Klaus Kauker: Erfolgreich im Web

Klaus Kauker: Der Grimme Online Award und Webvideo-Preisträger sieht das Internet als eine der größten Chancen des 21. Jahrhunderts. Jeder kann sich dort kostenlos einem Millionen-Publikum vorstellen. Doch wie authentisch ist die Selbstdarstellung im Web, und ab wann droht der Shitstorm?

Klaus Kauker: Erfolgreich im Web und wie's geht auf medienfrage.de

Der Grimme Online Award und Webvideo-Preisträger Klaus Kauker begann seine Karriere im Internet auf YouTube im Jahr 2008. Heute arbeitet er bei KIKA Live als Moderator, produziert Musik für YouTube-Größen wie Y-Titty und schreibt Album-Kritiken. Er eröffnete mit „musikTraining“ einen Kanal mit bis dato im deutschsprachigen Raum einzigartiger Idee: In Videos erklärt er Musik-Theorie für Laien und Fortgeschrittene. Er verdeutlicht die Akkordfolgen mit Diagrammen, zeigt die Abstände von Noten auf der Klaviatur und gibt Tipps aus der Praxis eines Musikstudenten. Aus trockenem Bücherwälzen wird für viele Zuschauer mit Kauker eine unterhaltsame Reise in die Welt der Musik. Ab und an zerlegt er auch Pop-Songs, erklärt warum manche Melodien zu Welthits werden, oder lichtet Plagiatsvorwürfe, wenn sie wieder einmal in den Medien kursieren.

Kaukers Konzept kommt an

„Musiktheorie steht vor allem in Büchern. Selten gibt es sie vielleicht in DVD-Form. Ich habe das eben ins Bewegtbild übertragen.“ Unterhaltungswert und Kaukers persönliche Wirkung sind beim Erfolg eines Kanals nicht zu vernachlässigen: Kauker verdiente sich über die Jahre eine solide Basis an Fans, die seine Schritte im Web auf verschiedenen Plattformen verfolgen. Heute sieht sich der Folkwang-Absolvent ungern in einer Schublade. „Authentizität entsteht bei YouTube eben auch vor allem, weil der Videomacher die Inhalte selbst erstellt und auch repräsentiert. Es gibt keine Trennung wie im Fernsehen, wo Redakteur und Moderator getrennt sind.“ Das Publizieren im Web sei auf diese Weise aber auch höchstpersönlich und „eine Frage der Aufrichtigkeit“. Für die veröffentlichten Inhalte bekenne man sich mit Angesicht und Namen – nicht als Teil eines großen Konzerns.

Erfolgreich im Web: Klaus Kauker

Flexibilität und Nutzerorientierung

„Zu strenge Konzepte anfangs würde ich jedoch am Anfang nicht empfehlen. Wenn es nicht klappt, dann hat man keine Alternativen mehr“, berichtet Kauker über seine ersten Videos im Internet. „Ein wechselseitiger Prozess ist von Vorteil: Schau, was dein Publikum möchte und worauf es anspricht. Meine Theorie ist ganz stark: YouTube-Formate sind erfolgreich, weil sie die Zuschauer mitgestalten lassen.“ Die Unterhaltungsdimension im Internet spiele immer eine zentrale Rolle. Seine alten Videos von 2009 sieht er heute kritisch: „Da tut sich so viel. Allein aus pragmatischen Gründen wie Video-Qualität ist heute der Standard viel höher. Auch die nötige Informationsdichte und der Unterhaltungsfaktor werden anspruchsvoller.“

Auch die Frequenz, in der Inhalte erscheinen, steigere sich. „Quantität vor Qualität ist ein Phänomen, das gerade auf YouTube um sich greift. Das hängt sicher auch mit den technischen Möglichkeiten zusammen, beispielsweise Handys die heute HD filmen oder live senden können.“

Klaus Kauker sieht einzigartiges Potenzial

Die Social Media-Präsenz und das Internet sind für Kauker die einzige Chance, die unsere Eltern und Großeltern vielleicht nicht hatten, auf sich aufmerksam zu machen. „Ich bin überrascht, dass vergleichsweise Wenige das Potenzial nutzen. Sobald ich irgendetwas mache, oder publiziere, will ich doch auch, dass meine Stimme gehört wird.“ Hier greift die Fanbase und auch bei Crowdfunding-Projekten braucht es ihre Unterstützung. „Die Chancen, die unser Jahrhundert bietet, sollte man ergreifen!“ Am Anfang sei es schwierig, mit den Automatismen des Web umzugehen. Inhalte werden direkt vom Nutzer bewertet – ob Shitstorm oder Lobgesang. Dennoch zahlen sich die Mühen für Kauker aus: „Ich habe inzwischen eine Fanbase, die mein Handeln auf verschiedenen Plattformen mitverfolgen – auch neue Konzepte. Das wünscht sich doch jeder Medienschöpfer: dass die Nachricht gehört wird.“

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*