Vorsicht Satire! Das Monster schlägt zurück

Einigen Journalisten kann es gar nicht deutlich genug sein. Häufig wird durch standardisierte Phrasen und Zeichen vor satirischen Artikeln gewarnt. Da kann man nur sagen: Vorsicht Satire! Einigen Journalisten kann es gar nicht deutlich genug sein. Häufig wird durch standardisierte Phrasen und Zeichen vor satirischen Artikeln gewarnt. Da kann man nur sagen: Vorsicht Satire!

In den Medien hat Satire oft keinen guten Ruf, doch Einige meinen, dass der Journalismus das Problem ist. Warum ist das so und geht die Satire zu oft zu weit?

Von Anna-Lena Borkenhagen

Mit der Überschrift „Vorsicht Satire!“ wird die scheinbar ahnungslose Leserschaft in fast jeder Zeitung oder Zeitschrift davor gewarnt, den folgenden Text nicht zu ernst zu nehmen. Im Rechtsstaat Deutschland soll ja auch Keiner etwas in den falschen Hals kriegen. Satire wird oft kritisch betrachtet, dennoch halten ein paar standhafte Satiriker und Journalisten den Widerstand. Und das zu recht!

Wie es sein sollte

Schon allein die Tatsache, dass man sarkastische Artikel auf diese Weise ankündigen muss, spiegelt das Bild das Deutschland, und besonders der Journalismus, von Satire hat wieder. Satire soll leicht verständlich sein, Bildmontagen klar erkennbar und am Besten soll sich niemand angegriffen fühlen. Doch wie Satire eigentlich aussehen sollte, sehen Medienmenschen aus dieser Sparte ganz anders. „Wir mögen den Journalismus ja, wir hätten ihn gerne besser”, meinten die Moderatoren der „Anstalt“ Claus von Wagner und Max Uthoff in einem Interview mit der TAZ. Auch ihre Absichten stellten sie eindeutig dar: „Wir wollten Kabarett machen, das sich in die Tiefe wagt. Dazu muss man dann unweigerlich die Fakten bereitstellen.”. Denn nicht nur ein guter Schuss Humor gehört zu einem satirischen Beitrag. Auch ausführliche Recherche und eine gute Themenaufbereitung sollten auf der Tagesordnung stehen. Der Medienethiker Prof. Dr. Christian Schicha wünscht sich in einem Beitrag vom 3sat in der Sendung Kulturzeit „eine größere Reflexion und Kritikfähigkeit der Medienberichterstatter“. Er findet: „Die Aufgabe des Journalismus besteht darin, unabhängig zu informieren und somit eine kritische Öffentlichkeit herzustellen“. Das schaffen in der heutigen Zeit eher, die immer beliebteren Satire-Sendungen. Egal ob „die Anstalt“ oder „die Heute-Show“, die Quoten gehen nach oben.

Andere Länder, andere… Satiretradition?

Trotz des heutigen Zuwachses wird Satire im Journalismus selten ernst genommen. Anders ist das in den USA und in Frankreich – hier steht die Satire im Rampenlicht und wird in höchsten Tönen gelobt. Doch warum steht Satire bei uns in einem so schlechten Licht? Sind wir vielleicht alle Langeweiler, die keine Späße verstehen, oder liegt da wirklich ein Grund in einer verstaubten Kiste auf dem Dachboden der Bundesrepublik? Tatsächlich hatte es Deutschlands Presse nie leicht im Bereich Journalismus. Zensuren, Prozesse und immer wieder neue „Anti-Pressefreiheitsgesetze“ machten den Satire-Zeitschriften und –Zeitungen schon Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts das Überleben schwer. Jede einzelne Ausgabe wurde von der Staatsanwaltschaft überprüft, bei nicht gefallen stand sofort ein Prozess vor der Tür. Damit die Redaktion trotzdem weiter arbeiten konnte, führte man den Beruf des Sitzredakteurs ein. Was seine hauptsächliche Tätigkeit war? Na sitzen, im Knast natürlich! Das war die einzige Möglichkeit, die die Redaktionen hatten, um weiterhin erscheinen zu können. Im Vergleich zur darauf folgenden Zeit hatten die Redakteure hier ja noch Glück im Unglück. Schon vor der Machtergreifung Hitlers wurden Journalisten und Satiriker, die sich gegen das System auflehnten, verhaftet oder umgebracht. Einer der wenigen, die bis 1933 durchgehalten haben, war Erich Mühsam, ein Autor der unter einem Pseudonym satirische Beiträge für den Ulk, die Wochenbeilage das Berliner Tagesblattes, verfasste. Auch er wurde erst in „Schutzhaft“ genommen und ein Jahr später im KZ Oranienburg von den SS-Wachen ermordet. Heutzutage steht Satire besonders wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten in der Kritik.

Vorsicht Satire! Wie sie leibt und lebt

Die Titanic und die taz mussten schon viele Gerichtsverfahren wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen über sich ergehen lassen, oftmals mit dem Resultat, dass Ausgaben verboten wurden. Mit Themen, wie den Sänger der Band Pur als „IQ-60-Gesicht“ zu beschreiben oder den Ski-Unfall von Michael Schumacher mit einem Bild von Nici Lauda auf die Schippe zu nehmen, stößt deutsche Satire an ihre Grenzen. Trotz dieser Differenzen, auch zwischen Journalismus und Satire, gewinnen satirische Formate auch im journalistischen Bereich immer mehr Preise. Satiresendungen wie die Heute-Show gewannen 2012 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis und die Anstalt 2015 den Grimme-Preis. Also warum nicht Satire in die Aus- und Fortbildung von Journalisten integrieren? Eigentlich sollte das schon längst der Fall sein, doch dieser Bereich wird kaum behandelt, weswegen viele Journalisten auch keine Akzeptanz für schwierige, satirische Themen aufbringen können. Vielleicht wäre das der erste Schritt das Image vom engstirnigen Deutschland los zu werden und auch ernste Themen schmunzelnd zu verstehen.

Quellen:

Bild: http://www.fahrschule.de/Fragenkatalog/1.4.40-101

http://www.journalistenbuero.com/archiv/satire-im-journalismus.htm

http://www.taz.de/!5203749/

http://newsroom.mediadesign.de/presse/ist-satire-der-bessere-journalismus/

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