Schnell gegen langsam: Fast- vs. Slow-Journalismus

Unsere Welt ist schnelllebig, jeden Tag gibt es neue Trends und der Journalismus muss mithalten. Dennoch gibt es einige wenige Journalisten, die sich dem entgegensetzen und den sogenannten Slow-Journalismus betreiben.

Slow vs. fast - für was willst Du stehen? Slow vs. fast - für was willst Du stehen?

Recherche – eine Last oder das Highlight?

„Eine Reportage ist die Königsdisziplin der journalistischen Darstellung. Die Recherche ist das Sahnestück der journalistischen Arbeit.“, sagt Ralf Reichert, Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. In der Recherche kann und soll der Journalist seine Wächterfunktion voll ausleben. Hier wird der Redakteur zum detektivischen Dienstleister der Bürger und zum kritischen Korrektiv einer aufgeklärten, freiheitlichen Zivilgesellschaft. Den „Mächtigen“ auf die Finger schauen, aber auch das vermeintlich „Gute“ immer wieder infrage zu stellen. In diesem Raum spielt sich gute Recherche ab. So, oder so ähnlich sollte es zumindest sein. Leider ist es eine unbestreitbare Tatsache, dass, vor allem im Bereich des Onlinejournalismus, immer weniger recherchiert wird.

Slow-Journalismus – was ist das?

Das Prinzip des Slow-Journalismus ist einfach. Das Hauptaugenmerk liegt auf Genauigkeit, Korrektheit und Glaubwürdigkeit, das alles natürlich im Rahmen einer ausführlichen Recherche. Außerdem erzählt der Slow-Journalismus abgeschlossene Geschichten und keine einzelnen „News-Fetzen“.

Kann Slow-Journalismus funktionieren?

Slow-Journalismus benötigt vor allem Zeit und Geld. Ein deutlicher Nachteil; der wachsende Zeitdruck und der Sparzwang vor allem von kleinen Häusern sind die Gründe für den wachsenden Fast – Journalismus. Außerdem die immer schneller werdenden Kommunikationstechologien und der Konkurrenzkampf um die neuesten News. 
 Andererseits können Stories ausreichend recherchiert und bearbeitet werden, sodass der Kunde qualitativ hochwertige Artikel zu lesen bekommt.

Vor-, Nachteile und Auswirkungen des Fast-Journalismus

Deshalb kommt es schon so weit, dass ein Artikel über eine Gerichtsverhandlung schon im voraus verfasst wird: Einer, der die Verurteilung dokumentiert, und einer, der vom Freispruch des Angeklagten erzählt: Fraglich! Wenn dann aber aus Zeitdruck der falsche Artikel ins Netz gestellt wird, so wie es im Fall von Amanda Knox passiert ist, ist das ein journalistisches Versagen von unglaublichem Ausmaß. Jedes Kind weiß: Das Internet vergisst nie!

Dennoch ist der klare Vorteil des Fast-Journalismus – natürlich – die Schnelligkeit. Auch wenn Fehler unterlaufen, die Leser sind, zwar oberflächlich, aber schnell informiert.

Welche Fehler macht ein „Fast-Journalist“?

Ein guter Journalist sollte sich nie ausschließlich auf das eigene Gedächtnis verlassen. Erare humanem est – irren ist menschlich und solche Fehler in Artikeln müssen nicht sein. Außerdem sind Quellen aus dem Internet mit Vorsicht zu genießen. „Wer überhaupt nicht nach der Quelle fragt, begeht den ersten Fehler. Wer nicht nach der Qualität der Quelle fragt, den zweiten.“, schreibt Lutz Göhnermeier in seinem Praxishandbuch. Auch die vermeintliche Anonymität im Web fördert den Fast-Journalismus, denn die ethnische Hemmschwelle ist im Netz bedeutend geringer.

Qualität vs. Schnelligkeit

Was von beidem ist uns als Journalisten und der Gesellschaft wichtiger?
Damit der Slow-Journalismus eine Chance hat müsste die Gesellschaft einen Mentalitätswandel durchlaufen. Und auch die Journalisten selbst müssten selbst wieder erkennen, welche Verantwortung sie eigentlich tragen. Ralf Reichert meint dazu: „Bei einer intensiven Recherche spüre ich am meisten, warum ich diesen Job so gerne mache: weil ich ein Thema aus vielen Blickwinkeln beleuchten, Missstände aufspüren und damit in der Gesellschaft etwas zum Besseren verändern kann.“

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