TV-Storytelling – Wie funktioniert eine Geschichte?

Was ist eigentlich TV-Storytelling? Die Welt ist voller Geschichten. Als TV-Journalist reicht es nicht, einfach mit der Kamera loszuziehen. Was braucht mein Film? Wie erzähle ich die Story? Fragen, die ich mir stellen muss bevor das rote Lämpchen leuchtet.

Vor dem Dreh wird ein "Drehbuch" geschrieben

von Nicolas Bettinger

Wer als Journalist in der Video-Branche arbeiten will, sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein Filmbeitrag nicht nur am Drehort entsteht. Genau wie ein fiktionaler Kinostreifen, basiert auch ein journalistischer Beitrag auf einem dramaturgischen Drehbuch. Dem TV-Storytelling. Die geläufigsten Formate im TV sind die Reportage, der Bericht und das Portrait. Hier ein kleiner Kurzüberblick:

Formate im Fernsehen

  • Die Reportage: Die Kamera ist mitten im Geschehen und folgt dem Protagonisten permanent. Dabei wird ein zeitlich begrenztes Ereignis in chronologischer Reihenfolge gezeigt.
  • Der Bericht: Die Kamera ist distanzierter als in der Reportage. Sachlich, faktisch und emotionsarm beantwortet der Bericht die wichtigen W-Fragen (Wer, was, wann, wo, wie, warum?). Dabei geht es entweder um aktuelle Nachrichten oder um Hintergrundinformationen für ein Fernseh-Magazin.
  • Portrait: Die Kameraführung kann sowohl statisch als auch bewegt sein. Ziel ist es, dem Zuschauer eine interessante Persönlichkeit vorzustellen.

Als Journalist geht es nicht nur darum Informationen aufzuarbeiten. Die Kunst liegt darin, eine Geschichte zu erzählen und dadurch Fakten verständlicher zu machen. Emotionales bleibt in Erinnerung. Um gutes TV-Storytelling anzuwenden, braucht es entsprechende Bausteine.

Die Hauptfigur

Wie so oft im Journalismus, hängt der Erfolg eines TV-Beitrags von der Qualität der Protagonisten ab. Deshalb sollte die Wahl wohl überlegt sein. Die Hautfigur muss beim Zuschauer Interesse wecken. Hat der Mensch (Hauptfiguren können auch Tiere, Gegenstände, etc. sein) eine besondere Fähigkeit? Kann er sich gut ausdrücken? In der Regel ist es spannender Menschen mit „Ecken und Kanten“ abzubilden als „langweilige“ Personen. Protagonisten, die schwere Schicksalsschläge erlitten haben, außergewöhnliche Berufe ausüben oder eine Drogenvergangenheit haben. Eine Mutter mit zehn Kindern erzeugt nun mal mehr Neugierde beim breiten Publikum als ein gewöhnlicher Student.
Der TV-Journalist sollte seine Hauptfigur also schon vor dem Dreh gut genug kennen, um einschätzen zu können, wie er auf den Zuschauer wirken kann um somit mit gutem TV-Storytelling zu punkten.

Die Herausforderung für TV-Storytelling

Eine Geschichte funktioniert nur, wenn die Hauptfigur mit einer Herausforderung konfrontiert wird. Wichtig sind dabei die Eigenschaften einer Person, die für die Bewältigung der Herausforderung entscheidend sind. Diese kann je nach Attribut des Protagonisten größer oder kleiner sein. Ein TV-Beitrag über einen Krankenhausarzt könnte beispielsweise folgende Elemente beinhalten: Der Mediziner (= Hauptfigur) ist Facharzt der Urologie und spezialisiert auf Prostataeingriffe (= Attribut). Der Film zeigt die Vorbereitung und die Durchführung einer komplizierten Operation (= Herausforderung). Maßgebend für die Handlung ist eine Fallhöhe. Das Risiko des Scheiterns besteht ebenfalls. Wenn der Arzt die Operation also erfolgreich durchführt, wird der Patient geheilt. Macht der Urologe aber Fehler, könnte das weitreichende Folgen haben. Die Gefahr des Scheiterns verursacht die sogenannte Fallhöhe und verleiht dem Film die Spannung.

In einer gut erzählten Geschichte erlebt der Zuschauer einen Wandel seiner Emotionen. Das Gefühl zu Beginn des Filmes sollte sich von dem am Ende unterscheiden. Die Anspannung und Angst während der gezeigten Operation könnte beispielsweise von Erleichterung und Glücksgefühlen nach einem erfolgreichen Eingriff abgelöst werden.
All diese Merkmale sollten in ein Drehbuch oder zumindest in die Vorüberlegungen mit einfließen. Natürlich ist nicht alles planbar. Beherzigt der Journalist allerdings die Grundregeln der Dramaturgie, kann er auch mit einem normalen Thema eine besondere Geschichte erzählen.

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