Meldung, Bericht, Reportage – Journalistisch texten

Meldung, Bericht, Reportage. Unterschiedliche Textformen gehören zum Handwerk eines jeden schreibenden Journalisten. Doch was genau ist ein Kommentar? Wie schreibe ich ein Interview und was kennzeichnet ein gutes Portrait? Die wichtigsten Darstellungsformen gibt es hier im Überblick.

Meldung, Bericht, Reportage - Journalistisch texten

von Nicolas Bettinger

Die Meldung

Die Meldung gehört zu den elementaren Texten im Journalismus. Sie soll in kurzer Form das Wesentliche eines Ereignisses wiedergeben. Der Verfasser kann sich an den wichtigsten W-Fragen orientieren: Wer, was, wann, wo, wie, warum und woher stammt die Information? Die Meldung zeichnet sich durch Sachlichkeit aus und behandelt nur das Nötigste, verzichtet also auf tiefgründige Hintergrundauskünfte.
Der erste Satz (Beispiel: „Trainer Jürgen Klopp verlässt Borussia Dortmund am Saisonende.“) sollte möglichst im Präsens formuliert sein und bereits das Wichtigste erfassen. Im nächsten Satz (ab hier Imperfekt) folgen weitere Informationen und die Nennung der Quelle („Das verkündete BVB-Geschäftsführer Watzke am Abend bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.“). Anschließend folgt mindestens ein Satz mit Hintergrundinformationen, der das Ereignis in einen größeren Zusammenhang einordnet („Klopp hatte den Revier-Club knapp acht Jahre lang trainiert…“). Zum Schluss bietet sich eine Art Zukunftsaussicht an („Medienberichten zufolge könnte er bereits zur kommenden Saison zu einem neuen Verein wechseln.“).

Der Bericht

Der Bericht ähnelt in Sachlichkeit und Gestaltung der Meldung. Er ist die ausführlichere Form und liefert mehr Details als sein „kleiner Bruder“. Inhaltlich beschäftigt sich der Bericht mit den W-Fragen (wer, was, wann, wo, wie, warum, woher?). Den Leser über einen längeren Text hin zu binden, stellt hier eine größere Herausforderung dar.
Zu Beginn liefert der Leadsatz die wichtigsten Informationen zum Ereignis. Er nennt die Quelle und könnte selbst eine eigenständige Meldung darstellen. Nun folgen Detailinformationen. Anders als in einer Meldung werden diese in ausführlichen Absätzen formuliert. Sie müssen nicht sachlich geschrieben werden, sondern können durchaus atmosphärische Elemente und szenische Beschreibungen enthalten. Auch Zitate lockern einen Text auf. Um den Text professionell abzuschließen, greifen viele Journalisten auf die „Sandwich“-Technik zurück. Hierbei schafft der Autor am Schluss des Berichts einen Bezug zum Thema, welches am Anfang genannt wurde.

Die Reportage

Bei der Reportage geht es nicht nur darum, Fakten in Nachrichtenform abzuliefern. Die Kunst der Reportage liegt darin, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen, Gefühle zu wecken und Zusammenhänge verständlich zu machen. Die Reportage erzeugt „Kino im Kopf“. Der Text schildert persönliche und subjektive Eindrücke des Reporters, die er mit objektiven Quellen ergänzen sollte. Die Reportage erzählt eine zeitlich und räumlich begrenzte Geschichte. Der Autor sollte seine Erlebnisse so lebendig beschreiben, dass sich der Leser mitten im Geschehen wähnt. Atmosphärische Elemente und informative Textstellen liefern den Mehrwert für Leser. Für einen gelungenen Text sind interessante Protagonisten und spannende Ereignisse hilfreich. Der Reporter kann dafür beispielsweise einen Polizisten auf Streife oder eine Streetworkerin im Einsatz begleiten.
Ob Meldung, Bericht, Reportage. Letztlich geht es darum, den Leser an den Text zu binden.

Das Portrait

Beim Portrait beschreibt der Autor eine Person nicht nur nach Äußerlichkeiten, sondern vor allem nach dessen Motiven, Lebensgeschichten und Charakterzügen. Dadurch soll sich der Leser ein eigenes Bild des beschriebenen Menschen machen können. Neben personenbezogenen Daten, sollen vor allem szenische Elemente und Zitate den Text lebendig machen. Dabei sollte sich der Journalist mit dem Porträtierten an den für ihn bedeutenden Schauplätzen treffen. Dies könnte für einen Politiker beispielsweise sein Büro oder der Bundestag sein. Ergänzend kann der Autor Meinungen und Zitate von Angehörigen oder Kollegen einholen. Ein Portrait beschreibt häufig die vollständige Biografie einer Person, setzt diese aber anhand eines aktuellen Ereignisses um. Dazu eignen sich interessante Aufhänger wie Wahlen (Beispiel Politiker) oder Preisverleihungen (Beispiel Schauspielerin).

Der Kommentar

Im Gegensatz zu sachlich und objektiven Textformen wie Meldung oder Bericht, ist der Kommentar durch die persönliche Meinung und Wertung des Journalisten gekennzeichnet. Der Text drückt dabei die subjektive Auffassung eines aktuellen Ereignisses oder Sachverhaltes aus.
Zu Beginn reißt der Autor alle relevanten Informationen an und sorgt mit der Beantwortung der W-Fragen für eine mögliche Einordnung. Anschließend schildert er seine Meinung und begründet diese argumentativ. Kommentare wirken häufig provokant und enthalten Stilmittel wie Ironie und Sarkasmus. Obgleich ein Kommentar auf Unverständnis stoßen kann, hilft er dem Leser eine Position bezüglich einer beliebigen Thematik einzunehmen.

Die Glosse

Die Glosse gehört zu den extravaganten Textformen und lässt sich nicht nach Rezept wie bei Meldung, Bericht, Reportage abarbeiten. In Aufbau und Inhalt ähnelt sie dem Kommentar, hat bewertenden Charakter und behandelt meist Trends und gesellschaftliche Entwicklungen auf satirische Weise. Die Kritik an Themen ist in der Regel in witzige, originelle und überspitzte Formulierungen gepackt. Eine Glosse hat einen ernsten Hintergedanken, mit dem sie den Leser auf Missstände aufmerksam machen soll. Die lebendige, mit Metaphern und Hyperbeln gespickte Sprache sorgt dabei für Unterhaltung und Verständnis. Die kurze Textform erscheint in Zeitungen, Zeitschriften und in Online-Formaten.

Das Interview

Das Interview gehört zu den beliebtesten Textformen. Es bietet eine Abwechslung zu den gängigen Arten wie Meldung, Bericht, Reportage und schildert meist Zweiergespräche zwischen Journalisten und Befragten. Häufig sind Interviewpartner Experten auf einem Themengebiet (Beispiel: Arzt spricht über Gefahren von Ebola). Aber auch Gespräche mit Prominenten zu ihrem Privatleben wecken Interesse bei Lesern.
Was sich wie ein spontanes Gespräch liest, ist meist ein sorgfältig vorbereitetes Interview. Der Journalist muss die richtigen Fragen stellen um an interessante Informationen zu gelangen. Beim Schreiben hat er dann die Freiheit, die Antworten zu glätten. Da kaum ein Befragter druckfertig sprechen kann, bearbeitet der Autor im Nachhinein dessen Aussagen und bringt sie in eine sprachlich angemessene Form.

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