Wie führe ich ein richtiges Interview?

Ein Journalist will Informationen von unterschiedlichsten Menschen. Das Interview bietet die Möglichkeit, Antworten auf vorbereitete Fragen zu bekommen. Doch wie führe ich ein richtiges Interview und was muss ich unbedingt beachten?

Jedes Interview braucht eine Strategie

von Nicolas Bettinger

Um ein erfolgreiches Interview führen zu können, bedarf es einer intensiven Vorbereitung auf Thematik und Interview-Partner. Doch auch das größte Expertenwissen schützt nicht vor einem schlechten Gespräch. Entscheidend ist, was später auf dem Papier steht. Deshalb muss der Journalist die Unterhaltung so steuern, dass sich daraus verwertbare Aussagen ergeben. Ungeachtet des Themas, gibt es Grundelemente, die bei der Frage helfen: „wie führe ich ein richtiges Interview?“

Ort des Interviews

Ein gutes Interview findet nicht zwischen Tür und Angel statt. Der Journalist sollte dem Gesprächspartner die Wahl überlassen. Befragte fühlen sich in vertrauter Umgebung wohler. Dabei eignen sich Büro oder Arbeitsplatz des Protagonisten oder ein ausgewähltes Restaurant.

Die Gesprächsatmosphäre

Wie führe ich ein richtiges Interview? Der Journalist will etwas vom Befragten. Nicht umgekehrt. Deshalb sollte er ihm mit Respekt und Interesse begegnen. Eine gute Atmosphäre ist eine wichtige Grundlage für ein ergiebiges Interview. Ein netter Satz zur Begrüßung oder ein Kompliment zur Büroeinrichtung kann das erste Eis brechen. Im Gespräch sollte der Befragte eine gewisse Anerkennung seines Gegenübers wahrnehmen. Konzentration, Augenkontakt und verständnisvolles Kopfnicken gehören in das Repertoire eines guten Journalisten. Um an relevante Informationen zu gelangen, muss dieser auch launische Ausbrüche und Eigenheiten des Gesprächspartners aushalten.

Die Fragestellung

Schon die Art der Fragestellung hat Einfluss auf Qualität und Umfang einer Antwort. Dessen muss sich ein Journalist bewusst sein, wenn er nach guten Zitaten sucht. Dabei kann er den Befragten dazu bringen, präzise und kurz zu antworten oder ausführlich und erläuternd.

  • Offene Fragen: Um den Interviewpartner möglichst viel erzählen zu lassen und damit einen umfangreichen Eindruck des Geschilderten zu erhalten, eignen sich offene Fragen: „Wie haben Sie die Situation erlebt?“, „Welche Erfahrungen haben Sie besonders geprägt?“
  • Geschlossene Fragen: Wenn der Fragesteller eine klare Stellungnahme benötigt und keinen Spielraum zulassen möchte, bieten sich geschlossene Fragen an: „Haben Sie von den Korruptionsvorwürfen gewusst?“, „Wollen Sie erneut zur Wahl antreten?“

Um eine Dynamik in das Gespräch zu bringen, sollte der Interviewer zwischen diesen Frageformen variieren. Mit der richtigen Fragetechnik behält er die Kontrolle über die Unterhaltung. Kritisches Nachfragen wie „Warum unterstützen Sie eigentlich die Kriegspolitik?“ gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Journalisten. Dieser muss sich in die Rolle der Leser hineinversetzen. Nachhaken wie „Was meinen Sie damit?“ oder „Das müssen Sie mir genauer erläutern“ verhindert Verständnisprobleme.

Nacharbeit und Autorisierung

Nach dem Expertengespräch beginnt die eigentliche Arbeit: Das Schreiben des Interviews. Der Verfasser streicht irrelevante Inhalte, formuliert die Aussagen in leserliche Form und bringt die Antworten in eine sinnvolle Reihenfolge. Solange Inhalt und Zusammenhang nicht verfälscht werden, darf der Journalist an dem Text feilen.
Verlangt der Befragte eine Autorisierung, muss ihm die Redaktion das fertige Interview vor Veröffentlichung zukommen lassen und gegebenenfalls Änderungswünsche erfüllen.

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