Zukunft der Zeitung

Zukunft der Zeitung: Ein Thema, das in Zeiten des crossmedialen Wandels den Alltag von Medienschaffenden beherrscht. Hannes Kohlmaier (45) gilt als Vorreiter in Sachen Bewegtbild, Crossmedia und ist seit 2014 leitender Redakteur von BILD Süd in München. „An Journalisten in der Zukunft sind hohe Ansprüche gestellt. Da sollte keiner mit Illusionen rangehen. Ohne eigenen Stil kommt man in Zukunft nicht mehr weit.“

Medienfrage: Wie sieht die Zukunft der Medienbranche aus?

Hannes Kohlmaier: Ich denke, dass es in Zukunft darum geht, möglichst schnell hochwertige Texte, Bilder und Videos im Web zu verbreiten. Die Printauflagen sinken, und es geht nur noch darum die Transformation von Print zu Online möglichst schnell und elegant zu vollziehen.

Medienfrage: Heißt das: Die Zukunft der Zeitung ist ungewiss?

Hannes Kohlmaier: Auch wenn viele ältere Kollegen es nicht gerne hören: Online kommt zuerst. In der Printausgabe sind die Informationen ungefähr 13 Stunden alt. Da ist jeder auf Twitter oder auf Facebook schneller. Jedes Handy ist heute eine mobile Nachrichtenredaktion. Es bringt also nichts die Inhalte zurückzuhalten, und zu hoffen so erhalte sich ihr Wert.

Die Zukunft der Zeitung: Spezialisten gefragt

Medienfrage: Online braucht mehr als nur Texte, und für Bilder und Videos braucht es geschultes Personal. Sind Redakteure dafür geeignet?

Hannes Kohlmaier: Nicht jeder ist vertraut mit Kamera-Equipment und Schneiden, oder hat das Auge für verwertbare Szenen. Auch haben viele der älteren Generation da einfach Hemmungen, oder wollen die Notwendigkeit nicht sehen. Privat habe ich mich schon immer für Bewegtbild interessiert und meine Utensilien wie aufsteckbares Kopflicht, Linse und Mikrofon immer im Auto dabei.

Medienfrage: Wie kann man sich den Arbeitsalltag dann vorstellen?

Hannes Kohlmaier: Ich erzähle mal zum Beispiel von gestern: Brand in einem Flüchtlingsheim. Da rücke ich als Texter mit Fotograf direkt aus: Die ersten Fotos und Videos mache ich vor Ort mit dem Handy. Die stelle ich dann hoch auf Twitter und Periscope. Parallel sende ich erste Infos an die Redaktion, und das wird dann mit ordentlichen Bildern vom Fotografen direkt auf BILD Online gestellt. Dann gibt’s einen Newsfeed, wo wir über das weitere Geschehen auf dem Laufenden halten.

Hannes Kohlmaier zweifelt an der Zukunft der Zeitung

Hannes Kohlmaier ist seit 23 Jahren im Mediengeschäft. Seit 2014 ist er leitender Redakeur der BILD Süd in München

„Journalisten der Zukunft müssen alle Plattformen bespielen können. Je mehr Eigenmarke, desto besser.“

Medienfrage: Nicht alle Themen eignen sich für eine Berichterstattung mit Bildern. Gibt es Faustregeln?

Hannes Kohlmaier: Wenn es so einfach wäre, würden wir nicht so viele Redaktions-Konferenzen machen. Flammen wie beim Brand im Flüchtlingsheim sind natürlich dramatisch. Die Click-Zahlen zeigen uns, dass Interviews sich in Text- oder Video-Format nicht viel nehmen. Gehe ich jetzt aber auf ein Sport-Event mit viel Bewegung, sind Videos ein Muss. Oder auf der Wies’n, wenn es um exzessiven Alkoholkonsum geht und ich mit Leuten interagieren kann. Da ist ein Video authentischer als Text.

Meidenfrage: Was sind Anforderungen an junge Journalisten von morgen in Bezug auf den Medienwandel?

Hannes Kohlmaier: Wenn es ins Internet geht, gibt es die Frage nach der Monetarisierungs-Methode. Also wie verdient man letztlich mit den Informationen Geld? Wenn Redakteure nach den Klicks bezahlt werden sollten, die ihre Artikel generieren, könnte das einen Schock bedeuten. Viele werden getragen von den Erträgen der Print-Auflage. Wenn die aber verschwinden sollte, dann verschwinden auch viele Verlage gänzlich. Journalisten von morgen müssen alle Plattformen bespielen und vor wie hinter der Kamera agieren können. Da sollte sich jeder die Illusionen aus dem Kopf schlagen. Je mehr Eigenmarke du wirst, desto besser. Viele werden mit zu hohen Erwartungen und zu wenig Einsatzbereitschaft im Medienmarkt sicher enttäuscht werden.

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