6f21-469a-b177-080a0ddbe95f&groupId=10157

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Anti-Whistleblower-Gesetz-im-Anmarsch,datenhehlerei102.html

http://www.pornokratie.com/blog/guttenberg-debatte-ueber-die-gesellschaftliche-verantwortung-des-journalismus/

http://gutezitate.com/autor/g%C3%BCnter-wallraff

http://www.guenter-wallraff.com/biographie.html

https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Wallraff

http://www.juristische-ruhr.de/ablage/131128_kurzreferat_investigativer-journalismus.pdf

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