„König“ oder „Könich“? – Ausspracheregeln im Hörfunk

Wer mit den wichtigsten Ausspracheregeln der deutschen Sprache nicht vertraut ist, kann einen Job im Hörfunk- oder Sprechergeschäft schnell wieder vergessen. Wie spreche ich beispielsweise das Wort "König" aus? Wir haben für euch die wichtigsten Regelungen zusammengefasst, die man hinter dem Mikrofon beherrschen sollte.

ausspracheregeln Vor dem Mikrofon gibt es einige Ausspracheregeln zu beachten. (Quelle: www.pixabay.com)

Einen Text einsprechen? Kann doch jeder! – Diese Einstellung vertreten eventuell viele junge Medieninteressierte und schwingen sich sofort motiviert hinters Mikrofon. Doch das ist gar nicht so einfach, wie man vielleicht denkt. Denn ohne die folgenden grundsätzlichen Ausspracheregeln wird man es im Hörfunk oder in ähnlichen Berufsfeldern nicht besonders weit bringen.

Unter jeder Regel findet ihr ein Audiobeispiel, das euch nocheinmal zeigt, wie sich das Ganze in Realität anhört.

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Vor dem Mikrofon gibt es einige Ausspracheregeln zu beachten. (Quelle: www.pixabay.com)

 

 

Das IG – Die „Könichs-Disziplin“ der Ausspracheregeln

Das IG ist zweifelsohne die bekannteste aller Ausspracheregeln. Heißt es „König“ oder „Könich“? „Lustig“ oder „Lustich“? Die Antwort ist simpel. Grundsätzlich wird ein IG, das in der Mitte oder am Ende eines Wortes steht, immer als ICH gesprochen. Allerdings gibt es zwei kleine Ausnahmen.

  • IG vor einem Vokal –> In diesem Fall spricht man es ganz regulär als IG aus.
  • IG + L/R –> Steht ein L oder ein R hinter dem IG, wird letzteres zu einem IK

Beispielsatz: Der König und die Königin, zwei Mitglieder des Königshauses, reiten auf königlichen Pferden durch das Königreich.

 

 

Das CH – Chemie, Kemie oder Schemie?

Steht ein CH am Wortbeginn, wird es in der deutschen Sprache so gut wie immer als K gesprochen: Christus, Christkind, Chamäleon,…

 

Steht es an einer anderen Stelle im Wort, bleibt es fast ausschließlich das gewohnte CH: nachsehen, Bach, kochen,…

 

Ausnahmen gibt es aber auch hier.

Es gibt drei Wörter in der deutschen Sprache, bei denen auch das CH am Anfang als ganz normales CH gesprochen wird: Chemie, China und Chirurg.

 

Auch bei Wörtern ausländischer Herkunft kann sich die Aussprache des CH am Wortbeginn ändern: Chef, Cha-cha-cha, Chance,…

 

Bei den Wörtern „höchstens“ oder „nächstens“ wird das CHST in der Wortmitte so gesprochen, wie man es schreibt. „Hökstens“ wäre also falsch.

 

Das S – Stimmhaft oder scharf

Steht das S am Wortanfang, so ist seine Aussprache von der Herkunft des Wortes abhängig. Ein deutsches Wort beginnt mit einem stimmhaften S: Sonne, summen, Sorgen,…

 

Ein ausländisches Wort beginnt mit scharfem S: Soße, Sex,…

 

Steht das S zwischen zwei Vokalen, wird es summend ausgesprochen: Esel, Hase, Fasan,…

 

Nur beim Doppel-S zwischen zwei Vokalen wird es scharf: Wasser, Essen,…

 

Stimmhaft ist das S auch zwischen den Konsonanten m, n, ng, l, und r und einem Vokal: Samson, Transit, Sprengsatz, Helsinki, Korsett,…

 

Ansonsten bleibt das S scharf, auch am Wortende: Küste, Glas, Westen,…

 

Immer scharf ist die Aussprache natürlich beim nicht umsonst so genannten scharfen S (ß) und beim Doppel-S (siehe weiter oben bei „Wasser“ und „Essen“).

Steht ein ST am Wortanfang, so wird dieses immer zu einem SCHT: stehen, Steuern, Stier, Stop,…

 

 

Das R – Mal deutlich, mal verschluckt

Steht ein R zwischen einem Vokal und einem Konsonant, ist es leicht zu hören: Horn, hart, Horst,…

 

Wird ein R innerhalb eines Wortes von einem CH gefolgt, ähnelt die Aussprache des RCH der von ICH: durch, horchen, Storch,…

 

Die Endsilbe REN wird deutlich gesprochen und nicht verschluckt: hören, Bären, fahren,…

 

Das R nach einem langen E (oder EH) ist so gut wie nicht zu hören: Speer, sehr, Umkehr,…

 

Wörter, bei denen ein R zwischen zwei Vokalen steht, haben meist eine R-Bindung: voraus, sparen, Koran,…

 

Die Ausnahmen bzw. die Wörter ohne R-Bindung sind die folgenden: Verein, Erinnerung, überall, Vereinsamen, veranschaulichen

 

 

Diese Regeln müssen in den alltäglichen Gebrauch einfließen, sonst wird sich die eigene Aussprache nie ändern. Diese Regeln auswendig zu lernen, um sie nur dann einzusetzen, wenn der Beruf es verlangt, wird nicht funktionieren. Stattdessen: üben, üben, üben – bis es in der täglichen Aussprache fest verwurzelt ist. Die hier aufgelisteten Grundregeln allein machen zwar noch keinen Profi-Sprecher, sind aber ein gutes Fundament, auf dem man weiter bauen kann.

Aaron Tanzmann, Gruppe A

 

 

 

Quellen:

Vorlesung „Sprecherziehung“ von Florian Stürzenhofecker (HS Ansbach)

https://pixabay.com/de/studio-musik-mischpult-audio-1003136/

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