Mit BWL Journalist werden

Mit BWL Journalist werden - die Einen träumen davon, für die ist das Anderen eine Horrorvorstellung. Fakt ist: Betriebswirtschaftliche Kenntnisse gewinnen im Journalismus zunehmend an Bedeutung. Vor allem für Berufseinsteiger ist unternehmerisches Know-How wichtig, um im umkämpften Mediengeschäft bestehen zu können. Sollte BWL in der Ausbildung angehender Journalisten eine größere Rolle spielen?

Mit BWL Journalist werden Müssen Journalisten in Zukunft BWL-Bücher wälzen?

Die Zeiten, in denen Verlage Redakteure mit gut dotierten Verträgen ausgestattet haben, sind Geschichte. Sparmaßnahmen der großen Medienkonzerne zwingen immer mehr Journalisten zur Freiberuflichkeit. Für viele bedeutet das: Inhalte produzieren, die nachgefragt sind, und sich gleichzeitig gegen die große Konkurrenz am Markt behaupten.

Entwicklung am Arbeitsmarkt zwingt Journalisten zum Umdenken

Zuletzt sorgten Institutionen des deutschen Qualitätsjournalismus für Schlagzeilen: Der Tagesspiegel verhängte jüngst einen Auftragsstopp an seine freien Mitarbeiter. National Geographic baut 180 Stellen ab. Angeblich plant auch der Spiegel, im kommenden Jahr 200 Stellen zu streichen, moniert der Deutsche Journalisten-Verband (DJV).

Mit BWL Journalist werden

BWL wird für Journalisten immer wichtiger

Wer angesichts dieser Entwicklung in der Medienbranche auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein möchte, muss mehr beherrschen als das journalistische Handwerk. Um als Freiberufler mit Journalismus seinen Lebensunterhalt zu verdienen, braucht es organisatorisches, aber vor allem marktwirtschaftliches Verständnis. Wer ein Start-Up gründen will, muss wissen, wie ein Business-Plan auszusehen hat. Kann man heute nur noch mit BWL Journalist werden? Das Mantra der klassischen Journalistenausbildung in Deutschland lautet jedenfalls noch immer: Recherche statt Rechnen. Ist es Zeit für ein Umdenken?

Mit BWL Journalist werden – neues Fach in der Ausbildung?

Unbedingt“, meint Jana Lavrov, Vorsitzende des Bundesfachausschuss junge Journalisten im DJV. „Journalisten sollten in der Lage sein, mit Zahlen umzugehen, sie zu verstehen und zu interpretieren.“ Die journalistische Ausbildung bereite nicht ausreichend auf die Freiberuflichkeit vor, räumt sie ein. Angesichts der zunehmenden Zahl an Freiberuflern müsse die Ausbildung dies stärker berücksichtigen als bisher.

Lavrov fordert deshalb Pflichtveranstaltungen zu den Themen Selbstständigkeit und Management in den Lehrplänen von Journalistenschulen, Studiengängen und bei Volontariaten. „Der Beruf des Journalisten hat sich deutlich erweitert. Darauf muss auch die Ausbildung Rücksicht nehmen.“ Wer sich trotz fehlenden Fachwissens selbstständig machen möchte, kann sich vom jeweiligen DJV-Landesverband persönlich beraten lassen oder an Workshops teilnehmen.

Der Rechenschieber neben dem Notizbuch – eine Vorstellung, an die sich künftige Journalisten gewöhnen müssen? Wahrscheinlich. Vor BWL in der Ausbildung sollten Nachwuchsjournalisten jedenfalls keine Scheu zeigen. Eine wirtschaftliche Grundausbildung würde Medienschaffenden helfen, im umkämpften Mediengeschäft noch besser Fuß fassen zu können.

Titelbild: Cliff Buschhart (CC BY-ND 2.0) // https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/

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