Journalismus im Internet

Journalismus im Internet: Was ist zu beachten und was können wir von Youtubern und Bloggern lernen? Hier folgen die sechs Erfolgskriterien fürs Publizieren und Wachsen im World Wide Web.

Der Markt wandelt sich. Das Internet dominiert den heutigen Alltag. Was heißt das für Journalisten? Diesen Fragen stehen im Fokus der „Transforming Media 2015“ in Nürnberg. Was die Experten raten in sechs kompakten Schritten:

  1. Konzept und Zielgruppe im Internet finden

Am Anfang sollte die Frage stehen: Wen will erreichen? Mit welchen Inhalten und über welchen Kanal erreiche ich diese Personengruppe? Miriam Behmer, Geschäftsführerin von readfy, rät: Günstig und schnell Konzepte testen. Die Effizienz bestimmter Beiträge bei Google Analytics und Facebook unter die Lupe nehmen. Wenn Dinge nicht hinhauen: verwerfen!

Die Vorbereitungs-Phase ist natürlich abhängig davon, was Sie machen wollen. Ein genereller Ratschlag ist, dass man sich eine Nische suchen sollte, in der man authentisch und als Profi einen bestimmten Kreis an Interessenten abgreifen kann.

  1. Persönlichkeit und Reichweite entwickeln

    Auf der Suche nach Tipps und Tricks für Journalismus im Internet: Besucher der Transforming Media Messe 2015

    Journalismus im Internet: Besucher der Transforming Media-Messe 2015 in Nürnberg suchen Antworten

Wer bist Du? Im Web stehen Inhalte nicht zwangsweise im Fokus. Authentisches Schaffen, Offenbaren der eigenen Persönlichkeit und Interaktionen mit Deinem User sind im Internet essenziell. Das erklärt auch den Erfolg von Video-Tagebüchern, oder auch den Austausch von Videomachern und ihren Fans in den Kommentaren. Im Internet kann das Verhältnis von Konsument und Macher extrem intim sein. Auf YouTube hängen Fans an ihren Helden, wie früher Mutti an Harald Schmidt. Ebenso ist es beim Lesen von Blogs. Der Autor wird als Person kennengelernt und muss sich wie eine Marke verkaufen.

Beim Journalismus im Internet ist Interaktion ein entscheidender Faktor, der bei allen vorherigen Medien unmöglich schien – zumindest niemals direkt. Im Internet ist er aber durchaus Wirklichkeit. Auf Twitch beispielsweise, einer erfolgreichsten Plattformen vorzüglich für Live-Gaming, geschieht Kommunikation WÄHREND der Content-Erstellung. So kann es also sein, dass während das Video live übertragen wird, die Fans im Chat Wünsche äußern. Wechselseitigkeit und ein Eingehen auf die Wünsche der eigenen Community sind also wichtig.

  1. Glaubwürdigkeit und Konsistenz

„Die Printpresse und die „kommerziellen Medien“ hätten irgendwann an Authentizität verloren.“ Das hört man auf der Messe in Nürnberg öfter. Und die Glaubwürdigkeit ist ein entscheidender Punkt, der im Internet gefunden wird. Ein YouTuber, der Videos vermeintlich unabhängig in seinem Schlafzimmer dreht, wirkt natürlich authentisch. Das ist enorm wichtig für eine erfolgreiche Vermarkung im Internet. Innovativer, eigener Content mit Ehrlichkeit und einem offensichtlichen Ansprechpartner dahinter.

Konsistenz ist ein weiterer Aspekt von Journalismus im Internet und ein wichtiger Erfolgsfaktor. Regelmäßíg starke Inhalte bringen. Rocket Beans TV-Gründer Arno Heinisch wirbt mit Freitagabend als guten Zeitpunkt zum Füttern des Online-Publikums. Kein Muss, aber egal ob jeden Tag oder jeden Freitag: regelmäßige Frequenz gibt dem User Orientierung. Qualität und Konsistenz sollten sich aber nicht beschneiden. Also lieber jede Woche ein hochwertiger Artikel, als jeden Tag Müll, der niemanden interessiert. Mit Konsistenz ist auch inhaltliche Disziplin gemeint. Bleiben Sie sich und dem, was ihre Zielgruppe möchte, treu.

  1. Journalismus im Internet braucht: eine starke Community

Mit Charakter, klarer Zielgruppen-Vorstellung, funktionierendem Konzept, hochwertigen Inhalten und regelmäßiger Frequenz sollte man sich mit der Zeit eine Gemeinschaft aus Fans schaffen. Diese besteht aus Rezipienten, die bereit sind regelmäßig ihre Inhalte aufzusuchen und zu unterstützen. Die Pflege der Community gehört zum täglich Brot eines Online-Schaffenden. Interagieren, auf Wünsche eingehen und eventuell mit Gewinnspielen, Wettbewerben und Aktionen die Beteiligung der Rezipienten am Geschehen gewährleisten.

  1. Diversifizierung via Plattformen

Dieser Wirtschaftsbegriff steht für die Erschließung neuer Märkte. Im Online-Sinne sollte man sich verschiedenster Medien bedienen und soziale Medien nutzen: Fotos auf Instagram, Videos auf YouTube, Twitter für kurze Texte, Facebook, … „Expandieren und die Präsenz im Internet ausweiten“ ist die Devise. Allerdings, das rät Social Media-Experte der Stadt-Nürnberg Johannes Barthel, sollte man auch nur Plattformen angehen, wenn man sie regelmäßig nutzen will und weiß, wie sie funktionieren. Wenn man sich falsch präsentiert oder beispielsweise auf Facebook eher selten Inhalte erstellt, dann kann sich das auch eher negativ auf das Image auswirken und kontraproduktiv sein.

  1. Monetarisierung im Internet

Wenn eine solide Basis aus Rezipienten ihr Konzept im Web unterstützt: Geld verdienen. Neugründer wie Heinisch (Rocket Beans TV) oder Behmer (CEO von Readfy) auf der „transformingMedia“ berichteten durchwegs positiv über die Kombination zwischen Crowd-Funding und Beta-Testung: Das heißt, dass für eine freiwillige Spende zum Projekt, dem Kunden Probe-Zugang zum Produkt gewährt wird. Somit kann – während der Produkt-Entstehung – bereits Feedback eingeholt und Geld verdient werden. Wünsche des Rezipienten müssen eingearbeitet werden.

Geschaltete Werbung ist eine andere Art der Monetarisierung. Readfy stellt kostenlos Online-Bücher für Nutzer zur Verfügung und lässt auf manchen Seiten des Artikels Werbung schalten. Viele YouTuber bedienen sich eigener Fan-Shops und verdienen mit Merchandise. Sponsoring und Partnering mit Unternehmen sind sicher auch interessant – aber erst ab einem bestimmten Erfolgsniveau verwirklichbar.

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