Nachrichtensprecherin werden: Lüttich im Gespräch

Heike Lüttich (50) ist Nachrichtenredakteurin und Nachrichtensprecherin beim Südwestdeutschen Rundfunk. Außerdem moderierte sie 19 Jahre lang das SWR4 Wunschkonzert und wurde 2006 für einen Hörfunkbeitrag über das Leben in denkmalgeschützten Gebäuden mit dem Journalistenpreis des Deutschen Nationalkomietees geehrt.

Nachrichtensprecherin Heike Lüttich Nachrichtensprecherin Heike Lüttich

Hochschule Ansbach: Wie sind Sie zum Hörfunk gekommen?

Heike Lüttich: Ich bin ohne das Fernsehen aufgewachsen, deshalb war Radio für mich schon immer das Medium schlechthin. Ich habe mit fünf Jahren schon gewusst: Ich möchte zum Radio. Mit zehn Jahren habe ich dann an die Personalabteilung des SWR geschrieben und gefragt was ich tun muss, um Nachrichtensprecherin zu werden. Mit 16 habe ich mich um eine Mikrofonprobe beworben, weil meine größte Angst war, dass meine Stimme sich nicht eignet, denn die ist nunmal das A und O im Hörfunk. Diese Angst wurde mir dann aber genommen, meine Stimme war zwar noch etwas kindlich, aber „passte“ ansonsten. Nach meinem Abitur habe ich an einer Journalistenschule in der Schweiz studiert und meinen Diplomjournalisten gemacht. Und dann wurde ich nach einem sechswöchigen Praktikum in Freiburg beim SWR übernommen.
Irgendwann kam ein Hilferuf aus Stuttgart, dort habe ich dann ein halbjähriges Volontariat gemacht und bin danach nach Heilbronn, wo ich 25 Jahre lang gearbeitet habe. Und jetzt bin ich seit zwei Jahren 
in Stuttgart.

Sie sind nicht nur Nachrichtensprecherin, sondern auch Reporterin. Was war das größte Ereignis für Sie als Reporterin?

Das Größte und gleichzeitig Dramatischste war das Zugunglück in Schrozberg 2003. Dort sind zwei Züge zusammengestoßen und es gab fünf Tote. Und ich war damals mit einem Kollegen Vor-Ort. Sowas interessiert natürlich auch über die Grenzen hinaus und wir haben den ganzen Tag quer durch die ARD telefoniert und unsere Berichte abgesetzt.

Was gefällt Ihnen so gut an Ihrem Beruf?

Alles. Ich mache diesen Beruf jetzt seit fast dreißig Jahren und merke immer noch: Ich habe meinen Traumberuf. Er hat einfach unglaublich viele Facetten. Meine Arbeit jetzt in Stuttgart unterscheidet sich total von dem, was ich vorher gemacht habe. Klar, es ist auch anstrengend, wenn man sieben-Stunden-Schichten hat, in denen du permanent auf den Bildschirm starrst und versuchst blitzschnell die Informationen aus den 4000 Agenturmeldungen zu verdauen. Aber trotzdem ist es immer noch der Beruf für mich – und das finde ich großartig.

Hören Sie in Ihrer Freizeit auch Nachrichten?

Ich fange mit der frühsten Schicht morgens um 04.15 Uhr an und die späteste Schicht endet um  Mitternacht. Also kommt es immer darauf an, wann ich arbeite. Wenn ich die frühste Schicht habe, dann schaue ich, dass ich direkt nach der Tagesschau ins Bett marschiere. Dann habe ich da noch mal meine Zusammenfassung und dann reicht mir das auch. Wenn ich später anfange, dann habe ich natürlich Zeit und dann schaue ich, dass ich zumindest ein Mal die Nachrichten gehört habe, bevor ich zum Funkhaus komme. Ich bin kein Nachrichtenjunkie, aber ich kenne Kollegen, die machen das wirklich exzessiv. Ich kann wunderbar auch mal stundenlang kein Radio hören, vor allem wenn ich Urlaub habe. Dann genieße ich das, mich mal nicht permanent mit dem Weltgeschehen auseinandersetzen zu müssen. 

Welchen Tipp haben Sie für junge Radiomacher?

Du musst immer daran denken: Du bist dafür da, subjektiv Nachrichten abzubilden. Du bist nicht dafür da, Deine Meinung zu verkünden. Wie auch immer Du eingestellt bist, es darf in deinem Bericht keinen Niederschlag finden. Ich weiß, es gibt keine Objektivität, aber man muss versuchen, sachlich zu bleiben. Außerdem sollte man offen sein für alles, auch für Themen die einen privat gar nicht interessieren. Man sollte sich aber grob für alles interessieren was in der Weltgeschichte passiert und eine breite Allgemeinbildung haben, das ist ganz wichtig. Und natürlich akzentfreies und lupenreines Hochdeutsch sprechen.

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