Journalismus Praktikum: Bezahlung oft schlecht

Ein Journalismus Praktikum gehört für angehende Journalisten zum Pflichtprogramm, wollen sie die Karriereleiter hinaufklettern – blöd nur, dass viele Medienbetriebe ihre Praktikanten trotz Vollzeitwoche nicht bezahlen wollen. Längst hat sich diese Form der Ausbeutung etabliert.

Praxiserfahrung sammeln durch ein Journalismus Praktikum ist wichtig für angehende Journalisten Praxiserfahrung sammeln durch ein Journalismus Praktikum ist wichtig für angehende Journalisten

Durchstarten in der Medienbranche? Ohne Praxisnachweise in der eigenen Vita ist das heute kaum möglich. Die „Generation Praktikum“ hat es nicht leicht – vor allem in der hart umkämpften Medienwelt. Redaktionen von Verlagen und Rundfunkanstalten legen bei Praktikabewerbungen großen Wert auf Praxiserfahrung. Kein Wunder also, dass ein Journalismus Praktikum für angehende Journalisten Gold Wert ist.

Um das Wunschpraktikum zu bekommen, sind zunächst aber einige Hürden zu überwinden. Der Praktikumsmarkt ist umkämpft. Auf eine freie Praktikumsstelle kommen meist zig Interessenten. Vor allem die „Großen“ im Geschäft werden von Bewerbern nahezu überschwemmt. Einige Zeitungshäuser und Sender machen sich dieses Überangebot zunutze. Die Aussicht auf unzählige Bewerber, die bereit sind, für ihr „Traumpraktikum“ große Kompromisse einzugehen, lässt sie harte Anforderungen und Bedingungen an Bewerber stellen – zum Beispiel in puncto Vergütung. Gerade bei öffentlich-rechtlichen Medien ist es Usus, Praktikanten nicht nur schlecht, sondern gar nicht zu bezahlen. Was soll das eigentlich?

Ein Praktikant ist dem ZDF 77 Cent pro Tag wert

Ein Journalismus Praktikum in Medienbetrieben bleibt oft schlecht oder unbezahlt

Ein Journalismus Praktikum in Medienbetrieben bleibt oft schlecht oder unbezahlt. Foto: Tekke (CC BY-ND 2.0)

Wer einen begehrten Praktikumsplatz erhalten hat, arbeitet in der Regel Vollzeit und hat oft auch eine Menge Verantwortung. Entlohnenswert finden das aber nur die wenigsten Medienhäuser. Ein prominentes Negativbeispiel ist das ZDF: Dessen Praktikanten arbeiten 40 Stunden die Woche – und verdienen nichts. Der gnädige Fernsehsender bezuschusst als Anerkennung für ihre Arbeit immerhin das Mittagessen in der eigenen Kantine – mit 77 Cent pro Tag. Das entspricht dem Zeilenhonorar für genau eine Textzeile für freie Journalisten bei einer gewöhnlichen Tageszeitung.


Was moralisch zutiefst fragwürdig ist, ist rechtlich zulässig. Auch das Mindestlohngesetz hat an der gängigen Praxis für die meisten Praktikanten nichts geändert. Dieses greift nämlich erst ab einer Praktikumsdauer von über drei Monaten, bei Pflichtpraktika überhaupt nicht. Aus Unternehmersicht mag es da durchaus verständlich sein, die Praktikumsstellen im eigenen Betrieb alle drei Monate neu zu besetzen. Bewerber gibt es ja ohnehin genügend. Aber Ausbeutung ist es trotzdem.

Journalismus Praktikum als Kostenfalle

Dabei sind Praktikanten viel mehr als nur billige Arbeitskräfte, die Kaffee kochen können. Sie bringen neue Ideen, Schwung und Idealismus in verstaubte Redaktionsabläufe. Vor allem aber haben auch sie ein Recht auf Anerkennung ihrer Leistung. Es ist schlicht unfair, wenn ein Praktikant für die gleiche oder ähnliche Arbeit wie ein Festangestellter nichts oder so wenig Geld bekommt, dass er seine Kosten für das Journalismus Praktikum nicht einmal decken kann. Praktikanten müssen immer öfter sogar selbst draufzahlen und manche können sich drei Monate Praktikum in einer fremden Stadt mit allen dazugehörigen Kosten nicht leisten.

Es ist höchste Zeit, dass Praktikanten im Mediengeschäft gerechter behandelt werden. Dazu zählt das Verbot von unbezahlten Praktika genauso wie das Schaffen von Chancengleichheit im Bewerbungsverfahren. Momentan profitieren vor allem die finanziell Unabhängigen von der mangelhaften Zahlungsmoral der Unternehmer. Manches Talent bleibt dabei auf der Strecke, was sich zuletzt auch auf die Qualität des Journalismus auswirken. Für die stolzen deutschen Medien ist das ein Armutszeugnis.

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