Line Producer- die Arbeit am Filmset

Line Producer ? Was ist das denn? Den wenigsten Menschen sagt dieser Begriff etwas. Der ein oder andere hat ihn höchstens mal beim Abspann eines Films entdeckt. Und dennoch gehört er zu den wichtigsten Berufen am Filmset. Doch was sind eigentlich die Aufgaben eines Line Producers und wie kommt man überhaupt zum Film?

Die Filmcrew beim Dreh

Line Producer – die Aufgaben

Der Line Producer – oder auch Herstellungsleiter – ist für einen Film das, was ein Controller für ein Unternehmen ist. Er ist von Anfang an dabei, also sobald eine Produktionsfirma ein Drehbuch verfilmen will. Die erste Aufgabe ist immer eine ungefähre Kalkulation. Anhand dieser Kalkulation kann, oder muss, er dann Förderungen beantragen, sowie die Head of Departments (z.B. Kameramann, Art-Director, Kostümbild, Maske) vorschlagen oder aussuchen. Darüber hinaus muss ein Herstellungsleiter sehr genau wissen, was zum Beispiel ein Drehtag, eine Überstunde oder ein Kamerahubschrauberflug kostet.
Sobald der Dreh beginnt, überwacht der Line Producer den Ablauf des Drehs, zum Beispiel die Einhaltung des Drehplans. Seine Hauptaufgabe besteht darin, regelmäßig die Kostenstände zu überprüfe, um zu sehen, ob eventuell gespart werden muss oder noch genügend Budget zur Verfügung steht. In den Kostenstand müssen also fast täglich Ausgaben wie Tank- Hotel- oder Reiserechnungen eingetragen werden.
Der Line Producer ist also die finanzielle Verbindung zwischen den Produzenten und der Filmcrew.

Werdegang – der Weg ist das Ziel

Prinzipiell gibt es keinen festen Weg, um Herstellungsleiter zu werden. Es gibt kein fachspezifisches Studium oder eine gesetzlich anerkannte Ausbildung. Eine gute Grundlage bietet ein Studium in der Richtung Filmproduktion oder ein wirtschaftswissenschaftliches Studium, da der Line Producer viel mit Kostenprozessen und Budgetplanung zu tun hat. Grundsätzlich steigt man beim Film aber nicht gleich als Herstellungsleiter ein. Die Devise lautet hier Hocharbeiten und auf dem Weg lernen. Durch Praktika und die Arbeit als Setrunner oder Produktionsassistent gewinnt man an Erfahrung und kann wichtige Kontakte knüpfen.

Line Producer am Set

Am Filmset in Tschechien

Ein Tag am Filmset

Wie sieht eigentlich der typische Alltag an einem Filmset aus? Die Set-Aufnahmeleitung sind die ersten Personen, die morgens kommen und die letzten die abends gehen. Je nachdem, ob am Motiv schon gedreht wurde, bestehen die Aufgaben morgens aus Crew-Aufenthaltsort vorbereiten und die Peripherie am Set aufstellen – also Stühle für den Cast bereitstellen, Getränke vorbereiten und die Video-Combo platzieren. Sobald die Crew am Set ist, werden die Technik-LKWs eingewiesen, das Catering wird vorbereitet und die Cast-Trailer werden ans Strom- und Wassernetz angeschlossen. Ist der Dreh dann in vollem Gange, ist die Hauptaufgabe am Set für Ruhe und Ordnung zu sorgen, Informationen von der Regie ans Team weiterzugeben und kleinere oder größere Aufgaben für Regie oder Schauspieler zu übernehmen. Das geht von Wasser und Essen holen bis zu Flügen buchen oder andere Dinge organisieren.

Verdienst

Der Glaube, dass man beim Film reich wird, ist noch immer weit verbreitet. Als Herstellungsleiter in Deutschland kann man auch problemlos leben. Wochenverdienste fangen bei ca. 1000€ an. Als Runner in der Aufnahmeleitung wird es da schon schwieriger seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Meistens wird hier nur Mindestlohn (8,50€/Stunde) mit wenigen Überstunden gezahlt. „Beim Film wird man garantiert nicht reich“, meint der Setrunner Friedrich Lehmann. *

Nicht alles Gold, was glänzt

Für Außenstehende scheint die Filmwelt immer ein wenig unerreichbar und von einer faszinierenden Aura umgeben zu sein. Doch in der Realität fehlt am Filmset jeglicher Glamour. Die Tage am Set sind lang, man ist oft weit weg von zu Hause und der Familie und die Arbeit ist körperlich sehr anstrengend. Auch mit den Schauspielern kann es da schon mal zu kleineren Problemen kommen. Laut Lehmann gebe es immer wieder Darsteller, die meinen, sie seien die Größten. Doch damit müsse man umzugehen lernen und versuchen, ihnen trotz ihrer Allüren die Wünsche, die sie haben, zu erfüllen. Problematisch wird es immer dann, wenn sich Schauspieler in Bereiche einmischen, für die sie nicht zuständig sind. So passiert es beispielweise immer wieder, dass Regieanweisungen in Frage gestellt werden, was wiederum den gesamten Dreh verlangsamt. „Filmsets sind ein Mikrokosmos, den Außenstehende nicht verstehen können. Man tut sich alles, was passiert freiwillig an, auch wenn es manchmal nicht lustig ist, weil am Ende immer ein Ergebnis steht, ein fertiger Film, an dem man mitgearbeitet hat“, berichtet Lehmann.

Wer jetzt noch mehr über die Arbeit eines Line Producers erfahren möchte, der kann sich das folgende Video ansehen und ein Interview mit Larry Franco durchlesen.

Quellen: Interview mit Friedrich Lehmann*, medienwiki.org, Hamburger Abendblatt, YouTube

*Name von der Redaktion geändert

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